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Praxis 17. März 2017

Managementfrage Antibiotika

Expertenbericht. CRP-Schnelltests sind für Hausarztpraxen der Schlüssel zum verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika. Sie nehmen Ärzten auch die Angst vor Therapiefehlern.

Atemwegsinfekte sind meist viraler Genese. Eine antibiotische Therapie ist nur dann sinnvoll, wenn Klinik und Laborbefund für einen bakteriellen Infekt sprechen. Doch wir lassen uns im Alltag, auch durch den zeitlichen Druck, zur Verordnung einer Antibiose hinreißen, insbesondere wenn Patient oder Angehörige dies eindringlich wünschen. Nicht zuletzt führt die Angst vor Risiken bei Therapiefehlern zur großzügigen Verordnung von Antibiotika.

Wie könnte nun eine praktikable Umsetzung für ambulant tätige Ärzte aussehen? Eine mögliche Lösung wäre der Einsatz von Schnelltests auf das C-reaktive Protein: Sind Bakterien Ursache für einen Infekt, steigt das CRP als unspezifischer Entzündungsmarker stärker an als bei viralen Erkrankungen. Damit kann die Orientierung an einem quantitativen CRP Test frühzeitig in die Therapieentscheidung einfließen.

So wurden im Rahmen eines Cochrane-Reviews Studien mit 3.284 Probanden analysiert, die an Atemwegsinfektionen erkrankt waren und die entweder Standardversorgung oder einen zusätzlichen CRP-Test im Vorfeld der Behandlung erhielten. Die Verwendung des CRP-Wertes reduzierte signifikant den Einsatz von Antibiotika bei Atemwegsinfektionen in der Primärversorgung.

Patienteneinbindung unabdingbar

Da Testungen und Laborwerte nicht selbsterklärend sind, geht es im nächsten Schritt darum, den Patienten in das modifizierte diagnostische und therapeutische Vorgehen einzubinden. In unserer hausärztlichen Privatpraxis setzen wir standardmäßig den CRP-Test „QuikRead go® CRP“ ein. Es ist ein quantitativer Test, der innerhalb von zwei Minuten aus Voll- oder Kapillarblut bei automatischer Hämatokrit-Korrektur labormedizinisch reproduzierbare Ergebnisse im Referenzbereich 5 bis 200 mg/l liefert. Da keine manuellen Arbeitsschritte nötig sind, kann der Test von den medizinischen Fachassistenten problemlos in den Arbeitsablauf integriert werden.

Unsere Patienten möchten, der medizinischen Sorgfalt entsprechend, diagnostiziert und therapiert werden. Dabei würde sich keiner unserer Patienten für eine Antibiotikatherapie entscheiden, die nicht nur therapeutisch „nichts bringt“, sondern auch noch Nebenwirkungen verursachen kann, wie etwa Störungen der Darmflora, genitale Mykosen oder Überleitstörungen am Herzen – und obendrein die Resistenzbildung fördert.

Wir sprechen mit unseren Patienten über die diagnostischen Schritte und beziehen sie als Partner in die medizinischen Entscheidungen ein. Dieses Vorgehen führt schlussendlich zu mehr Patientenzufriedenheit und besserer Patientenbindung.

Es müssen aber auch die (berufs-)politischen Rahmenbedingungen durch die Aufwertung der sprechenden und erklärenden Medizin dafür sorgen, dass solche Diagnostik- und Behandlungsformen nicht nur Modelle der Nischenmedizin im Komfortbereich sind, sondern breiten Einzug in die ärztliche Versorgung finden können. Eine entsprechende Berücksichtigung in den Gebührenordnungen ist hierfür unabdingbare Voraussetzung.

Dr. Katja Linke ist Hausärztin mit Privatpraxis in Viernheim, Deutschland


Katja Linke

, Ärzte Woche 12/2017

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