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Fast jeder Zweite ist bereit, die neuen Medien zu nutzen, um mit einem Arzt über eine Gesundheitsplattform in Kontakt treten.
 
Praxis 13. Februar 2017

Mehr Patienten dank Dr. Google

Selbstdarstellung. Frei nach der Darwin´schen Evolutionstheorie werden sich in der Zukunft am Markt nur mehr jene Ärzte durchsetzen, die über eine starke, und somit für Google interessante, Internetpräsenz verfügen?

Wenn es einmal drückt, dann greift der moderne Patient schnell einmal zum Internet und befragt Dr. Google. Die Betroffenen erhoffen sich dadurch, mehr über die eigene Krankheit zu erfahren und um sich über alternative Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Laut einer aktuellen und repräsentativen Umfrage des Market-Instituts im Auftrag der Gesundheitsplattform CredoWeb.at nutzen 86 Prozent aller Österreicher täglich das Internet. Nicht weniger als 93 Prozent dieser Personen können heute bereits als moderne Patienten bezeichnet werden.

Das Netz liefert Ihnen 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche Informationen über gesundheitsrelevante Aspekte des täglichen Lebens oder klärt darüber auf, was medizinische Befunde und Diagnosen bedeuten. Nur ein kleiner Prozentsatz hat an diesen Informationen kein Interesse, die Gründe dafür sind, dass diese Personen sich ausschließlich auf Ihren Arzt verlassen oder dem Internet zu Fragen der Gesundheit kein Vertrauen schenken.

Der informierte Patient

Wenn es aber darum geht, sich selbst mit Informationen zu versorgen, dann beginnt die Suche größtenteils mittels der Suchmaschine Google und wesentlich seltener mit dem Aufruf einer spezifischen Gesundheitsseite oder Wikipedia. Die Vertrauenswürdigkeit der gefundenen Informationen wird sehr unterschiedlich eingestuft. Jeweils ein Viertel aller Befragten glaubt, dass diese entweder sehr oder dementsprechend wenig vertrauenswürdig sind.

Interessant ist dieser Wert vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass mehr als die Hälfte der Befragten selbst davon ausgehen, gut beurteilen zu können, ob das Informationsangebot relevant und vor allem vertrauenswürdig ist. Dieser hohe Wert widerspricht einer anderen Befragung, die einige Jahre zuvor im Zuge einer Masterarbeit erstmals durchgeführt wurde.

Damals wurde nämlich direkt abgefragt, was eine hochwertige Gesundheitsinformation auszeichnet. Mehr als 90 Prozent der Befragten waren damals nicht in der Lage, ein gängiges Qualitätsmerkmal wie beispielsweise eine Quellenangabe oder die Nennung der letzten Aktualisierung anzugeben.

Im Zuge der Befragung wurde aber nicht nur das Verhalten bei der Suche nach hochwertigen und somit vertrauenswürdigen Gesundheitsinformationen abgefragt, sondern auch, welche Informationen über Ärzte im Internet gefunden werden sollten. Neben den Ordinationszeiten, einer Telefonnummer und der Adresse möchten die Befragten erfahren, ob der gewählte Arzt über einen Kassenvertrag verfügt oder nicht.

Positive Eindrücke über einen Arzt entstehen vor allem dann, wenn es im Internet einen umfassenden Auftritt mit allen relevanten Informationen zur jeweiligen Person gibt. Dies erklärt sich dadurch, da dieser Arzt leichter kontaktierbar ist und als moderner und serviceorientierter angesehen wird.

Der digitale Kontakt zum Experten

Angemerkt muss in diesem Zusammenhang werden, dass es umgekehrt zu keinem dauerhaften negativen Eindruck kommt, wenn kein adäquater Internetauftritt vorhanden ist. Zwei von drei Österreichern räumen aber den internetaffinen Ärzten bessere Chancen bei der Akquirierung neuer Patienten ein. Besonders von Fachärzten mit Kassenvertrag, Krankenhäusern/ Kliniken und Reha-Einrichtungen sowie privaten Fachärzten, aber kaum von Apotheken, wünschen sich die Befragten eigene Internetseiten.

Die Möglichkeiten, die uns das Internet heute mit all seinen Anwendungen bietet, nehmen ständig zu. Kostenlose Videotelefonate unter Kindern oder verschlüsselte Gruppendiskussionen über Ländergrenzen hinweg zählen bereits zu gewöhnlichen Alltagstätigkeiten. Fast jeder Zweite würde, wenn es die Möglichkeit dazu gäbe, mit einem Arzt über eine Gesundheitsplattform in Kontakt treten. Das wäre dann vorstellbar, wenn der jeweilige Experte dem Patienten bereits bekannt ist, wenn das Gespräch zwischen den beiden in einem geschützten Bereich und somit für keine andere Person einsehbar und das Angebot kostenlos ist bzw. über die Krankenkasse verrechnet werden kann. Wiederum für jeden zweiten Befragten kann das Internet einen Arztbesuch nicht ersetzten.

