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Praxis 17. August 2005

Wie gut ist Ihre Altersvorsorge?

Die Rubrik Praxis & Wirtschaft in der ÄRZTE WOCHE war im Herbst 2003 von einer Serie rund um die Pensionsperspektiven österreichischer Ärzte geprägt. Unsere Nachlese in dieser Ausgabe beleuchtet den Status quo, der angesichts der wirtschaftlichen Entwicklungen sicher noch so mancher Änderung unterzogen wird.

Neben der gesetzlichen und der kammeralen Absicherung wurden in der ÄRZTE WOCHE-Serie sämtliche staatlich geförderten Ansparmodelle kritisch gewürdigt und umfassend über diverse private Zusatzalternativen berichtet. Anhand von 15 „echten“ Beispielen von Ärztinnen und Ärzten bzw. deren Lebenspartnern mit unterschiedlichstem beruflichen Hintergrund erfolgten konkrete Berechnungen der Pensionslücken. Auf Grundlage dieses „Hilfsmittels“ konnte jeder Arzt relativ genau seine persönliche Situation beurteilen.
Insgesamt wurden etwa 40 Seiten zur Thematik publiziert, wobei sich einige wesentliche Dinge vorwiegend allgemein darstellen lassen. Zunächst zur Situation der staatlichen Pensionssysteme. Was als Umlagesystem geplant war, droht jetzt langsam zu kollabieren. Warum? Einerseits hat das System viele Jahre wie selbstverständlich viele Pensionisten im Überfluss bedient, deren Einzahlung ins System in keinem Verhältnis dazu stand.

Bevölkerungsentwicklung sorgt für Probleme

Was kurzsichtig und ungerecht ist, hat aber so lange funktioniert, wie ein entsprechendes Wachstum der arbeitenden Bevölkerung und der Wirtschaft als Ganzes vorhanden war. Nun – in Zeiten geringeren Wachstums und Sättigung in allen Wirtschaftsbereichen – tauchen Probleme auf. Andererseits leben immer mehr Pensionisten länger; die daraus resultierende Veränderung der Bevölkerungspyramide birgt vorprogrammierte Probleme. Zusätzlich wird die Situation durch das vor dem EU-Beitritt prognostizierte Abwandern von Arbeitskraft in billigere EU-Länder verschärft. Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt, dass diese Probleme nicht gelöst werden können. Somit kann sich jeder auf eine weitere Kürzung der staatlichen Pension gefasst machen – wahrscheinlich wesentlich einschneidender als bei der jüngsten Pensionssicherungsreform.
Einige Leser haben uns kontaktiert, weil sie die Berechnungsdaten der Pensionsversicherung als zu hoch empfunden haben. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, dass es sich bei den Beispielen um Echtdaten aus dem Bestand der SVA handelt, und dort jeder Arzt einerseits seinen persönlichen Status abrufen und sich andererseits auch im Hinblick auf seine Pensionsgestaltung beraten lassen kann.

Die Wohlfahrtsfonds

Die staatliche Pension ist allerdings nur ein Teil der ärztlichen Vorsorge. Jede Ärztekammer unterhält einen Wohlfahrtsfonds zur Absicherung hauptsächlich der Altersvorsorge. Alle neun Fondssysteme unterliegen der gleichen Gesetzgebung und sind doch in Sachen Beitrags- und Leistungsordnung, Veranlagungspolitik sowie Größenordnung des Pensionsanspruchs vollkommen unterschiedlich. Auch die Wohlfahrtsfonds werden in absehbarer Zeit mit der Problematik der Relation zwischen Erwerbstätigen und Pensionisten konfrontiert sein. Daher ist es für den Beitragszahler auch wichtig zu wissen, was mit seinem Geld geschieht. Schließlich soll der Kammerpensionstopf auch dann noch zahlungsfähig sein, wenn man selbst die Früchte des Arbeitslebens ernten will. Deshalb haben wir bei allen Wohlfahrtsfonds erfragt, wie die Vermögens- und Ertragslage sowie die Mischung des Portfolios aussieht.

