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Praxis 23. November 2005

Zinsen für Gelder im Ausland

Das Thema Kapitalanlage im Ausland muss ab Juli 2005 neu geschrieben werden. Ab diesem Zeitpunkt melden ausländische Banken die Zinsen derösterreichischen Finanz.

In den 22 EU-Staaten und in der Schweiz, Liechtenstein, Monaco, San Marino und Andorra traten am 1. Juli 2005 neue Regelungen über die Behandlung von Zinsen auf Guthaben von Ausländern in Kraft. „Nichts wird jedoch einheitlich gehandhabt“, kommentiert Raimund Eller von der Innsbrucker Steuerberatungskanzlei Jünger. In Österreich, Belgien, Luxemburg und in den aufgezählten Nicht-EU-Staaten wird gestaffelt Quellensteuer auf Ausländerspargut-haben und Festgelder eingehoben. Von 2005 bis 2007 beträgt diese 15 Prozent, danach bis 2010 20 Prozent und ab 2011 schließlich 35 Prozent. Weiters wird Quellensteuer auf Anleihen eingehoben, die nach dem 1. März 2001 begeben wurden. Es erfolgt eine anonyme Abfuhr von 75 Prozent dieser Quellensteuer an die Heimatländer der Sparer.

„Für Österreicher ändert sich dadurch insofern nichts Grundlegendes, weil in diesen Staaten die Anonymität der Sparer gewahrt bleibt“, so Eller. Vorsicht ist jedoch in allen anderen EU-Staaten geboten: Die dort kontoführenden Banken melden den österreichischen Finanzämtern ab 1. Juli 2005 die Identität und den Wohnsitz des Zinsempfängers, Name und Anschrift der Zahlstelle, Kontonummer oder Wertpapiernummer sowie die Zinsbeträge. Betroffen von dieser Meldung sind Konto- und Termineinlagen, Sparbucheinlagen, festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen) und Anleihenfonds mit 40 Prozent Anleihenquote aufwärts. Nicht betroffen hingegen sind Aktien, Aktienfonds mit weniger als 40 Prozent Anleihenquote, Immobilienfonds, Indexzertifikate sowie Lebensversicherungen. Eller empfiehlt betroffenen Ärzten, mit der ausländischen Bank abzuklären, inwieweit die Guthaben unter die Meldepflicht fallen. Eventuell gibt es die Möglichkeit, dass infolge eines (zweiten) Wohnsitzes im betreffenden Staat keine Meldepflicht der Bank nach Österreich besteht. Man sollte auch mit der Bank darüber sprechen, ob für das erste Halbjahr bereits meldepflichtige Umstände vorliegen. Weiters sollte ein Transfer der Guthaben nach Österreich oder in nicht meldepflichtige Anlagen in Erwägung gezogen werden.„Wer bisher nichts versteuert hat, sollte jedenfalls seinem Steuerberater ‚reinen Wein einschenken’, damit dieser die Umstände prüfen und gegebenenfalls rechtzeitig eine strafbefreiende Selbstanzeige beim Finanzamt einreichen kann“, empfiehlt Eller.

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