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Praxis 21. November 2005

Bittere Pillen

Niedergelassene Ärzte sind freiberufliche Unternehmer, die sich in fast allen Situationen des Geschäftslebens mit den Spielregeln eines Marktes auseinandersetzen müssen. Lediglich im Bereich eines Kassenvertrages sind sie auf der Einnahmenseite mit der Sozialversicherung als Monopolisten konfrontiert, die im wesentlichen ihre Einkaufspreise für Produkte und Dienstleistungen diktiert.

Der niedergelassene Arzt muss sich jedoch in allen anderen Bereichen seines Unternehmens mit den üblichen Dingen wie Marketing, Personalführung oder Einkauf auseinandersetzen, damit er mit seinem Betriebsgewinn für den Erhalt seiner Familie sowie der Familien seiner Mitarbeiter sorgen und nebenbei selbstverständlich Steuern und Sozialversicherungsbeiträge abführen kann. So hat auch er das Recht, seine Einkaufsbedingungen durch clevere Verhandlungen zu bestimmen.

Es liegt doch auf der Hand, dass niemand auf dieser Welt beim Einkauf von zehn Exemplaren einer Ware auch das Zehnfache des Einzelpreises bezahlt. Rabattierungsmöglichkeiten aufgrund größerer Einkaufsmengen werden gerade von den Sozialversicherungen schamlos ausgenutzt, wenn es wieder an die Honoraranpassungen für ärztliche Leistungen oder Rabatte im Medikamentenbereich geht, von denen im übrigen niemals etwas an die Beitragszahler weitergegeben wird.

Die derzeit skandalisierten und wieder einmal auf dem Rücken der Ärzte ausgetragenen Diskussionen über „geschenkte“ Medikamente sind unnötig. Einkaufsrabatte sind ganz normale Spielregeln im Wirtschaftsleben, die auf den Verkauf der betreffenden Produkte keinen Einfluss haben. Oder bekommt man jetzt auch jede zweite Wurstsemmel im Supermarkt gratis, weil die Einkaufsleiter der Großkonzerne aus deren Sicht sehr gute Arbeit leisten, wenn sie ihren Lieferanten bei monopolistischen Verhandlungen das Weiße aus den Augen holen?

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 30/2005

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