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Mit Medizinalhanf hat ein Unternehmer große Versorgungspläne in Deutschland.
 
Praxis 18. April 2017

Cannabis als Geschäftsmodell

Niederlassungsidee. In Bayern soll Deutschlands erstes Zentrum für Cannabis-Beratung und -Therapie, etwa für Rheumapatienten, entstehen. Dafür sucht ein Unternehmer noch Investoren. Denkbar ist die Realisierung als Vertragsarztpraxis. Ärzte müssen noch gefunden werden.

Medizinalhanf, der Stoff, aus dem Träume sind – zumindest für Wenzel Cerveny. Denn: In Kürze werden in Deutschland Ärzte schwer kranken Schmerzpatienten Cannabis auf Kassenrezept verordnen dürfen. Aufwändige Ausnahmegenehmigungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) entfallen dann.

Crowdfunding-Kampagne gestartet

Cerveny hat dazu aktiv beigetragen – und zwar über den Cannabisverband Bayern. Nun möchte er in München das erste Cannabis-Zentrum Deutschlands einrichten. Es soll Betroffenen und Ärzten Information und Beratung bieten, außerdem konkrete Therapie. Dazu soll vor Ort eine Allgemeinarztpraxis integriert werden.

Anfang 2016 gründete Cerveny die DCI Cannabis Institut GmbH. Sie gehört zu 67 Prozent ihm und seiner Familie, 33 Prozent gehören einem Investor. Seit Anfang März läuft über die Plattform Transvendo eine Crowdfunding-Kampagne für das Zentrum. Bisher sind 18.650 Euro der angestrebten Million Euro zugesagt. Sobald die 100.000 Euro-Marke erreicht ist, soll es losgehen. Der räumliche Favorit ist für Cerveny derzeit Unterhaching.

Die einstigen NATO-Bürogebäude dort wurden saniert und sollen nun verschiedenen Angeboten Raum geben. Der nächste Schritt: Genehmigungen. Arztpraxis und Bio-Laden dürften einfach sein, so Cerveny. Dafür braucht es nur eine Nutzungsänderung und kleinere räumliche Anpassungen. Etwas aufwändiger sei es mit den Auflagen für die Gaststätte, die dazukommen soll.

In der Praxis sollen ein bis zwei Ärzte Patienten behandeln. Es könnte eine Vertragsarztpraxis werden. Mit möglichen Ärzten ist Cerveny derzeit im Gespräch. Sie sollen via Zusatzsprechstunden fachärztliche Verstärkung erhalten. „Wir versuchen, für jeden Tag einen anderen Spezialisten dazu zu holen“, so Cerveny. Darunter seien etwa Internisten, Chirurgen und Gynäkologen. Das soll der Vielfalt der Beschwerden entsprechen, bei denen Cannabis helfen kann.

Der Medizinalhanf ist vor allem interessant für chronisch kranke Schmerzpatienten, etwa mit Krebs oder Rheuma, sowie für Menschen mit Multipler Sklerose. Bei einigen wirken andere Medikamente nicht oder verursachen schwere Nebenwirkungen. Ihnen kann ein Arzt nun nach eigenem Ermessen und nach Genehmigung der Krankenkasse Cannabis verordnen, er hat also ein größeres Möglichkeitsspektrum als bisher. Seit 2011 wurden einige Fertigarzneien auf Cannabisbasis für einzelne Indikationen wie Multiple Sklerose und Chemotherapie-Nebenwirkungen zugelassen.

Mit der neuen Regelung soll nun fürs erste, so Cerveny, die Verwendung von verschiedenen Cannabissorten erlaubt sein. Hunderte Sorten Cannabis gibt es. Cerveny zufolge sollten alle verfügbar sein, denn: „Bei jedem wirkt Cannabis anders.“ Es komme nicht etwa nur auf den Wirkstoff THC an, sondern auch auf CBD, viele andere Inhaltsstoffe und deren Zusammenspiel.

Deswegen seien gerade die 1.020 Patienten, die vom BfArM bisher eine Ausnahmegenehmigung zur Nutzung hatten, die erfahrensten Spezialisten. „Wir werden gerade am Anfang sehr auf die Hilfe der Patienten angewiesen sein“, sagt Cerveny.

Neue Patienten sollen am Zentrum umfassend beraten werden, bei Bedarf dann zum geeigneten Arzt gehen. Rundherum wird ein Kooperations-Netzwerk angestrebt. Vor Ort soll es eine Patientenlounge geben, für Austausch, und zum Dampfen. Vaporizer und E-Zigarette gelten als besonders wirksam und verträglich, so Cerveny. Verdampft wird ein E-Liquid, hergestellt aus getrockneten Cannabisblüten. Die sollen nun in absehbarer Zeit auch in den Gärten unseres nördlichen Nachbarn wachsen.


Christina Bauer/ ÄZ

, Ärzte Woche 16/2017

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