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Praxis 20. Februar 2007

Zweitordination im Steuerauge

Jeder niedergelassene Arzt darf ohne Genehmigung einen zweiten Ordinationssitz eröffnen, eine Meldung an die Ärztekammer genügt. Die steuerliche Absetzbarkeit unterliegt allerdings einigen Richtlinien.

„Wenn ein Kassenarzt eine Zweitordination eröffnet, darf er die dort erbrachten Leistungen im Regelfall nicht mit den Kassen abrechnen“, erinnert Mag. Manfred Kenda, MEDTAX-Steuerberater in Klagenfurt. Die Patienten sind dann reine Privatpatienten, eine Rückerstattung der bezahlten Honorare durch die Kassen erfolgt nicht. Betreibt hingegen ein Wahlarzt eine Privatordination, dann können seine Patienten die Honorarnoten zwecks Rückerstattung bei der zuständigen Krankenkasse einreichen.
Für eine Ausdehnung des Kassenvertrages auf die Zweitordination ist die Zustimmung von Kasse und Kammer notwendig. Was die e-Card anbelangt, wird auch die Zweitordination eines Vertragsarztes auf Kosten der Sozialversicherung ausgestattet. Da dies bei Wahlarztordinationen nicht der Fall ist, fällt auch die Ausstattung einer Zweitordination weg.

Miete versus Privaträume

Wird eine Zweitordination gemietet, bestehen laut Kenda keine Probleme hinsichtlich der Absetzbarkeit sämtlicher Kosten, die mit dem Betrieb derselben in Zusammenhang stehen – vorausgesetzt, „dass tatsächlich ärztliche Leistungen erfolgen und verrechnet werden.“ Problematisch wird es möglicherweise dann, wenn sich die Zweitordination im privaten Wohnhaus des Arztes befindet. „In diesem Fall interessiert sich die Finanz ganz besonders dafür, warum diese unbedingt notwendig ist“, betont Kenda.
Auch die Einrichtung der Zweitordination unterliegt bestimmten Vorgaben, um betrieblich absetzbar zu sein. „Die Räumlichkeiten müssen als Ordination erkennbar sein. Es soll einen getrennten Eingang geben, der Praxisbereich muss vom Privatbereich getrennt sein“, so Kenda.
Weiters muss die Ausstattung darauf schließen lassen, dass eine medizinische Tätigkeit ausgeübt wird. Kenda: „Ein Schreibtisch allein wird hier wohl zu wenig sein.“ Es sollten also eine Liege, medizinische Geräte und andere ordinationstypische Gegenstände vorhanden sein, die eindeutig eine ausschließliche betriebliche Nutzung zulassen. Hier ist das Finanzamt laut Kenda besonders penibel.

Kein Pardon bei Arbeitszimmer

Eine gewisse Problematik besteht beim so genannten „Arbeitszimmer“. Wann es sich darum handelt, legen die Steuerrichtlinien fest. „Ausgaben für ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer und dessen Einrichtung sowie für Einrichtungsgegenstände der Wohnung dürfen nicht abgezogen werden“, macht Kenda aufmerksam.
Laut den Richtlinien fallen im Wohnungsverband gelegene Räume nicht unter den Begriff Arbeitszimmer, wenn sie von vornherein der Betriebs- oder Berufssphäre des Steuerpflichtigen zuzurechnen sind. „Die Kosten dafür sind selbstverständlich absetzbar“, so Kenda. Als Beispiel nennen die Richtlinien unter anderem Ordinations- und Therapieräumlichkeiten, die auf Grund ihrer Ausstattung typischerweise eine Nutzung im Rahmen der privaten Lebensführung ausschließen.
Summa summarum ist also darauf zu achten, dass die Zweitordination alle Merkmale einer Ordination aufweist. „In jedem Fall ist dem Finanzamt auch nachzuweisen“, so Kenda, „dass in der Zweitordination tatsächlich Leistungen erbracht werden.“

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