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© Foto: Neumayr/MMV
Praxiseröffnung in bester Lage: Dr. Christian Bachleitner (rechts: Mitarbeiterin Petra Miedaner) ordiniert seit vergangenen März in der Alpenstraße im Erdgeschoss der Salzburger Wohnbau.
 
Praxis 8. Mai 2017

Nur aufsperren ist zu wenig

Salzburg-Stadt. Wenn Jungärzte den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, ist vorausschauende Planung wichtig. Standortwahl, Infrastruktur, möglicher Patientenstamm, Personal und finanzielle Risiken sollten gut überlegt sein. Weil sie medizinischer Nahversorger sein wollen, sind zwei Ärzte aus Salzburg eine Kooperation mit der Salzburg Wohnbau eingegangen.

Dr. Christian Bachleitner gelang das Kunststück, eine Traumimmobilie für seine Hausarztpraxis in der Stadt Salzburg zu bekommen. Im Erdgeschoss der Firmenzentrale der Salzburg Wohnbau in der Alpenstraße wurde auf Wunsch des Unternehmens eine Praxis neu errichtet, Ende März feierte man die Eröffnung. „Meist werden alte Praxen übernommen, die oft leider nicht barrierefrei sind oder nicht den Hygienestandards entsprechen“, erklärt der 34-jährige Mediziner. „Ich hatte mit dieser Praxis wirklich großes Glück! „

Auch Dr. Christian González quartierte sich im Jänner 2017 in ein Neubauprojekt der Salzburg Wohnbau in der Gemeinde Niederalm ein: „Es ist wirklich schwierig in der Stadt Salzburg und der näheren Umgebung eine geeignete Praxis zu bekommen. Die Räumlichkeiten wären ja da, aber die Mieten sind in Salzburg exorbitant hoch. Ich bin jetzt mitten in einem Wohngebiet der ärztliche Nahversorger. Ich hatte zudem den großen Vorteil meine Praxis von Null auf planen zu können“, sagt González.

Bei der Standortwahl tendieren Jungmediziner immer öfter zu Gemeinschaftspraxen. Auch González und Bachleitner können sich gut vorstellen, dass sie in Zukunft im Team mit einem Kollegen arbeiten: „Ich schätze den fachlichen Austausch, man kann sich den Bereitschaftsdienst und die Ressourcen aufteilen und es besteht die Möglichkeit die Öffnungszeiten auszudehnen und flexibler zu sein. Bei unterschiedlichen Spezialisierungen kann man das Angebot für den Patienten ausdehnen“, meint Bachleitner, der sich unter anderem auf Akupunktur, Geriatrie und Arbeitsmedizin fokussiert hat. Außerdem bietet er eine alpin- und höhenmedizinische Beratung an. „Es ist wichtig, hier eine erweiterte Palette zu haben. Die Patientenbindung hat sich verändert. Menschen wechseln schneller ihren Arzt als früher. Bei zirka 64 Stadtpraktikern muss man sich schon über die eigenen Vor- und Nachteile im Wettbewerb den Kopf zerbrechen“, sagt Bachleitner.

Jobsharing als Mutmacher

González hat gleich bei der Planung der Praxis an Räumlichkeiten für einen zweiten Mediziner gedacht: „Meine Frau ist auch Ärztin. Möglicherweise arbeitet sie später einmal als Wahlärztin im Bereich der Akupunktur und Homöopathie – das wäre eine gute Ergänzung für die Patienten. Ich würde auch gerne einmal eine Lehrpraxis führen, weil ich den Austausch mit Kollegen für sehr wichtig betrachte. Umgekehrt rate ich jedem Jungmediziner auf diesem Weg Erfahrungen zu sammeln. Ich selbst habe drei Jahre Jobsharing in Rif in einer Praxis gemacht. Für mich war dies das Zünglein an der Waage, um sicher zu sein, dass ich mir die Arbeit als Hausarzt zutraue.“

