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Praxis 25. November 2005

Vorauszahlen kann sich auszahlen

Einnahmen-/Ausgabenrechner haben grundsätzlich die Möglichkeit, durch Verschieben der Zahlungsflüsse speziell zum Jahresende die Gewinnsituation des Unternehmens zu beeinflussen. So kann es in dem einen oder anderen Fall Sinn machen, Mietzahlungen für die Ordination oder bei Operating Leasing für das Auto bereits im Dezember für das nächste Jahr vorauszuzahlen.

Laut Mag. Hans-Georg Goertz, Steuerberatungskanzlei Dr. Scholler und Partner in Wien, liegt die Grenze dieser Gestaltungsmöglichkeit bei maximal einem Jahreswert je Ausgabenkomponente: „Wird bei solchen Zahlungen das laufende und nächste Jahr überschritten, muss steuerlich erst wieder eine Aufteilung getroffen wenden.“ Der Haken dabei ist der Einmaleffekt: Jene Ausgaben, die heuer noch den Gewinn „künstlich“ nach unten drücken könnten und damit die Steuerzahlungen beeinflussen, fehlen natürlich im Folgejahr. „Es muss einem daher bewusst sein, dass ein steuerlicher Effekt nur einmal, nämlich im ersten Jahr des Vorziehens, besteht“, erinnert Goertz. „Danach sollte die Vorauszahlung am Ende jedes Jahres durchgeführt werden, was aber keinen zusätzlichen Steuereffekt mehr ergibt.“ Eine weitere Komponente ist die ursprüngliche Fristigkeit der Zahlungen. Wird eine Ausgabe vom Jänner in den Dezember verschoben, fällt nur ein marginaler Unterschied bei der Vorfinanzierung des Betrages an. Wird jedoch eine regelmäßige Zahlung des ganzen Folgejahres im Dezember vorausgezahlt, so muss natürlich der Betrag im Schnitt ein halbes Jahr fremdfinanziert werden. Lassen wir Zahlen sprechen: Eine Jahresmiete wird im Dezember in Höhe von 10.000 Euro einmalig vorausgezahlt. Durch Vorfinanzierung mit sechs Prozent entsteht abzüglich Steuer eine Mehrbelastung von 150 Euro nach Steuer pro Monat. Würde die Steuerzahlung über das gleiche Konto finanziert, entstünde ein rechnerischer Zugewinn aus Zinsen (bzw. gesparten Sollzinsen) von ebenfalls 150 Euro. Also kein Vorteil.

Sollzinsen am Konto berechnen

Ist die Ordination so gut situiert, dass die Zahlungen keine Sollzinsen beim Girokonto verursachen, geht die Rechnung zugunsten der Vorauszahlung aus. Jedoch reißt das Potenzial von etwa 50 Euro für diese Maßnahme keinen vom Hocker. Doch was passiert, wenn wir die wesentlichen Komponenten verändern? Beispielsweise der Hausapotheker, der den ersten Quartalseinkauf von 50.000 Euro im Dezember vorauszahlt und die gesparte Einkommensteuer auf ein Extrasparbuch mit 2,5 Prozent Zinsen überweist. Was passiert, wenn diese Vorauszahlung in gleicher Höhe 20 Jahre lang wiederholt wird?

290 Euro Vorteil pro Jahr

Die Berechnung wird jedenfalls umfangreicher: Die Ausgabe von 50.000 Euro wird im Schnitt nur mit sechs Prozent für eineinhalb Monate gegenüber einer regulären Zahlung fremdfinanziert. Das ergibt eine Zinsbelastung von 180 Euro netto pro Jahr. Das Steuerguthaben von 25.000 verzinst sich bei 2,5 Prozent abzüglich KESt. mit etwa 470 Euro pro Jahr. Das ergibt dann 290 Euro Vorteil pro Jahr. Der Betrag entspricht einem Zinssatz der gesparten Steuer von 1,1 Prozent pro Jahr. Wird dies nun 20 Jahre lang betrieben, kommt rechnerisch ein Wert von 31.300 Euro als Endbetrag am Sparbuch heraus, was nach Abzug der dann fälligen Steuer noch 6.300 Euro netto ausmacht. Für diesen Vorteil kann man schon eine jährliche Vorauszahlung in die Wege leiten. Natürlich kann man Vorauszahlungen auch aus strategischen Überlegungen betreiben. „Etwa um den Betriebsgewinn, beispielsweise bei Schwangerschaften oder anderen Ereignissen, die das Betriebsergebnis betreffen, zu Gunsten des Steuerpflichtigen nivellieren zu können“, so Goertz.

Auch bei Honoraren möglich

Diese Art der Steuergestaltung kann auch bei den Honorareingängen genutzt werden. Wer im alten Jahr zu viel Gewinn machen würde, könnte auch die Privathonorare von November und Dezember erst im Jänner stellen. Jedoch gilt auch hier das bereits Erwähnte über Vorfinanzierung und Nachhaltigkeit. Kritisch wird es, wenn die Ordination vom Partner vermietet wird. Erfolgt die Überweisung beispielsweise Anfang Dezember, muss natürlich auf der umgekehrten Seite der Eingang auch im alten Jahr versteuert werden. Wird am 30. Dezember überwiesen, könnte der Geldeingang am 2. Jänner des Folgejahres sein. „Theoretisch müsste in diesem Fall die Zahlung in beiden Fällen dem neuen Jahr zugeordnet werden“, erklärt Goertz. „Doch das kann zu Problemen bei Betriebsprüfungen führen.“

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