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Praxis 21. November 2005

Wer hat unser Geld verbrannt?

Der Verein FAIRTRAUEN engagiert sich dafür, allen Anlegern, vor allem auchÄrzten, die mehr über Geldanlage und das damit verbundene Risiko wissen wollen, einen entscheidenden Informationsvorsprung zu verschaffen. Verzweiflung im Nachhinein muss nicht sein.

Daniela Tutsch ist ein alter Hase in Sachen Geldanlage. Vor einigen Jahren noch bei einem Ärztemakler für den Vertrieb von Geldanlageprodukten zuständig und zuletzt im „Family Office“ einer Schweizer Privatbank, stellt sie heute ihre Dienste für den Anlegerschutz zur Verfügung. „In den vergangenen Jahren hat man so einiges gesehen. Im Zuge der Börsenentwicklung vor fünf Jahren waren beispielsweise bei Ärzten fremdfinanzierte Einmalerläge beliebt, obwohl oft genug keinerlei Notwendigkeit einer Fremdfinanzierung vorhanden war“, berichtet Tutsch im Zusammenhang mit „provisionsoptimierten“ Modellen.

Faire Information für Anleger

Manche Anleger haben Schulden, wo vorher Geld gewesen ist. Die gezeichneten Produkte haben Verluste eingefahren, die Kredite müssen aber bezahlt werden. Dies war für Tutsch Grund genug, einen Dienstleistungsbetrieb zum Anlegerschutz ins Leben zu rufen. Die Geschäftsführerin der Geld-Informations-GmbH „Fairtrauen“ bietet an, Anlageprodukte für den interessierten Kunden auf Honorarbasis in Bezug auf Risiko zu prüfen: „Die Anleger haben keine faire Information, was Risiko überhaupt bedeutet.“ Oft genug würde von den Vermittlern zu wenig informiert. „Es reicht eben nicht, die Kunden ein so genanntes Risikoprofil ankreuzen zu lassen“, nimmt sich Tutsch kein Blatt vor den Mund. Dass GEWINN aufgrund dieser Informationen schon im letzten Jahr einen kritischen Artikel über AMIS brachte, quittierte das Unternehmen mit einer Klagsdrohung an Tutsch.

Erste Erfolge am Rechtsweg

Mittlerweile ist man bei AMIS mit anderen Dingen beschäftigt. Es gibt bereits erste Verhaftungen wegen des Vorwurfs von schwerem gewerbsmäßigem Betrug. Der im Wertpapierbereich versierte Rechtsanwalt Dr. Johannes Neumayer errang schon vor den Tumulten um AMIS einen Etappensieg für einen geschädigten Anleger. Dieser Etappensieg ist ein erstinstanzliches Urteil, das auf der Erkenntnis basiert, dass eine von den Anlegern akzeptierte Risikoklasse offenbar nicht eingehalten wurde.
Um den Forderungen offenbar geprellter Anleger mehr Nachdruck zu verleihen, wurde inzwischen der „Anlegerschutzverein für AMV- und AMIS-Anleger in Vermögensverwaltungsverträge und Investmentfonds“ gegründet, dem auch der betroffene Arzt Dr. Walter Kozak als Vorstandsmitglied angehört. Vereinszweck sind die Vertretung und Beratung von Anlegern und Gesellschaftern sowie Zeichnern von Vermögensverwaltungsverträgen oder Investmentfonds der besagten Gesellschaft, die geschädigt wurden oder Anlegerkapital verloren haben.
Laut Tutsch sind Ärzte in größerem Ausmaß als andere Berufsgruppen von dieser und anderen Pleiten im Geldanlagebereich betroffen. Deshalb freut sich die Unternehmensgründerin und Vereinsobfrau, dass sich auch ein Arzt in ihrem Verein engagiert und hält dies für ein „wichtiges Signal“ an seine Berufskollegen.

Zeit für gründliche Information aufwenden

„Es ist keine Schande, etwas gekauft zu haben, was sich im Nachhinein als Fehler erweist“, so Kozak. „Je mehr Rendite versprochen wird, desto gründlicher muss man sich informieren“ zieht er seine Lehre aus dem Fall. Mit Hilfe des Anlegerschutzvereines sollen die AMIS-Geschädigten ihr Geld wieder bekommen. Durch möglichst viele Mitglieder kann der Druck erhöht werden. Infos sind bereits über eine eigene AMIS/AMV-Seite auf der Homepage von FAIRTRAUEN abzurufen (www.fairtrauen.at).

Immer wieder haben sich Asset-Manager überschätzt

Tutsch erklärt, dass in den wilden 90-er Jahren so einiges möglich war: „Damals hat sich jeder als erstklassiger Asset-Manager gefühlt und verkauft.“ Dabei war das gegenständliche Konstrukt schon bedenklich. „Die Ärzte haben eben kein Fondsprodukt gekauft, wodurch sie Anteilseigner geworden wären, sondern ein Dienstleistungsprodukt „Vermögensverwaltung“ erworben, ohne es verstanden zu haben“, resümiert Tutsch. So war es möglich, dass Manager dieser „aktiv gemanagten Portfolios“ vollkommene Handlungsfreiheit hatten und auch durch hochspekulative Anlagen viel „verspielt“ haben.

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