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Praxis 23. November 2005

Praxiskonkurs: Frühsymptome erkennen

Insider gehen davon aus, dass sich ein guter Teil der niedergelassenen Ärzte in einer leichten Überschuldung befindet. Diese wird es in manchen Fällen schwierig machen, eine Entschuldung im Rahmen der gewünschten Zeit zu schaffen.

Die wirtschaftlichen Zeiten für niedergelassene Ärzte sind härter geworden. Honoraranpassungen im Kassenbereich hinken deutlich der Inflation hinterher, steigendes Patientenbegehren und Wahlarztschwemme sorgen für härtere Konkurrenz. Sich nach der Decke zu strecken, wird schwieriger.

Erster Schritt in Richtung Insolvenz

Schon eine leichte Überschuldung kann dazu führen, dass eine Entschuldung im Rahmen der gewünschten Phase bis zum Alter von 65 Jahren schwierig wird, manche werden vielleicht sogar an den Rand einer Insolvenz kommen. Ein Liquiditätsengpass kann mehrere Ursachen haben. Liegt die Problematik im Umsatz begründet? Sind die Praxisausgaben unkontrolliert gestiegen? Oder hat sich im Privatbereich Unerwartetes zum Negativen entwickelt? Die möglichen Ursachen sind vielfältig, jedoch lässt sich bei Ärzteinsolvenzen ein typisches Schema erkennen, das allzu oft auftritt. Am Anfang steht immer die mangelnde Transparenz der betrieblichen und privaten Finanzflüsse. Hier den Überblick zu verlieren, ist der erste Schritt in Richtung drohender Insolvenz. Dabei müssen einige Bereiche beobachtet und hinterfragt werden: Wie schaut die Umsatzsituation aus? Kassenabrechnungen sollten genauso regelmäßig beobachtet werden wie eventuelle Außenstände im Selbstzahlerbereich. Ebenso muss die Kostenseite genauestens analysiert werden. Als Hilfsmittel dient hier die jährliche Einnahmen-/Ausgabenrechnung, die im Optimalfall vom Steuerberater mit Vergleichswerten versehen ist. Aber auch das nützt nichts, wenn diese vom Arzt als ausschließlich für das Finanzamt notwendiges Dokument angesehen wird und ungeprüft in einen Ordner wandert. Mit diesen Daten lässt sich schnell feststellen, ob die eine oder andere Kostenart aus dem Ruder gerät. Besonders wichtig ist die Beobachtung beim größten Kostenfaktor in Ordinationen, den Personalkosten.

Unkenntnis über Steuer und Kredit

In den meisten Praxen stimmt die Relation zwischen Umsatz und Kosten (noch), was nicht heißt, dass ein Optimierungspotenzial besteht. Auf alle Fälle gibt jede Ordination nach Abzug von Steuern und Kapitalrückzahlung vom Betriebsergebnis ein Nettoeinkommen her, mit dem die privaten Lebenswünsche vom Praxisinhaber finanziert werden müssen. Und genau dieser Spielraum der privaten Geldverwendung wird gerne falsch eingeschätzt. Schuld daran ist oft die Unkenntnis der Funktionsweise von Steuer und Kreditrückzahlung, aber auch schlicht falsche Finanzierung. Kommen dann noch private Probleme, beispielsweise eine Scheidung, hinzu, ist der Finanzkollaps vorprogrammiert. Um Ordnung in seine Finanzen zu bekommen, muss man zunächst einmal die Geldflüsse im Umfeld der Ordination berechnen lassen. Der Steuerberater sollte mit wenigen Berechnungen anhand des letzten gebuchten Jahres – das sollte natürlich schon 2004 sein – Umsatz, Kosten, Steuern, Kreditrückzahlung und Nettoeinkommen berechnen können.

Gehaltskonto mit Limit

Mit diesen Informationen kann man die Geldflüsse übersichtlich regeln. Hierbei ist die strikte Trennung zwischen Betrieb und Privatbereich eine unabdingbare Notwendigkeit. Das private Budget ist mit dem Nettoeinkommen limitiert, dieses sollte auf eine Art „Gehaltskonto“ überwiesen werden. An dieses Limit sollte man sich genauso wie ein „Angestellter“ halten, also Überziehungen nur im Ausnahmefall und nicht ständig ansteigend. Im Übrigen sollten von diesem Geld auch zukunftssichernde Maßnahmen in der Größenordnung von zehn Prozent des Nettoeinkommens abgedeckt werden. Wer im Privatbereich ständig seine Verhältnisse überstrapaziert, programmiert finanzielle Probleme selbst vor.

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