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Praxis 17. August 2005

Standortanalyse wird immer wichtiger

Die wirtschaftlichen Risiken einer Praxisgründung haben heute mehr Gewicht als noch vor wenigen Jahren. Besonders bei Wahlärzten hängt die Fremdfinanzierung von einem nachvollziehbaren Erfolgskonzept ab.

„Obwohl uns in den kommenden Jahren der erste große Schichtwechsel im Kassenbereich bevorsteht, sind Jungärzte heutzutage hauptsächlich an der Gründung von Wahlarztpraxen interessiert“, so Dr. Martin Millauer, Wahlärztereferent der Bundeskurie und stellvertretender Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte in der Ärztekammer für Steiermark, beim Praxis & Wirtschaft-Gründungs-seminar in Graz. Die wirtschaftlichen Risiken sind heutzutage enorm, unabhängig davon, ob man sich als Kassenarzt oder Wahlarzt niederlässt. Während bei einer Kassenstelle der Bedarf allein schon durch die Existenz der Stelle gegeben ist, muss sich ein Wahlarzt ganz gezielt über die Auswahl seines Standortes Gedanken machen. Das Seminar in Graz, veranstaltet vom Basler Ärztedienst, ÄRZTE WOCHE und GlaxoSmithKline, fand auch heuer wieder regen Zuspruch. Mehr als 30 Teilnehmer konnten im Vortragssaal der Ärztekammer Steiermark begrüßt werden. Mill-auer, selbst aktiver „Vollerwerbswahlarzt“, berichtete aus seinem langjährigen Erfahrungsschatz.

Wo sollen die Patienten herkommen?

Wichtigstes Kriterium bei der Auswahl des Standorts ist natürlich die Anzahl der potenziellen Patienten. Diese setzen sich einerseits aus der Wohnbevölkerung zusammen, andererseits kann es auch durch Pendler interessante Möglichkeiten geben, beispielsweise bei der Festlegung der Ordinationszeiten und somit einem der Unterscheidungs-kriterien zum Mitbewerber. Zweite Priorität hat laut Millauer die Praxisfinanzierung: „Wenn dieser Bereich falsch eingeschätzt wird, sind Probleme für die Zukunft vorprogrammiert.“ Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes, kennt die damit verbundenen Probleme und wies in ihrem Vortrag auf die enge Beziehung zwischen Standortwahl und Finanzierung hin: „Heutzutage muss ein Kreditwerber der Bank beweisen, dass sein Konzept eine Chance hat. Exakte und bewusste Standortwahl ist dafür unabdingbar.“ Dies umfasst auch die Analyse der Mitbewerber: Wie viele Kollegen der gleichen Fachrichtung arbeiten schon im gewünschten Gebiet? Wie alt sind die Kollegen, welche Leistungen bieten sie an, sind es Kassen- oder Wahlärzte?

Lebensgrundlage absichern

„Flexibilität ist jedenfalls notwendig. Heute genügt es nicht mehr, sich einfach an einem Platz, der einem gefällt, niederzulassen und auf Patienten zu warten“, so Steuerberater Günter Singer, der den Wirtschaftsteil des Seminars abdeckte. Schließlich gehe es darum, eine Lebensgrundlage für sich und die Familie aufzubauen. Singer berichtete auch von Schwierigkeiten rund um Praxisgründungsfinanzierungen: „Die angewendeten Kriterien werden immer strenger, was aber oft genug einen Arzt vor einem wirtschaft-lichen Debakel schützt.“ Ein solider Niederlassungsplan ist seiner Ansicht nach daher heutzutage ein unverzichtbarer Bestandteil einer Praxisgründungsplanung.

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