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Praxis 25. November 2005

Steuervorteile bei Investitionen

Unter bestimmten Voraussetzungen lassen sich durch Abschreibung in Summe sicherlich einige Hundert Euro netto pro Jahr gewinnen. Der Anspruch auf die Prämie ist stark eingegrenzt.

Unter normalen Umständen dürfen Investitionsgüter nicht zum Zeitpunkt des Kaufs steuerlich verwertet, sondern müssen über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abgeschrieben werden. Der Steuervorteil einer Investition wirkt nicht im Investitionsjahr, sondern wird gleichmäßig über die Jahre der geplanten Nutzung verteilt. Durch diese Verteilung auf mehrere Jahre im Vergleich zu einer einmaligen Abschreibung im ersten Jahr wird zwar in Summe keine Steuer verschenkt, es entsteht aber durch die verspätete Abfolge der Steuervorteile ein Zinseszinseffekt zugunsten des Finanzamtes.

Geschicktes Aufteilen von Rechnungen Eine Ausnahme gibt es jedoch: So genannte „Geringwertige Wirtschaftsgüter“ (GWG) dürfen sofort abgeschrieben werden, der Steuervorteil wirkt also bereits voll im ersten Jahr. Die Beschränkung besteht in der Größenordnung. Mit brutto 400 Euro limitiert, ist das wahrlich kein großartiger Effekt. Es sei denn, dass durch einzelne GWG wirklich viel an Volumen zusammenkommt. Dieser Steuereffekt war für viele Ärzte und Berater in der Vergangenheit schon oft Anlass, durch geschicktes Ausformulieren und Aufteilen von Rechnungen möglichst viel unter den Titel „Geringwertiges Wirtschaftgut“ zu zwängen.

Zuwachs über Dreijahresschnitt

Der GWG-Effekt hat nun Konkurrenz bekommen: Die Investitionszuwachs-Prämie macht es interessant, ein vielleicht GWG-fähiges Gut nun doch abzuschreiben, weil auf diese Weise dem Steuerpflichtigen möglicherweise zehn Prozent des Wertes gutgeschrieben werden. Zur Erinnerung: Es muss sich hierbei um ungebrauchte, körperliche, abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens handeln, als Beispiel seien EDV-Anlagen, medizinische Geräte oder Praxiseinrichtung genannt. Prämienbegünstigt ist auch nur der Investitionszuwachs des jeweiligen Jahres. Dieser ist als jener Betrag definiert, um den die Investitionen eines Jahres den Durchschnitt der Anschaffungskosten der letzten drei vorangegangenen Wirtschaftsjahre übersteigen.

Abschreibung immer besser

Wie schaut nun die Vergleichsrechnung aus? Beginnen wir mit einem GWG zum Preis von 400 Euro, das bei Abschreibung auf zehn Jahre aufgeteilt werden müsste. Der Steuervorteil bei Verwendung als GWG beträgt 200 Euro im ersten Jahr. Mit einem Nettozinssatz von drei Prozent abgezinst – entspricht sechs Prozent Überziehungszins am Betriebsgirokonto – beträgt der Barwert der Steuervorteile bei Abschreibung etwa 175 Euro, was einem Vorteil von 25 Euro zugunsten der GWG-Verwendung bedeutet. Wird die Investitionszuwachs-Prämie von 40 Euro eingerechnet, entsteht ein Vorteil von 15 Euro, jedoch zugunsten der Abschreibevariante. Bei Abschreibung auf fünf Jahre sieht das Endergebnis noch krasser aus: Fast 30 Euro in diesem Fall zugunsten der Abschreibung. Das Fazit ist also klar: Wer überhaupt in den Genuss der Investitionszuwachs-Prämie kommt, sollte alle geringwertigen Wirtschaftsgüter nicht als solche verwerten, sondern ins Anlageverzeichnis aufnehmen und abschreiben. Dadurch lassen sich in Summe sicherlich einige Hundert Euro netto pro Jahr gewinnen.

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