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Praxis 21. November 2005

Trügerische Sicherheit

Unabhängige Finanzierungsexperten stoßen immer wieder auf Versäumnisse bei den Kreditvereinbarungen von Ärzten mit Banken. Welche Rolle dem Tilgungsträger zukommt, zeigt unser Fallbeispiel.

Dr. Sebastian P. ist niedergelassener Gynäkologe in einer mittelgroßen Stadt in der Steiermark. Die Ordination ist aus wirtschaftlicher Sicht ausgezeichnet geführt, Dr. P. kann mit einem steuerlichen Gewinn von durchschnittlich 220.000 Euro pro Jahr aufwarten. Er ist mittlerweile 48 Jahre alt und hat drei Kinder, die als Studierende jeweils mit etwa 1.000 Euro monatlich subventioniert werden müssen. Die Ordination besteht seit acht Jahren, Dr. P. befindet sich gerade in der wirtschaftlichen „Hochphase“. Als Kassenarzt hat er anfangs auch leicht von der Bank Geld für etwa 250.000 Euro Investitionsvolumen bekommen.

Tilgungsträger vergessen

Damals war man sich sicher, dass das Geld irgendwann zurückgezahlt wird. „Vergessen“ wurde jedoch die rechtzeitige Anlage der Tilgungsträger. Mittlerweile ist der betriebliche Schuldenberg auf 300.000 Euro angewachsen. Damit aber nicht genug. Familie P. will aus der mittlerweile ungeeigneten gemieteten Stadtwohnung in ein repräsentatives Haus in Stadtnähe ziehen. Grund genug, einmal einen Finanzierungsexperten zu Rate zu ziehen.
Dagmar Triller, Financial Managerin beim Basler Ärztedienst, wurde mit diesem Fall betraut. „Zunächst einmal muss – wie bei jedem Finanzierungsfall – der Finanzstatus ermittelt und bewertet werden“, so Triller. Bei Dr. P. fällt sofort auf, dass keine Tilgungsträger vorhanden sind. Die Bank hat darauf offenbar aus Versehen verzichtet, vielleicht auch in der Gewissheit, dass es sich um einen Kunden mit höchster Bonität handelt. „Diese Tilgungsträger müssen natürlich unverzüglich in die Finanzierung eingearbeitet werden“, erklärt Triller.

Schuldenberg angewachsen

Besonders auffallend war die Tatsache, dass trotz sehr guter Geschäftsentwicklung eine zusätzliche Verschuldung von 50.000 Euro in den vergangenen Jahren zu verzeichnen war. Nach sorgfältigen Recherchen wurde eine für Ärzte nicht untypische Verhaltensweise diagnostiziert. Die Jahre nach Ordinationsbeginn gingen steil bergauf, das Kapital wurde aber nicht in die Vorsorge für Einkommensteuerbelastungen gesteckt, sondern im Zuge des Börsenbooms in Aktien.
Dabei hat Dr. P. noch Glück gehabt. Die in Summe etwa 500.000 Euro sind jetzt immerhin noch ein Drittel wert – es hätte schlimmer kommen können. Die anfallende Steuer wurde dann durch Überziehen des Girorahmens abgedeckt.

Realistisches Endalter

Nun konnte das Puzzle zusammengesetzt werden. Unter Berücksichtigung dieser Eckdaten und der Rückführung der Betriebsschulden kann der monatliche finanzielle Spielraum für eine Neuverschuldung in ein Privathaus ermittelt werden. „Wichtig hierbei ist, die Finanzierungsphase auf ein realistisches Endalter anzusetzen“, so Triller. Für Dr. P. wurde ein Konzept entwickelt, das ihm weitere 300.000 Euro Finanzspielraum für ein neues Wohnhaus gibt, und zwar mit einer Finanzierung bis zum Alter von 62. Die Aktien wurden dafür nicht verwendet, nachdem eine leichte Erholung zu diagnostizieren ist und auch Geld für die Versorgungslücke im Ruhestand benötigt werden wird.
Das hätte sich Dr. P. zwar üppiger vorgestellt, aber mit zusätzlichen, auf diversen Sparbüchern vorhandenen 100.000 Euro Eigenmitteln kann man schon etwas anfangen. Da kommt sogar ein Neubau in Frage. Wichtig für die Familie war jedenfalls die geordnete Rückführung zu einem realistischen Endalter. Im Falle Dr. P. wurden laut Triller einige für Ärzte typische Anfangsfehler gemacht. Durch das sehr gute Einkommen fallen diese aber nicht Existenz bedrohend ins Gewicht. „Mit einer ordentlichen Finanzierung von Beginn an hätte der Hausbau üppiger ausfallen können“, betont Triller. „Aber hinterher ist man bekanntlich immer schlauer.“

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