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Praxis 17. August 2005

Wie macht das der Kollege?

Jede Ordination sollte in regelmäßigen Abständen hinsichtlich ihrer Rentabilität überprüft werden. Doch was sind harte Kriterien dafür? Ein guter Ansatz ist der Vergleich mit Kollegen.

An Datenmaterial von Kolleginnen und Kollegen heranzukommen, ist nicht ganz einfach. Die Ärztekammern sollten aber über entsprechende Zahlen verfügen, auch Statistiken der Sozialversicherungen sind kein Geheimnis. Zunächst hat die Umsatzseite Relevanz. Hier muss besonders auf das individuelle Fach und Bundesland geachtet werden, für eine Verallgemeinerung sind die Bedingungen zu unterschiedlich. Außerdem spielt es eine wesentliche Rolle, ob man sich im Kassen- oder Wahlarztmilieu betätigt.

Scheinzahl ist gottgegeben

Scheinzahl und Scheinwert eines Kassenarztes sind oft „gottgegeben“, wenn man so die Auswirkungen der Stellenplanung seitens der Sozialversicherungen bezeichnen möchte. Mit anderen Worten: Es kann durchaus Gründe geben, warum einige Ordinationen kleiner sind als andere. Kleinere müssen aber nicht zwangsläufig schlechter wirtschaften. Im Mittelpunkt des Vergleichs stehen die wesentlichen betrieblichen Kennzahlen. Damit kommt bundesländerunabhängig die ganze Wahrheit ans Tageslicht, auch innerhalb der meisten Fächer gibt es kaum Unterschiede. Zu den Ausnahmen zählen Fächer mit hohem Materialverbrauch und/oder großem Investitionsvolumen, und für Hausapotheker gelten überhaupt gänzlich andere Werte.
Der erste Blick fällt auf die Relation zwischen Umsatz und Gewinn. Der Gewinn liegt im Optimalbereich, wenn er etwa 45 bis 50 Prozent des Umsatzes beträgt. Das würde für einen Allgemeinmediziner mit 200.000 Euro Umsatz einen Gewinn um die 90.000 Euro bedeuten. Wichtig ist jedoch nur die Relation: Mit 150.000 Euro Umsatz einen Gewinn von 80.000 Euro zu erzielen, wäre zwar absolut gesehen schlechter, die Rentabilität dieser Arztpraxis wäre aber höher. Schließlich geht es bei diesen Betrachtungen nicht darum, mit Gewalt bestimmte Werte zu maximieren. Im Mittelpunkt steht die Feststellung, ob sich auf der Kostenseite im Unternehmen etwas Bedenkliches anbahnt. Kommen wir zu dem üblicherweise größten Kostenfaktor in einer Arztpraxis. Die Personalkosten betragen bei niedergelassenen Ärzten im Schnitt etwa 20 Prozent vom Umsatz, mit geringen Schwankungen bei verschiedenen Fächern. Vorsicht ist bei angestellten Lebenspartnern geboten, die aus irgendwelchen Gründen kein „fremdvergleichbares“ Gehalt beziehen. Sie können diesen Wert verfälschen. Zum Abschluss der Betrachtung wird der Verschuldungsgrad unter die Lupe genommen. Dieser ist abhängig vom Alter des Arztes, der Finanzierungsart und dem Zustand der Ordination. So kann die neue Ordination eines jungen Arztes sicher mehr Schulden vertragen als die abgelebte Praxis eines Arztes kurz vor dem Ruhestand. Der dreifache Jahresgewinn ist jedoch immer als maximale Schranke für Unbedenklichkeit zu sehen.

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