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Praxis 19. Juni 2017

Vertrauen schaffen durch Transparenz

Offenlegung. Transparenz in der Medizin sollte letztlich zum Wohle des Patienten beitragen, hieß es in einer Podiumsdiskussion zwischen Vertretern der Ärztekammer, Pharmig und der Industrie in Linz.

Im Jahr 2012 lud die Europäische Kommission die Stakeholder im Gesundheitswesen – Ärzte, Apotheker, Pharmaindustrie, Großhändler, Krankenhäuser, Patientengruppen – ein, um unter anderem über die Transparenz in der Zusammenarbeit von Ärzten und der pharmazeutischen Industrie zu diskutieren. Im Zuge dessen wurde in Österreich 2014 ein Verhaltenskodex zwischen der Österreichischen Ärztekammer und der Pharmig bezüglich der Offenlegung von Geldflüssen zwischen Ärzteschaft und Industrie eingeführt. Im Gegensatz zum amerikanischen „Sunshine Act“, nach dem jeder geldwerte Austausch zwischen Ärzten und Industrie gesetzlich offengelegt werden muss, ist dieser Verhaltenskodex freiwillig. „Das Ziel muss natürlich sein, dass wir trotzdem eine 100-prozentige individuelle Zustimmungsrate bekommen“, erklärte Dr. Jan Oliver Huber, Generalsekretär des Dachverbandes der pharmazeutischen Industrie (Pharmig).

Gesicherte Arzneimittelversorgung

Dass Transparenz auch heißt, Neid und Unverständnis zu schüren, in dem Daten in der Presse ausgeschlachtet und als Befangenheit und korruptionsähnliche Zahlungen interpretiert werden, sei mitunter politischer Ausdruck der heutigen Medienkultur, wie Dr. Otto Pjeta, ehemaliger Präsident der Oberösterreichischen und der Österreichischen Ärztekammer, in seinem Impulsreferat feststellte. „Das Arzneimittel ist nach wie vor die wichtigste Therapieform, und da die Versorgungssicherheit gewährleistet werden muss, ist es nicht gleichgültig, welche Möglichkeiten uns die Pharmaindustrie hier bietet“, so Pjeta.

Kauft sich die Pharmaindustrie durch Fortbildungen die Ärzte und Ärztinnen? „Ich finde es unglaublich, dass man den Ärzten die Objektivität abspricht und so einen ganzen Berufsstand diskreditiert“, sagte Huber. Pharmazeutische Unternehmen erbringen geldwerte Leistungen für ärztliches Engagement bei Forschung und Entwicklung, für Dienst- und Beratungsleistungen, also etwa Einladungen zu Fachvorträgen, für die Ärzte auch bezahlt werden. Spenden und Förderungen hingegen gebe es nur für Institutionen und nicht für Personen.

Offene Kommunikation der Kosten

„Der Anstieg bei den Arzneimittelausgaben in den letzten Jahren hatte vor allem mit der Umstellung im Bereich der Rheuma- und Hypertonietherapie, aber auch mit der Einführung neuartiger, kostenintensiver Medikamente wie etwa den Biologicals zu tun“, erklärte Pjeta. Dem gegenüber hatte der verstärkte Einsatz von Generika einen kostendämpfenden Effekt.

„Dass die Ausgaben in den letzten Jahren auf einem Plateau geblieben sind, lag auch am Rahmenpharmavertrag, durch den die Pharmawirtschaft seit dem Jahr 2008 insgesamt einen Solidarbeitrag von 300 Millionen Euro zurückgezahlt hat“, so Huber. Bedauerlicherweise werde das in allen offiziellen Statistiken nicht berücksichtigt, und auch nicht von den Ausgaben abgezogen. Ebenso blieben sogenannte „individuelle Rabatte“, die die Unternehmen gewähren, unberücksichtigt.

Kulturwandel bei Jung-Ärzten

Dass einige jüngere Ärzte mehr Distanz zeigen, wenn es um Vereinbarungen mit der Industrie geht, davon ist Dr. Maria Wendler, ehemalige Obfrau der jungen Allgemeinmediziner Österreich (JAMÖ) überzeugt. „In den letzten Jahren ist auch in Österreich ein Kulturwandel zu beobachten“, so Wendler. Junge Ärzte lernen den Umgang mit Studien und Zahlen anders, sie hinterfragen diese vermehrt. Sie nehmen die Veröffentlichung und Offenlegung der Interessen auch wirklich ernst. „Derzeit ist es (noch) notwendig, dass Pharmafirmen Fortbildungen organisieren, es sollte aber gewährleistet sein, dass sie inhaltlich keinen Einfluss ausüben“, so Wendler.

„Wir arbeiten nicht nur mit öffentlichen Geldern, wir arbeiten vor allem auch mit lebenden Menschen, weshalb diese ein berechtigtes Interesse daran haben zu wissen, was passiert“, erklärte Dr. Martin Peithner, Geschäftsführer der Firma Austroplant und Mitglied des Vorstands der Pharmig. Das Beste seien möglichst breit gestreute Informationen, wobei der Einzelne entscheiden könne, was er mit dieser Information macht. „Das ist auch das Wesen einer Demokratie, denn ein nordkoreanisches System zentraler Fortbildung funktioniert einfach nicht“, so Peithner.

Quelle: Podiumsdiskussion zwischen Ärztekammer, Pharmig und Industrie auf der Demenztagung „Demenz 2020 – zwischen Patient, Arzt und Industrie“, am 12. Mai 2017, Linz (www.pharmig.at; www.transparenzschafft-vertrauen.at)

 

Reinhard Hofer

, Ärzte Woche 25/2017

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