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Laptop mit e-Befund: Die neuen interaktiven e-Befunde sind standardisiert.
© otshock/Shutterstock.com

Datenschutz hat Priorität.

 
Praxis 21. Dezember 2015

Schlag nach bei ELGA

Expertenbericht: Digitale Unterstützung für Ärzte.

Ärzte sollen mehrfach von der elektronischen Gesundheitsakte ELGA profitieren. Sie erhalten einen raschen und umfassenden Überblick über bisher erfolgte Behandlungen und Medikationen ihrer Patienten. Zudem werden ELGA-Befunde in einem neuen Format verfügbar sein.

Arbeiten mehrere Gesundheitseinrichtungen zusammen, etwa bei einem Patienten mit einer chronischen Erkrankung, unterstützt die elektronische Gesundheitsakte, auch ELGA genannt, die Kommunikation untereinander und verbessert so den Informationsfluss.

Die verschiedenen Computersysteme der unterschiedlichen Gesundheitseinrichtungen können oft nur per gezielter Versendung miteinander kommunizieren. Die Übermittlung von Befunden erfolgt vielfach noch auf dem Postweg oder via Fax. Dadurch besteht ein gewisses Risiko, dass Informationen verloren gehen und nicht – oder zu spät – bei ihrem Empfänger ankommen.

Mit ELGA erhalten die behandelnden Ärzte und Spitäler Entlassungsberichte und aktuelle Medikation ihrer Patientinnen und Patienten als unterstützende Entscheidungsgrundlage für Diagnostik und Therapie. ELGA unterstützt beispielsweise durch eine patientenbezogene Medikationsübersicht die ärztlichen Entscheidungen. Diese können dann mit Hilfe von wichtigen medizinischen Vorinformationen rascher reagieren und den Patienten etwaige Mehrfachuntersuchungen und Wege ersparen.

ELGA soll Zeit für den persönlichen Kontakt schaffen

Die rasche und umfassende Verfügbarkeit von Gesundheitsdaten spart in Ordinationen und Spitälern Zeit. Zeit, die wiederum mehr persönlichen Kontakt mit den Patientinnen und Patienten ermöglicht. Auch die Verlässlichkeit von Patientenangaben lässt sich besser überprüfen, denn die Medikation oder die Dosisangabe eines Medikamentes sind festgehalten und müssen nicht aus dem Gedächtnis rekonstruiert werden. ELGA unterstützt die Ärzte auf diese Weise mit konkreten Informationen über die Patientin in Diagnostik und Therapie.

Neue interaktive Befunde sind österreichweit standardisiert

Unstrukturierte PDF-Dokumente oder gar handgeschriebene Befunde gehören mit ELGA der Vergangenheit an. Alle Befunde, die über ELGA zur Verfügung stehen, haben ein neues technisches Format (Clinical Document Architecture) und damit einen strukturierten Aufbau, der österreichweit standardisiert ist. Diese neuen, interaktiven e-Befunde können zudem automatisch in das digitale ärztliche Dokumentationssystem übernommen werden. Überdies wird es möglich sein, einzelne Informationen in die eigene Arztsoftware zu übernehmen, um etwa die Blutwerte eines Patienten über einen längeren Zeitraum zu überprüfen.

Diese nahtlose Integration verschiedener Datenquellen in die eigene medizinische Dokumentation eröffnet Ärzten künftig neue Möglichkeiten in der klinischen Entscheidungsunterstützung. Medikation, Diagnosen, Therapien und Behandlungsverläufe werden dadurch transparenter und nachvollziehbarer. Auch die Navigation im ELGA-Dokument selbst wird durch die einheitliche Struktur sehr einfach sein. Damit kann die elektronische Gesundheitsakte ELGA zu einem nutzerfreundlichen Werkzeug werden. Zudem sind Befunde, die im Wege von ELGA verfügbar gemacht werden, österreichweit einheitlich beschlagwortet. Das bedeutet, dass das Suchen und Filtern nach Ersteller oder Befundart ähnlich wie in einer guten Bibliothek funktioniert und eine effiziente Auswahl eines bestimmten ELGA-Dokuments ermöglicht.

