zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Der letzte Wille kostet nicht viel

Für Schenkungen, aber auch das Vererben eines Unternehmens gibt es Regelungen, nach denen Sie Ihren Willen festlegen können. Ein professionell aufgesetztes Testament kostet meist nicht mehr als ein paar hundert Euro.

Im Fall des Falles sind gesetzliche Erbfolge und Pflichtteilsrechte selten ideal. Wenn beispielsweise ein 30-jähriger Familienvater mit zwei kleinen Kindern stirbt, werden dadurch zwei Drittel des Familienvermögens bis zu deren 18. Geburtstag blockiert. Es empfiehlt sich daher selbst bei ganz klaren Familienverhältnissen das Abfassen eines Testamentes. Ehe oder Lebenspartner?
Wer Lebensgefährten absichern will, muss diesen Schritt ohnehin setzen, ansonsten drohen diese alles zu verlieren, was gemeinsam aufgebaut wurde. Anders als bei Ehepartnern, werden Lebenspartnerschaften vom Gesetz her nach wie vor diskriminiert. Neben dem vorzeitigen Schenken sind Schenkungen auf den Todesfall durchaus üblich, also Übergaben nach dem Tod des Schenkenden. In allen Fällen sollten durch einen Notariatsakt abgesicherte Schenkungsverträge abgeschlossen werden, in denen die wesentlichen Details fixiert sind.

Heikle Konstellationen

Fachmännische Hilfe ist auch beim Verfassen eines Testamentes angezeigt, um keine Formvorschriften zu verletzen. Vor allem bei heiklen familiären Konstellationen, wo bestimmte Angehörige auf ihren Pflichtteilsanspruch zurückgestutzt oder gar enterbt werden sollen, sind ohne profunde Beratung langjährige und kostspielige Rechtsstreitigkeiten programmiert.

Steuern sparen durch geschicktes Timing

Beim Vererben von Unternehmen – manche Ärzte betreiben neben ihrer Praxis auch noch einen Handels- oder Gewerbebetrieb – geht es nicht nur um die Erbfolge, sondern auch um die unternehmerische Qualifikation der Nachfolgekandidaten. Kleine Unternehmen sind durch den Erbschafts- und Schenkungsteuerfreibetrag von 365.000 Euro begünstigt. Bei einer Schenkung muss der Übergeber dabei mindestens 55 Jahre alt oder erwerbsunfähig sein.
Durch geschicktes Timing lässt sich auch bei größeren Unternehmen die Steuer reduzieren, indem man nach großen Investitionen schenkt – ein ganz legaler Kniff. Besonders wirksam ist auch folgendes Vorgehen: Investiert der Betrieb vor Übergabe in eine Immobilie, wird bei der Steuerbemessung nicht der Kaufpreis, sondern der meist deutlich niedrigere dreifache Einheitswert angesetzt. Bei betagten Vorfahren bietet sich – für Familienbetriebe ebenso wie für Immobilien – anstelle einer Schenkung der Verkauf gegen Leibrente an. Ab einem Unternehmenswert von rund zwei Millionen Euro sind Stiftungen interessant. Damit kann der Stifter sicherstellen, dass ein Vermögen in seiner Gesamtheit erhalten bleibt.

Weitsichtiges Planen gefragt

Ob reicher Arzt oder Durchschnittsverdiener – das weitsichtige Planen des Vermögensübergangs von Generation zu Generation zahlt sich jedenfalls aus. Dafür lohnt es sich auch, das immer noch weit verbreitete Tabu zu brechen und die pekuniären Konsequenzen des eigenen Ablebens anzusprechen. Wenn man ein Testament macht, stirbt man ja nicht gleich. Finanziell rechnet sich das auf alle Fälle, denn ein professionell aufgesetzter Letzter Wille kostet bloß ein paar hundert Euro.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 3/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben