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Praxis 21. November 2005

Praxis-EDV, e-card und Peering-Point

Die ARGE Daten, der Verband österreichischer Medizinischer Softwarehersteller, sowie viele Ärzte sehen den Peering-Point als Schwachstelle in Sachen Datenschutz. Ein heikles Thema in diesem Zusammenhang ist die Einbindung der Praxis-EDV in das e-card-System.

„Der Peering-Point ist eine zentrale Datendrehscheibe, von der Daten ohne Einsichtnahme ähnlich wie bei einer Postverteilung verschickt werden. Ich halte das prinzipiell für eine gute Sache“, sagt Ärztesoftware-Hersteller Wolfgang Gruber im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE. „Der Arzt bekommt über das System eine Firewall, einen Virenschutz, ist vor Spam geschützt und hohe Übertragungsgeschwindigkeit ist gewährleistet.“ Wie das in Bezug auf die Programmierung der Ärztesoftware funktionieren wird, dazu gibt es bis dato keine klaren Informationen. Befundübertragung sowie Fernwartung werden in Zukunft jedenfalls nur über diesen Peering-Point ausgeführt werden.

Sie sind also ein Verfechter des Peering-Points?
Gruber: Ja, denn er ist der nächste logische Schritt in Sachen EDV bei Ärzten. Er bietet eine große Chance als Schnittstelle zwischen den Sozialversicherungen und anderen Institutionen und Dienstleistern des Gesundheitswesens. Mögliche Bedenken muss man natürlich ernst nehmen und so gut wie möglich ausräumen.

Die Softwareunternehmen und Ärzte werden also offensichtlich nur unzureichend über die Neuerungen informiert?
Gruber: Das ist leider nicht die einzige Problematik. Neben der mangelhaften Information der Ärzte gibt es auch Auflagen der Ärztekammern, die uns das Leben schwer machen. Die Ärzte werden aufgefordert, nichts zu bestellen, da man über ein Finanzierungsmodell mit den Softwarehäusern verhandle. Wenn aber die Ärzte nichts bestellen, kann intern nicht geplant und damit der Rollout-Plan nicht eingehalten werden. Es soll aber alles funktionieren, wenn die Telekom zur Installation kommt. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt aber nichts vorbereitet wurde, muss der Softwareanbieter ebenfalls zur Installation erscheinen.

Wer wird das bezahlen müssen?
Gruber: Wenn die Dinge so laufen, wie sich das die Softwareanbieter vorstellen, muss kein eigener Besuch erfolgen, da die Telekom im Auftrag der Softwarehäuser geringfügige Feineinstellungen vornehmen kann. Die Ärztekammer fordert die Ärzte jedoch auf, weder bei der Telekom noch bei einem Softwarehaus zu bestellen. In diesem Fall müssen alle Umsteller angefahren werden. Das bedeutet nicht nur Mehrkosten, sondern auch eine zeitliche Verzögerung von bis zu fünf Tagen.

Wie viele Ihrer Softwarenutzer werden die vollelektronische Lösung nutzen?
Gruber: Ich schätze, dass etwa 60 Prozent unserer Anwender die vollelektronische Lösung, also die Einbindung in die Software, nutzen werden. Als Alternative gibt es die Stand-alone-Lösung. Das ist ein Lesegerät mit Bildschirm oder Bildschirmumschaltbox sowie Tastatur. Der Arzt bekommt die Daten und muss diese wie bisher mit Krankenschein in die Ärztesoftware übertragen. Das wird beispielsweise für kleinere Fachärzte eine gute Alternative sein, der Mehraufwand hält sich in Grenzen. Als zusätzlicher Vorteil kann der Wegfall der Scheinmahnung gesehen werden, der bisher in jeder Ordination zusätzlichen Verwaltungsaufwand verursacht hat.

Gibt es noch andere Alternativen?
Gruber: Die dritte Möglichkeit ist der Ersatzkrankenschein, der ist jedoch abhängig vom Goodwill der Kasse. In der Übergangsphase wird es sicher einen Ersatzkrankenschein geben, da viele Patienten noch keine e-card haben werden. Ich empfehle jedoch unbedingt die Einbindung, nämlich im Hinblick auf das, was die Zukunft noch bringen wird.

Die Kosten des Systems scheinen ein Argument gegen die e-Card zu sein.
Gruber: Die Kosten auf Seiten des Arztes betragen für das benötigte Software-Modul je nach Hersteller zwischen 250 und 400 Euro und werden wahrscheinlich bezuschusst werden. Die Ärztekammer hat für den Rollout immerhin eine große Summe vom Hauptverband bekommen. Das sind aber nur die geringen Kostenanteile. Die Hauptkosten werden vom laufenden Betrieb verursacht. Für 35 Euro pro Monat bekommt man immerhin das Lesegerät, einen ADSL-Anschluss, den Router sowie den GINA-Rechner. Der Arzt hat in diesem Preis in einem gesicherten Netz alles drin, sogar kaputte Lesegeräte würden kostenlos ersetzt. Zusätzlich sind noch fünf Euro für den Peering-point samt Internetanbindung und Mehrwertdienste zu leisten.

Ist der Preis für die Adaptierung derÄrztesoftware gerechtfertigt?
Gruber: Wir sind seit August des vergangenen Jahres mit drei Programmierern am Werk, deshalb haben wir kein Verständnis, dass sich die Ärztekammern über 400 Euro aufregen. Wir wissen auch nicht, wie viele Ärzte das Modul bestellen. Was soll ich machen, wenn nur 100 die vollelektronische Lösung wollen? Wir tragen jedenfalls die Hauptlast der Einbindung, da wir das Bedienungsmodul für den Arzt programmieren. Er wird ja auch uns bei Problemen anrufen, wir müssen eventuelle Fehler lösen und die Programme warten. Bei der Einführung rechne ich drei bis fünf Angestellte zusätzlich für die Hotline. Aus unserer Sicht sollten die Ärzte die Empfehlung der Kammer ignorieren und bereits jetzt bei gewünschter Anbindung das Modul bestellen. Wenn das bis zuletzt hinausgezögert wird, ist kein geordneter Rollout gewährleistet.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 13/2005

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