Informationen einfordern

Die meisten Wohlfahrtsfonds haben uns mit gutem Grund selbstbewusst diese Daten zur Verfügung gestellt. Aufgrund der massiv unterschiedlichen Ärztezahl ist auch das Volumen der Fonds unterschiedlich. Um Vergleiche herstellen zu können, muss man daher auf Kennzahlen zurückgreifen. Uns erscheint das Verhältnis zwischen Vermögen und Ausgaben sowie das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ertrag als zweckmäßig.
So erreichen alle Fonds einen guten Wert (siehe Kasten). Wien war trotz mehrerer Versuche unsererseits nicht bereit, offiziell zu dieser Thematik Stellung zu beziehen. Die Informationen aus gut informierten Kreisen waren ebenfalls nicht zu verwerten, Ärzte sollten sich über diese Angelegenheit selbst Gedanken machen und diese Informationen für sich persönlich vom Wohlfahrtsfonds einfordern.
Im Großen und Ganzen stehen die Kammerfonds gut da. Nicht so gut weggekommen sind in unserer Analyse hingegen die staatlich geförderten Ansparprodukte. Während für Unselbständige einiges auf diesem Sektor getan wird, sind die Möglichkeiten bei Freiberuflern eher beschränkt. Die verfügbaren Produkte stellen nach Ansicht vieler Finanzinsider auch nicht die Optimalform zusätzlicher Geldanlage dar, so dass an privater Vorsorge kein Arzt vorbeikommt.
Für diesen Bereich der ökonomischen Prävention kann zusammenfassend gesagt werden, dass früh genug begonnen und möglichst breit gestreut werden sollte – unter Berücksichtigung der Gesamtsituation. Wer als Arzt beispielsweise bereits eine Vorsorgewohnung besitzt und einem Wohlfahrtsfonds angehört, der stark im Immobilienbereich veranlagt, sollte vielleicht sein privates Portfolio nicht mit Immobilienfonds anreichern.

Zehn Prozent für Sparstrumpf

Die Pensionslückenberechnung bringt auch durchwegs vergleichbare Aussagen zu Tage. Unsere Beispiele ergaben im Schnitt 15 Prozent Pensionslücke in Relation zum aktiven Nettoeinkommen – die Bandbreite reicht von Null bis 25 Prozent. Das hat aber nichts mit dem Einkommen des Arztes oder der Güte des Wohlfahrtsfonds zu tun.
Im Klartext bedeutet das, dass man mit einer Ersparnis von zehn Prozent seines Nettoeinkommens auf mindestens 20 Jahre in allen Bundesländern mit allen erdenklichen Konstellationen gut zurechtkommt. In Niederösterreich reicht der Wohlfahrtsfonds bei unserem Beispiel sogar zur kompletten Abdeckung der Pensionslücke. Aber das muss auch mit entsprechenden Beiträgen im Vorfeld erkauft werden.

  Ein Tipp für die praxis  
     
  Einkommensteuer: Beliebtes Feindbild
Niedergelassene Ärzte sind ein vom Finanzamt geplagtes Volk. Als zumeist gut verdienende Freiberufler liefern sie quartalsweise fünfstellige Eurobeträge ans Finanzamt ab. So sind Jahresvolumina an Einkommensteuer von mehr als 40.000 Euro keine Seltenheit.
Dementsprechend vielfältig sind die Versuche, dieser Steuerpflicht zumindest ein wenig zu entgehen. Vieles geschieht durch einfallsreiche Steuerberater, manches sogar durch den Arzt selbst. Aber nicht
alles, was versucht wird, hat Aussicht auf Erfolg. Die Steuerschlupfwinkel sind fast ausgestorben, dennoch gibt es eine Fülle an legalen Steuertricks. Wir nehmen das Jahr 2004 zum Anlass,
einmal umfassend zum Thema Sinn und Unsinn von steuerlichen Maßnahmen in Arztbetrieben zu berichten. Eines kann man vorwegnehmen: Das Ausschöpfen aller legalen Möglichkeiten hat viel mit ordentlicher Dokumentation zu tun. Glaubt es der Prüfer beispielsweise wirklich, dass man auf einem Ärztekongress war, wenn der Arzt keine einzige Mitschrift vorweisen kann?
Andere Maßnahmen erfordern hingegen eine langfristig geplante Strategie. Genau das lassen viele Steuerberater aber vermissen. Ein zusätzliches Problem ist das mangelnde Gefühl für die Steuern bei gar nicht so wenigen Ärzten. Wenn der Steuerberater nämlich erst im Folgejahr mit den steuerlichen Auswirkungen der Betriebsführung konfrontiert wird, ist es meist zu spät für sinnvolle Maßnahmen.
 
     

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