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Praxis 23. November 2005

Mit Verlusten Gewinne erzielen

Das Wesen von Beteiligungsmodellen ist, dass Verluste aus solchen „anderen Tätigkeiten“ mit Gewinnen aus der ärztlichen Ordination gegengerechnet werden können. Diese Modelle wurden jedoch mit der Steuerreform 2000 starken Einschränkungen unterworfen.

Beim Zeichnen von Beteiligungen sollten Steuerpflichtige sowohl die steuerliche als auch die wirtschaftliche Überlegung ins Kalkül ziehen. Oft werden enorme Steuereinsparungen versprochen, die gerade zur Prognose der zu erwartenden Steuerzahlung des laufenden Jahres recht lukrativ erscheinen.

Gesetzliche Schranken

„Verluste von solchen Modellen werden beispielsweise nicht anerkannt, wenn die Rendite nach Steuern doppelt so hoch ist wie vor Steuern“, erklärt Dr. Gottfried Scholler, Steuerberater in Wien. „Der Gesetzgeber hat dadurch versucht, Beteiligungen, die rein aus steuerlichen Gründen eingegangen werden, von einem Verlustausgleich auszuschließen.“ Das Problem besteht laut Scholler darin, dass die Entwicklung der Renditen vor und nach Steuern zum Zeitpunkt des Abschlusses der Beteiligungsmodelle natürlich noch nicht absehbar sind und erst mit der Zeit die steuerliche Anerkennung festgestellt werden kann. Auch wenn Modelle seriös und vernünftig berechnet sind bzw. der Verlauf prognostiziert wird, können unvorhergesehene Ereignisse oder Marktentwicklungen jede Prognose ad absurdum führen.
„Zu überlegen wäre also auch“, rät Scholler, „ob es Alternativen zu den Risiken von gewerblichen Beteiligungsmodellen gibt, bei denen nämlich im schlechtesten Fall das gesamte investierte Kapital verloren sein kann.“ Hier könnten sich Beteiligungen an Immobilien in den diversesten Formen als Alternativen anbieten. Die Bandbreite reicht von der privat vermieteten Wohnung oder Vorsorgewohnung über Bauherrenmodelle, Beteiligungen an Zinshäusern bis zu Immobilienfonds.

Vorteile von Immobilien

„Ein wesentlicher Vorteil gegenüber den gewerblichen Modellen besteht darin, dass eine Immobilie nur in den ungünstigsten und doch eher seltenen Fällen völlig an Wert verliert“, so Scholler. Doch auch hier müsse jedes Modell individuell auf Wirtschaftlichkeit sowie auf steuerliche „Verwertbarkeit“ geprüft werden. Gerade bei den Vermietungstätigkeiten schwebe das Damoklesschwert der Liebhaberei möglicherweise noch jahrelang über dem Steuerpflichtigen.

Einklang mit individueller wirtschaftlicher Situation

Scholler weist auch darauf hin, dass die Art, vor allem aber auch die Anzahl der Beteiligungs- oder Vermietungsmodelle in das Gesamtbild und das wirtschaftliche Konzept jeden Einzelnen passen sollte. Jedes Jahr ein Modell abzuschließen, um sich Steuern zu sparen, kann kurzfristig zwar die Steuerbelastung reduzieren, allerdings lässt sich generell sagen, dass Modelle nur dann anerkannt werden, wenn sie früher oder später einen Gesamtüberschuss erzielen.„Dies bedeutet, dass die Modelle nach einigen Jahren hoffentlich Gewinne erzielen, die dann zusätzlich zu jenen aus der Ordinationstätigkeit zu versteuern sind“, so Scholler. Daher könne es manchmal durchaus mehr Sinn machen, Steuern zu zahlen anstatt noch einen Kredit für das nächste Modell aufzunehmen. Grundsätzlich empfiehlt Scholler in jedem Fall, dass vor Abschluss eines Modells die allfälligen Konsequenzen mit dem Steuerberater ausführlich besprochen werden.

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