Bevor Bachleitner seine eigene Praxis eröffnete, sammelte er in Landarztpraxen in Flachau, Rauris oder Lofer Erfahrungen. Wo er sich niederlassen würde, war zunächst nicht ganz klar. Dass sich eine Kooperation mit der Salzburg Wohnbau ergab, war ein Glücksfall, weil Bachleitner zunächst die veraltete Praxis eines Kollegen im 1. Stock des Hauses übernommen hatte. Als man kurz darauf renovierte, wanderten die Arzträume in das Erdgeschoss und wurden völlig neu umgebaut. „Die Salzburg Wohnbau forciert das Konzept, infrastrukturelle Einrichtungen in das Wohnumfeld zu integrieren. Da die Patienten immer älter und damit weniger mobil werden, erhöht es die Wohnqualität und gibt ein Gefühl der Sicherheit, wenn ein Arzt direkt im Haus oder in unmittelbarer Nähe ist“, sagt Bachleitner. Auch im Stadtteil Gneis, in Maria Pfarr, in Niederalm und in anderen Gemeinden werden derzeit Wohnbauprojekte umgesetzt, bei denen eine Ordination im Haus integriert ist.

Ärzte als Nahversorger

Beide Ärzte stehen dem Konzept als „medizinsicher Nahversorger“ sehr aufgeschlossen gegenüber und machen daher auch viele Hausbesuche: „Ich sehe das als Teil meiner Aufgabe. Zu den wichtigsten Patienten gehören hier Menschen aus der unmittelbaren Umgebung der Praxis, die ins Altersheim gezogen sind. Nach den Ordinationszeiten sind für mich Visiten an der Tagesordnung. Teilweise fahre ich bis in die Gemeinde Grödig“, so Bachleitner. „Auch für mich gehören Hausbesuche zum Arztdasein dazu – was nicht bedeutet, dass man als Hausarzt 24 Stunden verfügbar sein muss. Man kann sich die Dienste entsprechend einteilen“, erklärt González.

Jungärzten, die ebenfalls eine eigene Praxis aufsperren wollen, raten die beiden Allgemeinmediziner sich genug Zeit zu nehmen: „Ich habe mir zehn Praxen angesehen, mit den Kollegen gesprochen und Ideen gesammelt. Man sieht Kleinigkeiten, die gut gelöst wurden und an die man nie gedacht hätte. So schärft sich langsam die Vorstellung, wie man die eigene Praxis haben möchte. Man hat ja zunächst kaum Ahnung, weil man selbst noch nicht so lange in einer Praxis gearbeitet hat“, erklärt González. Ein halbes Jahr Planungszeit ist nach Angaben der beiden Mediziner gut investiert. „Ich habe sogar mit einem 3D-Modell bei der Planung gearbeitet. Aber selbst dann kann man noch etwas übersehen“, erzählt González.

Rechtzeitig drauf schauen

Bachleitner ist froh, dass er bei der Umsetzung seiner Pläne für eine eigene Praxis einen Bauträger an seiner Seite hatte, der bereits Erfahrung im Bereich Pflegeheime und Arztpraxen hat. „Ich kann jedem nur raten, sich zeitgerecht um Räumlichkeiten umzusehen“, erklärt Bachleitner. DI Christian Struber, Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau bestätigt: „Neue Projekte haben eine Vorlaufzeit von bis zu drei Jahren. Ärztekammer und Krankenkasse wissen, wo in den nächsten Jahren was benötigt wird. Jungärzte sollten sich zeitig an Bauträger wenden, die mit der Projektentwicklung beschäftigt sind.“ In Landgemeinden gewähren oft die Gemeinden selbst Unterstützung.

Info

Politik. Der Salzburger Gesundheits- und Finanzreferent LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) hat Maßnahmen gegen den Ärztemangel im ländlichen Raum eingefordert. Um den Bedarf an Allgemeinmedizinern vor allem am Land zu sichern - in Salzburg geht in den kommenden acht Jahren etwa die Hälfte der Hausärzte in Pension -, fordert Stöckl eine Lösung zur Finanzierung der allgemeinmedizinischen Lehrpraxis, klare gesetzliche Vorgaben, wie die Allgemeinmedizin bzw. Primärversorgung in Zukunft organisiert sein soll, sowie flexiblere Modelle zur Zusammenarbeit von Ärzten, die Möglichkeit zur Anstellung und die Gründung von Gruppenpraxen.

Brigitte Kirchgatterer

, Ärzte Woche 19/2017

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