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Praxis 21. November 2005

Wie viel ist Ihre Praxis wert?

„Im Rahmen der Praxisübergabe und -übernahme ist die Ermittlung des Wertes von zentraler Bedeutung“, so Dr. Michael Klinger, Steuerberater in Salzburg. „Letztlich muss jede Praxis individuell beurteilt werden.“

Vergleiche mit den von Kollegen erworbenen oder veräußerten Praxen sind bei der Bewertung der eigenen Ordination in der Regel wenig hilfreich. Auch wenn Honorar oder Scheinzahlen im Großen und Ganzen übereinstimmen, können andere maßgebliche Faktoren, wie Zustand der Praxiseinrichtung oder Art des Praxismietvertrags, den Wert im Vergleich zu einer anderen, vermeintlich gleichwertigen Ordi-nation verändern.

Intensität ergibt einen hohen Sachwert

Ermittelt werden sollte laut Klinger der materielle Wert (Substanz- oder Sachwert) sowie der ideelle Wert (Goodwill) der Praxis. Die Summe dieser beiden Komponenten ergibt schließlich den Praxiswert. Dieses Verfahren ermöglicht es, die Besonderheiten der jeweiligen Praxis explizit zu berücksichtigen. Der Ermittlung des Sachwertes kommt je nach Fachrichtung und Alter der Praxis eine unterschiedliche Bedeutung zu. So ergeben geräteintensive Praxen mit hohen Investitionsvolumina, z.B. bei Radiologen, normalerweise einen hohen Sachwert. Unter Sachvermögen werden beispielsweise Praxiseinbauten und -umbauten, medizinisch-technische Geräte, Praxiseinrichtung, EDV-Anlage mit Software, geringwertige Wirtschaftsgüter, Medikamente und Verbrauchsmaterial erfasst. Darüber hinaus sind Beteiligungen an Praxis-, Apparate- oder Laborgemeinschaften usw. sowie Mietkautionen mit einzu-beziehen. Auch der Praxis-PKW ist laut Klinger bei der Bewertung zu beachten.

Faktoren für die Einschätzung der zukünftigen Rentabilität

Unter „Goodwill“ wird jener Wert verstanden, der einer gut eingeführten und eingerichteten Praxis zusätzlich zum Sachwert zugerechnet wird. Er umfasst unter anderem den Wert des Patientenstammes (Patientenkartei oder -datei) und den Ruf des Arztes beziehungsweise seiner Praxis. „In ihm spiegeln sich das Patientenvertrauen zum Praxisinhaber sowie die zu erwartenden Möglichkeiten, aus der Praxis zukünftig Gewinne zu erzielen, wieder“, so Klinger. Ausgangspunkt der Betrachtung des ideellen Praxiswertes sind jedenfalls die Einnahmen. „Zwischen den unterschiedlichen Honorararten muss unterschieden werden, da sie mit unterschiedlicher Gewichtung in die Bewertung eingehen“, betont der Steuerberater. Auf der Grundlage dieser Praxisdaten wird der ideelle Praxiswert ermittelt.
Darüber hinaus ist eine umfassende Würdigung aller wert-beeinflussenden Faktoren – unterschiedlich je nach Praxis – notwendig. Das sind laut Klinger bei-spielsweise die Entwicklung der Honorareinnahmen der Vorjahre, das medizinische Leistungsan-gebot der Praxis mit Schwerpunkten, der Standort, die Patientenstruktur und die Konkurrenzsituation.

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