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Praxis 24. November 2005

Von der Kleinordination zur großen Gemeinschaft

Manchmal entwickeln sich die Dinge anders, als ursprünglich gedacht. Ein positives Beispiel dafür kommt aus Oberösterreich, wo die Interessen mehrerer Ärzte zusammenliefen.

Der Gynäkologe Dr. Norbert Gusenbauer hatte in Gallneukirchen (Oberösterreich) eine räumlich gesehen kleine Ordination. Gemeinsam mit seiner Frau, der Logopädin Eva Gusenbauer, besuchte er verschiedene Projekte, wo Ärzte gemeinsam im größeren Stil kooperierten. Dem Wunsch nach Vergrößerung standen einige Fakten gegenüber, darunter die hohen Grundstückspreise der Region. Ein wichtiger Auslöser für das Projekt, aus dem letztlich ein Facharztzentrum entstanden ist, war die Genehmigung einer Kassenstelle für den Gynäkologen in Gallneukirchen: „Gemessen an der Zahl der Patienten hatte ich eine sehr große Wahlarztpraxis und war immer wieder bei der Gebietskrankenkasse und anderen Stellen. Schließlich wurde dann aufgrund des Vergleichs mit den Frequenzen anderer Ärzte die Stelle genehmigt“, berichtet Gusenbauer.

Es hat sich herumgesprochen

Im Rahmen dieser Genehmigung wurde auch festgestellt, dass Gallneukirchen in Bezug auf Linz ein sehr großes Einzugsgebiet hat. Deshalb wurden auch Stellen für einen Kinder- und einen Augenarzt, einen Internisten und einen Facharzt für HNO genehmigt.Über private Finanzierung realisierte das Ehepaar Gusenbauer zunächst ein Objekt mit vier großen Räumen und Garconnieren. „Eigentlich hatten wir primär gar nicht an ein Ärztezentrum gedacht“, berichtet Eva Gusenbauer. Aber der Bau sprach sich bei Kollegen herum, und viele Ärzte interessierten sich für das Gebäude. Nun sind ausschließlich Ärzte im Haus, darunter ein Hautarzt, ein Kinderarzt, ein Augenarzt und ein Allgemeinmediziner. Einzige Ausnahme sind die Räume im Keller, die von einer Ballettschule genutzt werden.

„Die Anfragen zum Projekt rissen nicht ab, alle Ärzte im Haus konnten sich nicht über mangelnde Nachfrage der Patienten beklagen - eher im Gegenteil“, so Norbert Gusenbauer. Da sich das erste Projekt so bewährt hat, wird Ende März diese Jahres ein zweites Gebäude eingeweiht. „Dieses war von Beginn an als Ärztezentrum mit allen Ansprüchen wie Barrierefreiheit ausgelegt“, berichten die Initiatoren. Dort werden der Internist und der HNO-Arzt ordinieren sowie eine Zahnmedizinerin. Zwischen den Ärzten im ersten Haus und den neuen Kollegen entstehen zunehmend intensivere Kontakte. „Abgesehen von gegenseitigen Überweisungen und Konsultationen, von denen sowohl Ärzte als auch Patienten profitieren, gibt es auch gemeinsame Feiern während des Jahres“, freut sich Eva Gusenbauer. Derzeit wird auch an einer eigenen Web-Site gearbeitet, auf der sich das Projekt und alle involvierten Ärzte, die Logopädin sowie ein Geschäft für Hörgeräte präsentieren werden. Das Ehepaar Gusenbauer ist sich sicher, „dass dies ein weiterer Schritt zu einer intensiveren Kooperation der Häuser ist“.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 21/2004

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