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Praxis 21. November 2005

Finanzfalle Ehescheidung

Einige Jahre nach der Scheidung schnappte für einen Oberarzt die Falle zu: 150.000 Euro Restschulden. Professionelle Hilfe bei der Erarbeitung eines „Notfallplans“ ermöglichte schließlich ein nicht zu enges Fangnetz.

Dr. Walter M., Internist in einer niederösterreichischen Kleinstadt, hat eine klassische Karriere gemacht. Als Oberarzt im örtlichen Spital konnte er die vergangenen 15 Jahre gut leben, hat zwei Kinder und in dieser Zeit auch ein Haus gebaut. Natürlich waren dazu neben den Eigenmitteln von knapp 20 Prozent auch hohe Kredite notwendig. Mittlerweile Anfang 50, ist Dr. M. seit einigen Jahren geschieden. Wie gesetzlich vorgesehen, muss er für zwei minderjährige Kinder Unterhalt bezahlen. Auch die Ex-Gattin wollte Geld, sie musste ausbezahlt werden. Das Haus war nun auch nicht mehr notwendig, außerdem musste Kapital für die Auszahlung verflüssigt werden. Natürlich ging das Haus, wie in solchen Fällen nicht unüblich, weit unter Wert an den Mann, vor allem weit unter den Baukosten.

Die laufenden Kosten werden zum Sargnagel

„Dr. M. steht nun mit 150.000 Euro Restschulden ohne Gegenwert da. Trotz guten Einkommens als Oberarzt fressen ihn die laufenden Kosten samt Kredit und Unterhaltszahlungen auf“, analysiert Dagmar Triller, Financial Manager beim Basler Ärztedienst. In den Jahren seit der Scheidung wurden bei mehreren Banken Konten eröffnet. „Damit hat er immer neue Finanzlöcher aufgerissen, um andere damit zu schließen“, resümiert Triller. Als die Finanzierungsexpertin begonnen hatte, sich mit diesem Fall zu beschäftigen, war ein unübersichtliches Konglomerat an Konten, Krediten und Versicherungen bzw. Ansparformen vorhanden. Dr. M. wusste zu diesem Zeitpunkt auch weder über sein Budget noch über seinen Privatverbrauch Bescheid. Triller, die sich auf Ärztefinanzierungen spezialisiert hat, wusste sofort, dass in diesem Fall alle Register gezogen werden mussten.

Zusammenlegung der Konten bei optimalen Konditionen

Erster Ansatzpunkt war die Herstellung der Übersicht. Da die bestehenden Schulden nicht weggezaubert werden konnten, musste dieser Bestand erst einmal optimiert werden. Im Rahmen des vorgeschlagenen Finanzierungskonzepts wurden die Konten zusammengelegt und unter für die Situation optimalen Konditionen kontrolliert rückgeführt. Natürlich musste parallel dazu bei allen anderen Kosten der Rotstift angesetzt werden. „Im Bereich Versicherungen und Ansparmodelle wurde auf das Notwendigste reduziert, da es keinen Sinn macht, erhöhte Überziehungszinsen zu zahlen, während die Ansparformen mit geringen Zinsen unter der Inflationsrate wachsen“, so Triller. Um guten Willen zu zeigen, hat Dr. M. auch auf liebgewonnene Kleinigkeiten im Privatbereich, wie die ohnehin nicht ausgenutzte Mitgliedschaft im Golfklub, verzichtet. In weiterer Folge wurde ein Privatbudget erarbeitet, an das sich der Arzt wie jeder andere Arbeitnehmer auch halten muss.
So ist ein Konzept entstanden, das es Dr. M. ermöglicht, unabhängig von einem privaten Misserfolg mit fatalen finanziellen Folgen seine Finanzen selbst in Ordnung zu bringen. Die Kredite sind geordnet und mit erträglichen Konditionen sowie einer vernünftigen Restlaufzeit bis zum Alter von 63 Jahren ausgestattet. Dies ermöglicht ein privates Monatsbudget, ohne auf jeden Cent schauen zu müssen. Sogar für normalen „Luxus“ wie Urlaub bleiben noch genügend Reserven. Triller: „Ohne den drohenden Finanzkollaps im Rücken, kann sich Dr. M. wieder unbelastet seinem Beruf widmen.“

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