Das Internet stellt aber in der Realität eine Alternative zum Arztbesuch dar, wenn es um benötigte Tipps zu Gesundheitsfragen geht, weitere Informationen zu einer Behandlung notwendig sind oder nur kleine Wehwehchen behandelt werden müssen. Jeder Dritte gab in diesem Zusammenhang an, auf Basis der festgestellten Symptome eine Recherche im Internet durchgeführt zu haben und daraufhin auf einen Arztbesuch verzichtet zu haben.

Wenn die Informationen auf einer Plattform präsentiert werden, auf der Ärzte die Texte verfassen oder der Betreiber selbst ein Arzt ist, dann werden diese Informationen im Gegensatz zu Angeboten von Verlagen oder Selbsthilfegruppen als sehr vertrauenswürdig eingestuft.

Digitale Patientenwünsche

Vor allem Männer wünschen, dass in Zukunft mehr internetbasierte Hilfsmittel zur Verbesserung des individuellen Gesundheitszustandes auf den Internetseiten der jeweiligen Experten angeboten werden. Zu diesen digitalen Hilfsmitteln zählen ein Online-Impfpass mitsamt einer Impferinnerung, die Möglichkeit einer Terminvereinbarung über das Internet oder auch ein Online-Terminkalender für Arzttermine. Gesundheitsnewsletter, Angebote zu Patiententagebüchern oder Erinnerungsfunktionen für die Einnahme von Medikamenten finden eher weniger Anklang.

Warum zum Wahlarzt

Rund zwei Drittel aller Befragten haben angegeben, bereits Leistungen eines Wahlarztes in Anspruch genommen zu haben. Die Hauptgründe dafür waren, dass sich der jeweilige Experte mehr Zeit für die Untersuchung und Beratung nimmt und kürzere Wartezeiten bei den Terminen und in der Ordination selbst zu erwarten sind.

Sieben von zehn Wahlarzt-Nutzern würden auch dann einen Wahlarzt in Anspruch nehmen, wenn die jeweiligen Krankenkassen keinen anteiligen Kassenersatz leisten. Der Rest ist der Meinung, dass sie bei fehlender Nichterstattung der Wahlarzt-Honorare durch die Krankenkassen auf die Leistungen der Wahlärzte vollständig verzichten würden, da die bezahlten Kassenbeiträge dazu dienen sollten, einen Teil des Honorars abzudecken.

Perspektiven in der Leistungserbringung

Neben einer Vielzahl an bereits verfügbaren Plattformen am Markt bietet CredoWeb.at laut Mag. Gerald Bruchmann, Kommunikationsleiter von CredoWeb.at Österreich, den Nutzern verlässliche und aktuelle Informationen aus Expertenhand.

Die Studienergebnisse belegen so Bruchmann weiter, dass die Konsumenten von Informationen immer selektiver vorgehen und nach mehr Qualität bei den Gesundheitsinformationen und bei den Informationen über die Experten selbst verlangen. Das ist auch der Grund, warum Laien auf CredoWeb.at keine eigenen Beiträge erstellen dürfen. „Wer sich heute umfangreich und gut im Internet positionieren kann, der baut damit nicht nur schnell eine Reputation auf, sondern kann so auch besser seine Expertise unter Beweis stellen“ sagt der Kommunikationsleiter.

Mit CredoWeb.at kann jeder Arzt heute schnell und einfach eine geheime und geschlossene Diskussionsgruppe zu jedem fachlichen Thema ins Leben rufen. Die Plattform bietet aufgrund der vielen Experten die Möglichkeit, weitere Experten, ohne lange Umwege, einzuladen. Vorhandene Kooperationen im dermatologischen Umfeld zeigen zudem, dass „dort wo es fachlich und technisch möglich ist“, telemedizinische Erneuerungen aufgegriffen werden und an andere Experten und Patienten zur Einholung von Zweitmeinungen weitergereicht werden, sagt Bruchmann.

Trotz der starken Affinität von Patienten zum Internet und der Vielzahl an Möglichkeiten bleibt abzuwarten, wie Ärzte und andere Gesundheitsdienstleister aufgrund von gesetzlichen Limitierungen und unklaren Abrechnungsmodalitäten in Zukunft Leistungen direkt über das Internet anbieten können. Die Motivation und das Vertrauen in die neuen technischen Möglichkeiten sind aufseiten der Laien zumindest gegeben.

Alexander Riegler

, Ärzte Woche 7/2017

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