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Praxis 20. Juni 2016

Dr. Google macht Druck

Fast die Hälfte der Ärzte meint, dass Eigenrecherche der Patienten unangemessene Erwartungen weckt.

Erst Symptome googeln, dann zum Doktor: Viele Patienten kommen informiert in die Arztpraxis. Das belastet das Verhältnis zwischen Arzt und Patient, meinen Mediziner.

Vor dem Termin in der Praxis auf der Suche nach der Krankheit, die hinter den Schmerzen stecken könnte und nach der Diagnose vom Arzt auf der Suche nach Therapieoptionen: Für einen Großteil der Patienten ist Dr. Google zum alltäglichen Begleiter geworden. Viele niedergelassene Ärzte hingegen erachten übers Netz informierte Patienten als „problematisch“. Ihre Sorge ist, dass Informationen aus dem Netz das Vertrauensverhältnis gefährden und falsche Erwartungen an Arzt und Therapie wecken.

Das ist Ergebnis einer Online-Umfrage der Bertelsmann Stiftung und der Krankenkasse Barmer GEK. In der Studie wurden den Autoren zufolge 804 niedergelassene Ärzte in Deutschland aus unterschiedlichen Fachbereichen befragt. Unter den Teilnehmern befanden sich unter anderem Allgemeinmediziner, Internisten, Gynäkologen sowie Chirurgen.

Als Autorin der Studie wird Anja Bittner genannt, Gründerin des Internetportals www.washabich.de . Dort können Patienten ihre Befunde zum Beispiel in leicht verständliche Sprache übersetzen lassen. Hauptbeweggrund für die Bedenken der Ärzte zu informierten Patienten: 45 Prozent der Umfrageteilnehmer stimmten den Studienautoren zufolge der Aussage zu, dass die Selbstinformation der Patienten vielfach unangemessene Ansprüche und Erwartungen wecke.

Das belaste die Arbeit in der Therapie. Fast ein Drittel (30 Prozent) der befragten Ärzte sei zudem der Ansicht, dass die Selbstinformation Patienten häufig verwirre und das Vertrauen zum Arzt beeinträchtige. Knapp ein Viertel der Ärzte rät Patienten sogar aktiv von der eigenständigen Suche nach Informationen ab.

Die Studieenergebnisse legen nahe, das Selbstinformation im Internet inzwischen mehr ist, als nur ein Trend unter Internetenthusiasten. Fast ein Viertel der teilnehmenden Ärzte bestätigte in der Umfrage, an einem normalen Arbeitstag mit mehr als 30 Prozent der Patienten über deren selbst recherchierte Medizininformationen zu sprechen.

Das sich verändernde Informationsverhalten der Patienten über die letzten fünf Jahre nahmen folglich fast alle Teilnehmer wahr (98 Prozent). Werden Ärzte im Alltag mit den Eigenrecherchen konfrontiert, fällt das Echo unterschiedlich aus, wobei laut den Umfrageergebnissen das positive Empfinden überwiegt. Die Masse der befragten Ärzte freut sich über das Interesse der Patienten. Mehr als 80 Prozent stimmten dem ganz oder teilweise zu. Aber: Viele sagten, mit der Beantwortung und Beratung zeitlich überfordert zu sein (mehr als 60 Prozent).

Etwa zehn Prozent ärgerten sich darüber, dass der Patient sich mit seiner Frage nicht zuerst an sie gewandt habe. Rund sieben Prozent der Ärzte haben laut Studie das Gefühl, das der Patient ihnen nicht vertraut. Klar wurde den Studienautoren zufolge, dass die zunehmende Eigenrecherche der Patienten nur bedingt einen positiven Einfluss auf die Arbeit der Ärzte hat. Nur ein Drittel habe angegeben, Patienten mehr in Behandlungsentscheidungen einzubeziehen. Nur 50 Prozent der Teilnehmer sagten, sie würden ihre Patienten selbst auf gute Informationsquellen hinweisen.

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