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Praxis 7. Jänner 2016

Skandal mit Anlauf

2018 werden Patienten ca. 15 Wochen auf MRT-Untersuchungen warten, prognostiziert Radiologe Baldt.

Im Hauen und Stechen um Verträge und Kontingente, zwischen Hauptverband und Kassen auf der einen und Ärztekammer auf der anderen Seite, tut sich ein neuer Konflikt auf: die wochenlangen Wartezeiten auf MRT und CT. Mag. Bernhard Wurzer vom Hauptverband prüft rechtliche Schritte wegen vermuteter Bevorzugung von Privat-Patienten. Radiologe Dr. Manfred Baldt meint hingegen, der Grund für die Wartezeiten sei die Deckelung der Untersuchungen – durch den Hauptverband.

Er könne seine Hand nicht für jedes Institut ins Feuer legen, sagt der Baldt. „Ich kann nicht ausschließen, dass es einzelne schwarze Schafe gibt.“ Bernhard Wurzer vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger sieht das weniger entspannt: Es häufen sich die Beschwerden, dass Personen, die bereit sind eine Behandlung privat zu bezahlen gegenüber Kassenpatienten vorgezogen würden, vor allem im Osten des Landes, erläuterte dieser im Ö1-Morgenjournal am 2. Dezember. „Wir bekommen derzeit laufend von Patientenanwälten die Rückmeldung von Patienten, die mit einer MRT-Überweisung zu ihrem Institut gehen, dort die Information bekommen, dass sie sechs, sieben, acht Wochen, zwei Monate Wartezeit in Kauf nehmen müssen, aber wenn die Patienten bereit sind, die Untersuchung privat zu finanzieren, können Sie noch am selben Tag einen Termin bekommen.“ Es sei in den Verträgen mit den Instituten geregelt, dass Privatpatienten nicht vorgezogen werden dürften. Der Hauptverband prüfe nun rechtliche Schritte.

Der Verband für bildgebende Diagnostik, weist Wurzers Vorwurf als unsinnig zurück. Die langen Wartezeiten hätten eine einzige Ursache: Die Untersuchungen seien ab 2010 durch den Hauptverband gedeckelt worden, gleichzeitig steige der Bedarf jährlich um etwa 5 Prozent und dadurch entstünden Wartezeiten. Wenn nicht zusätzliche Kontingente (die pro Jahr um circa 1 % aufgestockt werden) bereitgestellt würden, werde die durchschnittliche Wartezeit auf einen MRT-Termin im Jahr 2018 circa 15 Wochen betragen.

Er jedenfalls habe kein schlechtes Gewissen, einen privat versicherten Patienten außerhalb des Kassenkontingentes dranzunehmen, denn dadurch würde gleichsam ein Platz, den der Private ansonst ja beanspruchen würde, für einen anderen Kassenpatienten frei. Außerdem nehmen viele Privatpatienten Zusatzversicherungen in Anspruch(siehe auch Praxis-Teil auf S. 35).

Martin Burger, Ärzte Woche 50/2015

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