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Praxis 24. April 2017

Wie sicher ist Ihre Ordi?

Giftstoffe. Für Chemikalien gelten hierzulande strenge Vorschriften. Das betrifft auch Landärzte mit Hausapotheke, sagt der AUVA-Chemiker Josef Drobits.

Die größte Gefahr für eine Arztpraxis geht von gelagerten brennbaren Flüssigkeiten aus, z. B. alkoholischen Desinfektionslösungen oder Lösemittel für medizinische Schnellbestimmungen. Das sagt Dipl.-Ing. Dr. Josef Drobits, Chemie-Experte der AUVA-Landesstelle Wien und Gerichtsachverständiger. Aber auch Giftlagerungen bei Zahnärzten oder Lagerungen von Infusionslösungen sind Gefahrenherde.

In Ordinationen kommen das Chemikalien- bzw. Gift-, Arzneimittel- oder Suchtmittelgesetz zum Tragen. Das „Global Harmonized System“, kurz GHS, als EU-Verordnung, bringt Neuerungen bei der Stoffbewertung und deren Kennzeichnungen. Diese Kennzeichnung gilt z. B. für Desinfektionsmittel. Ein Spezialfall ist medizinischer Sauerstoff: Die normale Sauerstoffkonzentration in der Luft, die wir atmen, beträgt 20,9 Volumenprozent. Wird bei einem Patienten mit Lungenerkrankung und zu geringer Sauerstoffsättigung im Blut medizinischer Sauerstoff mit einem mobil nutzbaren Flüssigkeitssauerstoffsystem appliziert, so erhöht sich die Brandgefahr“, sagt Drobits. „Kaum, dass Sie ein Streichholz anzünden, haben Sie sich auch schon die Finger verbrannt!“ Dementsprechend gelte es Brandquellen zu vermeiden, zumal explosionsartige Umsetzungen auftreten können. „Rauchen bei gleichzeitiger Nutzung eines Flüssigsauerstoffsystems ist nicht nur medizinisch kontraproduktiv, sondern darüber hinaus lebensgefährlich.“

„Wird bei einem Patienten mit Lungenerkrankung und zu geringer Sauerstoffsättigung im Blut medizinischer Sauerstoff mit einem mobil nutzbaren Flüssigkeitssauerstoffsystem appliziert, so erhöht sich die Brandgefahr beträchtlich“, so Drobits. „Kaum, dass Sie ein Streichholz anzünden, haben Sie sich schon die Finger verbrannt!“ Dementsprechend gelte es Brandquellen zu vermeiden, zumal explosionsartige Umsetzungen auftreten können. „Rauchen bei gleichzeitiger Nutzung eines Flüssigsauerstoffsystems ist nicht nur medizinisch kontraproduktiv, sondern darüber hinaus lebensgefährlich“, betont er.

Sowohl das „Global Harmonized System“, das seit 2009 gilt, als auch das neue österreichische Giftrecht haben Verschärfungen in der Einstufung von Chemikalien gebracht. „Wobei niedergelassene Praxen öfter das Suchtmittelgesetz betrifft, das immer schon streng gehandhabt wurde“, sagt Drobits. „Ärzte, die Drogenersatztherapien in ihrer Ordination anbieten, müssen auf die Versperrbarkeit und tatsächliche Versperrung von Suchtmitteln achten, um zu vermeiden, dass sie bei einem Einbruch in die Ordination entwendet werden.“ Landärzte betreiben des Öfteren Hausapotheken und haben damit ein Medikamentenlager. „Wenn in diesem nicht nur Blisterverpackungen, sondern ebenso chemische Stoffe gelagert sind, handelt es sich um ein Chemikalienlager und es gelten die entsprechenden Lagervorschriften für brennbare Flüssigkeiten und die Giftverordnung“, erklärt der Chemiker .

Sogar Gefahrguttransportvorschriften können zum Tragen kommen, wenn der niedergelassene Arzt Körperflüssigkeiten wie Blut, Harn oder Stuhl ins Labor schickt. Dabei gehe es vor allem um die technische Sicherheit der geprüften Verpackung, meint Drobits. „Verpackungsvorschriften sollen garantieren, dass Proben mit potenziell pathogenen Krankheitskeimen sicher und unversehrt im Labor ankommen. Die Proben können mit einem Botendienst oder Taxi geschickt werden.“

Niedergelassenen Ärzten muss klar sein, dass am Arbeitsplatz Berufskrankheiten eine Rolle spielen. Beim regelmäßigen Einsatz von Desinfektionsmitteln besteht die Gefahr eines Abnutzungsekzems und in weiterer Folge einer Sensibilisierung. Durch Nadelstichverletzungen kann es zu Infektionskrankheiten kommen.

ARS-Seminar über den Einsatz chemischer Produkte in der Medizin & deren Gefahren. Referent DI Dr. Josef Drobits. Wann: 3. Mai 2017, 9-17 Uhr. Wo: Wien. Info & Anmeldung: www.ars.at

Rauchen bei gleichzeitiger Nutzung eines Flüssigsauerstoffsystems ist lebensgefährlich.

DI Dr. Josef Drobits

Chemie-Experte der AUVA

Isabella Csokai

, Ärzte Woche 17/2017

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