zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 21. November 2005

Cave Schuldenfalle: Finanzierung mit Maß und Ziel

Die Steuergesetzgebung in Österreich bevorzugt die Aufnahme von Fremd-kapital im betrieblichen Bereich. Aufgabe guter Finanzierungsberater ist dabei auch die Einschätzung der Gefahr einer Überschuldung.

Zinsen von Betriebskrediten sind steuerlich abzugsfähig, das wird jedem Praxisgründer gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beigebracht. Die Finanzierung mit Eigenmitteln ist im Gegensatz dazu steuerlich gesehen nichts wert. In vielen Fällen, beispielsweise bei Praxisgründung, sind diese Gedanken aber ohnehin müßig, da Eigenmittel nur in den seltensten Fällen überhaupt vorhanden sind.„Das führt logischerweise auch dazu, dass ein Arzt im Normalfall endfällige Kredite bevorzugt. Diese sind mit gleichbleibend hoher, steuermindernder Zinsenlast ausgestattet, während sich nebenher im steuerlichen Privatbereich ein so genannter Tilgungsträger ansparen lässt“, erklärt Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz. Solche Modelle rechnen sich in aller Regel sehr gut, sind aber auch mit kleinen Gefahren behaftet. Um einen Steuervorteil möglichst lange behalten zu können, werden Verträge meist über eine längere Laufzeit abgeschlossen als die Nutzungsdauer der angeschafften Wirtschafts-güter ist. „Wer das in seiner ganzheit-lichen Finanzplanung nicht berücksichtigt, kann schnell in die Schuldenfalle geraten“, so Triller.
Mit Schuldenfalle meint sie eine Überschuldung, aus der man nur schwer wieder heraus kommt. Doch wie lässt sich diese Gefahr bei Ärzten beurteilen? Wie so oft, ist die Antwort darauf individuell zu geben. „Zunächst muss bei betrieblicher Neuverschuldung geprüft werden, ob die Ordination das gewünschte Finanzierungsvolumen überhaupt tragen kann“, betont Triller. Viele Probleme kommen aber erst im Laufe der Zeit ans Tageslicht. Deshalb muss eine Finanzierungsplanung auch laufend überwacht werden. Als Hilfsmittel sind hier laut Triller die Entwicklung des Anlagenverzeichnisses sowie jene der Tilgungsträger mit einzubeziehen. Wenn diese Zahlen nicht zusammenpassen, ist möglicherweise „Feuer am Dach“.
„Das kann ein Resultat von übertrieben hohen Privatentnahmen sein“, nennt Triller ein Beispiel. Kaum ein Arzt kennt einigermaßen genau sein Nettoeinkommen, er schätzt im besten Fall lediglich ab, wie viel er zum Leben brauchen kann. „Bei diesen Schätzungen ist natürlich oft der Wusch Vater des Gedankens“, warnt Triller. Wer sich über Jahre falsch verhält, kommt aus der Überschuldung nur sehr schwer heraus. Das ist auch der Grund, warum die Finanzierungsspezialistin die Situation jedes Arztes individuell betrachten muss: „Es gibt keine Faustregel, mit der die maximale Verschuldung eines Arztes an Eckdaten wie Umsatz oder Gewinn festzuschreiben ist. Jede Situation muss individuell betrachtet und gelöst werden.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben