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Praxis 17. August 2005

Chancen einer Ordination sachlich beurteilen

Der Standort einer Praxis hat auf den Erfolg eines Arztes ebenso großen Einfluss wie die Qualität der medizinischen Versorgung der Patienten. Am Beispiel Wien-Simmering lässt sich eindrucksvoll demonstrieren, wie eine profunde Analyse vonstatten gehen kann.

„Zusätzlich zu den Fähigkeiten des Arztes und seines Personals sowie der technischen Ausstattung einer Ordination sind auch die Faktoren Lage und Infrastruktur des Umfelds von Bedeutung“, ist Dr. Bernd Bartosek, Initiator des Doktorhaus in Simmering, überzeugt. Der Stellenwert des optimalen Ordinationsstandortes wird durch einige Entwicklungstendenzen im Gesundheitswesen noch verstärkt. Einerseits wächst der Bedarf an medizinischer Dienstleistung, andererseits muss sich die öffentliche Hand immer mehr aus der Finanzierung zurückziehen – und das bei zunehmendem Gesundheitsbewusstsein und immer besser informierten Patienten.

Praxiskonzept in Einklang mit Zielgruppe

Doch nach welchen Kriterien soll sich ein Arzt bei der Wahl des optimalen Praxisstandortes richten? Die Bevölkerung von heute ist jedenfalls in einem noch nie dagewesenen Maße mobil. Der Patient nimmt also bereitwillig auch längere Wege auf sich, um zum Arzt seiner Wahl zu kommen – vorausgesetzt, es ist bequem, also die Verkehrsinfrastruktur stimmt. „Daher sind ausreichend Parkplätze, weiters eine gute Anbindung zur Autobahn sowie Straßenbahnlinien und U-Bahn unverzichtbare Voraussetzungen“, so Bartosek.

Praxiskonzept für Zielgruppe

Das ist jedoch nur ein kleiner Teil einer notwendigen Standortanalyse. Wichtig für das wirtschaftliche Bestehen einer Ordination und damit die absolute Grundvoraussetzung für den Betrieb ist der Einklang des Praxiskonzeptes mit dem Vorhandensein der ansprechbaren Zielgruppe. Bartosek: „Das weitere Umfeld und der gewünschte Standort müssen daher anhand mehrerer wesentlicher Kriterien analysiert werden, um den Bedarf an Gesundheitsdienstleistungen transparent zu machen und damit die Chancen für eine neu zu gründende Ordination sachlich beurteilen zu können“ (siehe Kasten).

Zuwachsraten bestimmen Patientenpotenzial

Aus der Bevölkerungsentwicklung lässt sich schließen, ob genügend Patientenpotential vorhanden ist. Hierbei spielen Prognosen und Zuwachsraten eine wichtige Rolle. Das ökonomische Umfeldprofil, also die Wirtschafts- und Beschäftigungsstruktur, lässt Schlüsse zu, welche Gesundheitsausgaben überhaupt von der Bevölkerung geleistet werden können. Für die Neuansiedlung eines Arztbetriebes ist auch eine Analyse der Mitbewerber beziehungsweise der ergänzenden Dienstleistungen unabdingbar. „So lässt sich die Kennzahl ‚ärztliche Versorgung einer Fachrichtung pro 1.000 Einwohner’ sehr gut mit dem geplanten Angebot eben dieser Fachrichtung vergleichen“, betont Bartosek.

Langfristiges Wachstum vorhersehbar

Bartosek hat für den Wiener Bezirk Simmering eine umfassende Standortanalyse durchgeführt. Dieser Bezirk weist eine überaus dynamische Bevölkerungs- und Arbeitsplatzentwicklung auf, allerdings mit geringer Ärztedichte und ohne Krankenhaus. „Laut Bevölkerungsprognose wird sich Simmering in den kommenden zehn Jahren um etwa sieben Prozent Wohnbevölkerung vergrößern, die umfangreiche Bautätigkeit mit mehr als 2.000 geplanten Wohnungen lässt auch auf langfristiges Wachstum schließen“, so Bartosek.
In Simmering kommt derzeit ein Allgemeinmediziner auf 1.800 Einwohner, der Wiener Durchschnitt liegt bei 1.100 Personen und damit deutlich darunter. Noch krasser ist der Vergleich im Bereich Fachärzte: Wien ist gesamt gesehen mit einem Facharzt auf 500 Einwohner rund drei Mal so gut versorgt wie Simmering (1.500 Einwohner pro Facharzt). So sind laut Analyse zahlreiche Fachrichtungen gar nicht vorhanden. Insgesamt ist der Bezirk unterdurchschnittlich mit Gesundheitsdienstleistungen versorgt, woraus ein beträchtlicher Bedarf abgeleitet werden kann. Bartosek will dieser Entwicklung durch die „Initiative Doktorhaus“ begegnen. In diesem ärztlichen Kompetenzzentrum soll umfassende medizinische Versorgung in Kombination mit bester Infrastruktur und einladender Atmosphäre geboten werden. Das Doktorhaus in Simmering ist jedenfalls in Bezug auf die sachlichen Kriterien ein hervorragender Standort. Aufgrund des großen und dynamischen Einzugsgebiets, der optimalen Lage sowie der baulichen Infrastruktur besitzt der 11. Wiener Gemeindebezirk eine ausgezeichnete Eignung für neue Ärztenieder-lassungen.

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