Datenschutz und Sicherheit haben oberste Priorität

ELGA wird künftig als übergreifende Datendrehscheibe im Gesundheitssystem die Kommunikation der zunehmend vernetzten Gesundheitsversorgung technisch und prozessual effektiv unterstützen. Dabei nehmen Datenschutz und Sicherheit eine zentrale Rolle ein. Gesundheitsdaten sind höchst sensible Daten. Deshalb ist die IT-Sicherheit im Gesundheitswesen sehr streng normiert und basiert auf hohen Sicherheitsstandards. Im ELGA-Gesetz sind Datenschutz und Datensicherheit genau geregelt.

Dezentrale Speicherung und verschlüsselte Übertragung

Die Gesundheitsdaten der Patientinnen und Patienten werden – so wie bisher auch – dort gespeichert, wo sie erfasst werden: bei den verschiedenen Gesundheitsdienste-Abietern, auf den Servern der Spitäler, Arztpraxen oder Labors. Allerdings werden diese nun durch ELGA mit Hilfe von Verweisen verknüpft, womit sie dann auch für andere behandelnde GDA aufzufinden sind. Der Datenaustausch zwischen den einzelnen ELGA-Gesundheitsdiensteanbietern erfolgt verschlüsselt und ausschließlich in für die Anwendungen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) des Gesundheitswesen verwendeten Netzwerken. Im Falle von EDV-Wartungen gelten das Vier-Augen-Prinzip oder vergleichbare Sicherheitsmaßnahmen.

Ärzte und andere ELGA-Gesundheitsdiensteanbieter können ELGA-Daten nur einsehen, wenn ein Patient bei ihnen in Behandlung oder Betreuung ist. Dafür ist ein technischer Nachweis des Behandlungsverhältnisses erforderlich. Dieser erfolgt in der Kassenordination durch das Stecken der E-Card bzw. der „elektronischen Aufnahme“ im Krankenhaus. Standardmäßig haben Ärzte 28 Tage ab Nachweis des Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses Zugriff auf die Daten, bei Krankenanstalten und Pflegeeinrichtungen gilt diese Frist ab der Entlassung. Apotheken werden nur zwei Stunden auf die Medikationsdaten Zugriff haben. Danach erlischt die Zugriffsberechtigung und wird erst bei erneutem Nachweis des Behandlungs- oder Betreuungsverhältnisses wieder aktiv. Alle Abfragen werden genau protokolliert und können von den Patienten jederzeit selbst im Protokoll des ELGA-Portals nachvollzogen werden.

Keinen Zugriff auf ELGA-Gesundheitsdaten haben Ärzte, die für staatliche Einrichtungen, z. B. Behörden, oder Versicherungen tätig sind, ebenso wenig wie ein betriebsärztlicher Dienst. ELGA-Gesundheitsdaten dürfen durch den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin oder dessen bzw. deren Angestellten weder verlangt noch abgefragt werden. Vermutet die Patientin bzw. der Patient einen unbefugten Zugriff, kann man sich an die ELGA-Ombudsstelle wenden. Diese hat die Möglichkeit, dem Verdacht entsprechend nachzugehen. Bei missbräuchlicher Verwendung von ELGA-Gesundheitsdaten drohen Strafen. Diese können bis zu mehreren 10.000 Euro bzw. einem halben Jahr Haft reichen.

Die Umsetzung der elektronischen Gesundheitsakte wird für Ärzte sowie Patienten erst langsam „spürbar“ sein. Zunächst werden Entlassungsbriefe und ausgewählte Labor- und Röntgenbefunde in öffentlichen Spitälern und Pflegeeinrichtungen ab Dezember 2015 in der Steiermark und in Wien verfügbar sein. Später auch Medikationsdaten, wenn die ELGA-Funktion „e-Medikation“ im Bezirk Deutschlandsberg startet und t bei Kassenärzten und in Apotheken zur Verfügung stehen wird.

Kassenambulatorien, private Krankenanstalten sowie Zahnärzte mit Kassenvertrag folgen später.

Dr. Susanne Herbek ist Sprecherin der ELGA GmbH.

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