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Praxis 23. November 2005

Vorsteuerabzug: Was geht, was nicht?

In Sachen Umsatzsteuer kehrt keine Ruhe ein. Nach zahlreichen Änderungen innerhalb kurzer Zeit sollten Ärzte und Steuerberater über die derzeit gültigen Regelungen bezüglich Gutachten und Vorsteuerabzug Bescheid wissen.

Die vier neuen Gutachten, die in den Reigen der umsatzsteuerpflichtigen Leistungen aufgenommen wurden, sind laut Mag. Hans-Georg Goertz: Gutachten zur Bescheinigung laut Kriegsopfergesetz, für zivil- und strafrecht-liche Haftungsfragen, über ärzt-liche Kunstfehler und Gutachten hinsichtlich Anspruch auf Invaliditätspensionen. „Schon bisher umsatzsteuerpflichtig sind Gutachten für auf biologische Untersuchungen gestützte Feststellungen einer anthropologisch-erbbiologischen Verwandtschaft sowie über ärztliche Untersuchungen der pharmakologischen Wirkung eines Medikamentes“, fasst Goertz, der als Steuerberater beim Wiener Ärztespezialisten Dr. Scholler & Partner tätig ist, zusammen. Dazu kommen die dermatologische Untersuchung von kosmetischen Stoffen und psychologische Tauglichkeitstests, die sich auf die Berufsfindung erstrecken. Diese Gutachten stellen eine Ausnahme dar, denn grundsätzlich hat ein Arzt nicht unbedingt etwas mit der Umsatzsteuer zu tun, da die ärztliche Tätigkeit seit 1.1.1997 unecht umsatzsteuerbefreit ist. Dies bedeutet laut Goertz, dass der Arzt für seine ärztlichen Tätigkeiten zwar keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen muss, sich aber aus seinen Betriebsausgaben und Investitionen auch nicht die Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen darf. Tatsächlich gibt es neben den erwähnten Gutachten dennoch viele ärztliche Tätigkeiten, die der Umsatzsteuer unterliegen und in Folge auch zu einem zumindest teilweisen Vorsteuerabzug führen können. Grundsätzlich umsatzsteuerpflichtig sind für Ärzte Vortragstätigkeiten, die Veranstaltung von Seminaren, schriftstellerische Tätigkeit sowie der Verkauf von Medikamenten, Kontaktlinsen, Kosmetika, Nahrungsergänzungsmitteln oder anderen Produkten.

Kleinunternehmerregelung kommt selten vor

Erzielt ein Arzt weniger Umsatz als 22.000 Euro pro Jahr, sind auch jene Tätigkeiten umsatzsteuerfrei, die normalerweise umsatzsteuerpflichtig wären. „Für die Betrachtung der Grenze zählt jedoch der gesamte Umsatz eines Arztes, also auch jener aus der klassischen ärztlichen Tätigkeit“, so Goertz. Dies bedeutet, dass wahrscheinlich nur Spitalsärzte und kleinere Wahlärzte in den Genuss dieser Befreiung kommen können. Kassenärzte und größere Wahlärzte überschreiten diese Grenze durchwegs schon mit ihren ärztlichen Einnahmen. Der vollständige Ausschluss vom Vorsteuerabzug bezieht sich nur auf die ärztliche Tätigkeit und nicht auf die anderen Leistungen, die der Umsatzsteuer unterworfen werden. Dies bietet daher die Möglichkeit des teilweisen Vorsteuerabzugs. Vorsteuern, die in direktem Zusammenhang mit den umsatzsteuerpflichtigen Leistungen stehen, können in voller Höhe abgezogen werden. Dies wird vor allem die Einkäufe von Medikamenten oder Produkten betreffen, die auch mit Umsatzsteuer verkauft werden, aber auch Einrichtungsgegenstände oder die EDV-Ausstattung, die ausschließlich für die umsatzsteuerpflichtigen Einnahmen angeschafft wurden. Darüber hinaus gibt es aber genug Ausgaben, die sowohl für die ärztlichen als auch die umsatzsteuerpflichtigen Leistungen anfallen. In diesen Fällen ohne genaue Zuordnung ist das Verhältnis der ärztlichen zu den umsatzsteuerpflichtigen Umsätzen zu setzen und der Prozentsatz der umsatzsteuerpflichtigen zu ermitteln. Der Vorsteuerabzug kann dann in Höhe jenes Prozentsatzes, der die umsatzsteuerpflichtigen Leistungen repräsentiert, vorgenommen werden. In diesem Fall kann allerdings allein die Berechnung schon kostspieliger sein als die Steuerersparnis. Goertz: „Wer mit geringen Umsätzen durch gelegentliche Vortragstätigkeit in die Umsatzsteuerpflicht fällt, sollte also nicht über einen Teilabzug nachdenken. Ab fünf bis zehn Prozent des Gesamtumsatzes wird die Angelegenheit allerdings lukrativ.“

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