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© IMS Health
Mag. Erika Sander ist seit mehr als 8 Jahren für das US-Marktforschungsunternehmen tätig. Seit 2013 leitet sie die Geschäfte in Österreich.
 
Praxis 1. Februar 2016

„Arzneimittel werden großteils akut nachgefragt“

3 Fragen, 3 Antworten

IMS Health hat Gründe für die schwache Nachfrage des Medikamenten-Handels erhoben: Den Kunden sei die fachliche Beratung in der Apotheke wichtiger.

Gibt es Hinweise, dass der Online-Handel auch zukünftig eine eher untergeordnete Rolle spielen wird?

Sander:Wir gehen durchaus von einem Wachstum aus – aber in bescheidenem Rahmen. Scheinbar ist der österreichische Konsument beim Arzneimittelkauf konservativer als z. B. der Deutsche. Langfristig kann eine Annäherung an unseren großen Nachbarn möglich sein und sich der Versandhandelsanteil im OTC Geschäft im niedrigen zweistelligen Bereich einpendeln.

Sind die Apotheken schlicht und ergreifend zu spät dran und der Markt für die umsatzstarken Medikamentenmärkte im Internet schon besetzt?

Sander:Die „österreichischen“ Apotheken, die auch von ihrem Standort versenden sind – bedingt durch die erst heuer im Juni erfolgte Freigabe des OTC-Versandhandels – klar im Nachteil gegenüber den großen Playern aus Deutschland, Holland und Tschechien. Diese konnten ihren „first mover advantage“ dementsprechend nutzen, angefangen von bereits über mehrere Jahre akquirierte Kunden, die gesammelte Erfahrung im Online-Arzneimittelversand wie auch deren Präsenz bei Google und Co.

Woran liegt es, dass der Versand von Medikamenten im Internet nicht greift, während andere Produkte (etwa Bücher) dem lokalen Handel den Rang ablaufen?

Sander:Der naheliegende Grund ist die Warenverfügbarkeit. Trotz der angepeilten „next day delivery“ sind und bleiben viele Produkte ein ad hoc Kauf. Gerade die stärkste Kategorie im stationären Apothekengeschäft – die Husten- und Erkältungsmittel – werden großteils akut nachgefragt, wenn der Kaufgrund – sprich die Erkältung – eintritt. Bei Kunden mit Bevorratungsgedanken und bei möglichen Daueranwendungen wie z. B. Vitaminprodukten kann der Versandhandel derzeit durchaus punkten. Weiters hat eine mediale Vermischung von OTC-Versandapotheken mit kriminellen Versendern von Viagra und Co. zu einer Verunsicherung des Konsumenten bzw. des Bezugs von Arzneimitteln übers Internet beigetragen.

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