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Praxis 21. November 2005

Paradoxe Situation mit Heilmittel-Sparprogramm

Ein „Gegengeschäft“ der Wiener Ärztekammer mit der Gebietskrankenkasse zeigt schwere Mängel: Der vereinbarte Zuschuss für Praxis-EDV ist an Kriterien gebunden, nach denen Ärzte ungleich bewertet werden.

Sparen tut Not! Das dürfte sich bereits bis in den letzten Winkel Österreichs herumgesprochen haben. Speziell die Mittel der öffentlichen Hand sind nicht unbegrenzt, die Sozialversicherungen sehen sich mit steigenden Kosten und sinkenden Beiträgen konfrontiert. Ein in den vergangenen Jahren viel diskutierter Schritt ist die Forcierung der Verschreibung von Generika. So haben die verschiedenen Bundesländer unterschiedliche, teilweise clevere Modelle ausgeklügelt und ausverhandelt, den Generikaanteil bei Verschreibungen zu erhöhen. Auch in Wien: Als das mit Ärzte-EDV am schlechtesten ausgestattete Bundesland hat man hier den Weg über die Bezuschussung von Praxis-EDV versucht. Deren Einsatz ermöglicht auch das effiziente Handling des Generika-Tools, einer elektronischen Hilfe zur schnellen Kostenkontrolle von Medikamenten.

5.500 Euro Zuschuss bei Neukauf einer Praxis-EDV

So wurde 2001 zwischen Wiener GKK und Ärztekammer ein Zuschuss von 5.500 Euro bei Neukauf einer Anlage ausverhandelt. Dieser muss dann zurückgezahlt werden, wenn die individuellen Heilkosten eines niedergelassenen Arztes im Beobachtungszeitraum 2001 bis 2003 um weniger als den Zuschuss gesunken sind. Einfacher ausgedrückt: Wer mehr als den Zuschuss einsparte, musste ihn nicht zurückzahlen. Doch offenbar hat dieser Vertrag eine vielleicht nicht bedachte, jedenfalls schlecht ausverhandelte Lücke. Bezugswert sind die absoluten Heilkosten. Wenn ein Arzt beispielsweise weniger Patienten betreut, kann er trotz ökonomisch schlechterer Verschreibweise den Zuschuss bekommen. Junge Ärzte mit aufstrebenden Praxen sind jedoch benachteiligt, obwohl gerade bei diesen das Einsparpotenzial der Zukunft liegt. So im Fall des Wiener Gynäkologen Dr. Andreas Feiks: Mit zweitem Quartal 2001 bekam er einen neuen Kassenvertrag, der 2003 definitiv gestellt wurde. Natürlich war in dieser Zeit ein Patientenzuwachs vorhanden, verbunden mit höheren Gesamtheilmittelkosten.

Folgekostenbrief bescheinigt ökonomische Verschreibung

Der Blick in den Folgekostenbrief bescheinigt ihm erstklassige Verschreibweise. Sein Generikaanteil liegt bei 80 Prozent, er ist schließlich auch überzeugt, dass durch ökonomische Verschreibweise eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entstehen kann. Das war auch seine Motivation, mit EDV und Ökotool zu beginnen, obwohl das für Ärzte seiner Größe und Fachrichtung in Wien nicht unbedingt üblich ist. „Viele Ärzte verschreiben viel teurer. Wer 60 Prozent Generikaanteil hat, gilt schon als Musterknabe, das ausverhandelte Ziel zwischen GKK und Ärztekammer liegt bei 45 Prozent“, so Feiks. Dass der Gynäkologe nun den EDV-Zuschuss zurückzahlen musste, will er nicht einfach hinnehmen. Juristisch ist alles dicht Die Wiener GKK sieht das aber anders. Juristin Dr. Andrea Fleischmann weist darauf hin, dass Bedingungen über die Auszahlung des Zuschusses durch die WGKK und die eventuelle Rückzahlung den Ärzten bekannt waren, diese haben sie auch durch Unterschrift zur Kenntnis genommen. Sie betont, dass der Prozentsatz des Generikaanteils nicht Gegenstand der Vereinbarung ist; es geht konkret um einen fixen Betrag, der mindestens einzusparen ist. Der Ärger des Arztes ist daher aus Sicht der Juristin nicht der WGKK anzulasten oder auf einen schlechten oder lückenhaften Vertrag zurückzuführen. Sein Unverständnis sei zwar psychologisch verständlich, aber realitätsfern. Feiks sieht sich jedenfalls für den konsequenten Einsatz des Ökotools bestraft und weiß von Kollegen in ähnlicher Situation: „Einige Ärzte verschiedenster Fachrichtungen haben in diesem Zeitraum neu begonnen und bei natürlich steigender Patientenzahl ökonomisch verschrieben, werden aber trotz vorbildlicher Verschreibung bestraft.“ So kann man es keinem Betroffenen verübeln, wenn nun demotiviert wieder im normalen Rahmen des Erlaubten verschrieben wird. Womit rein aus bürokratischen Gründen die Chance zum Beitrag der Ärzte zu einer Heilmittelersparnis vergeben wurde, und zwar in Ausmaß, der den Betrag des Zuschusses übersteigt. Feiks wünscht sich eine unbürokratische Adaptierung des Vertrags zwischen GKK und Ärztekammer im ökonomischen Interesse aller Beteiligten.

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