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Praxis 25. November 2005

Auch Angestellte können Steuer sparen

Die Hilflosigkeit vieler Ärzte im Umgang mit dem Lohnsteuerjahresausgleich ist groß. Sie äußert sich weniger in Fehlern beim Ausfüllen der Formulare, sondern vielmehr in völliger Abstinenz.

Von 5,4 Millionen lohnsteuerpflichtigen Österreichern nimmt nicht einmal die Hälfte die Möglichkeit in Anspruch, vom Finanzamt Geld zurückzufordern. Lediglich bei 200.000 Steuerzahlern wird schon in der Lohnverrechnung ein Freibetrag berücksichtigt. Nur 3,7 Prozent der Österreicher legen also offenbar Wert darauf, während des Jahres weniger Steuern zu zahlen, als notwendig wäre.

Man kann eigentlich nichts falsch machen

Manche Ärzte müssen jedoch eine Arbeitnehmerveranlagung machen. Das sind laut Dr. Michael Klinger, Steuerberater in Salzburg, diejenigen, bei denen sich das Finanzamt auch Nachforderungen erhofft. Man nennt das Pflichtveranlagung, die beispielsweise im Fall von mehreren gleichzeitigen Bezügen und Zusatzverdiensten eingefordert wird. Jeder andere darf aber eine Arbeitnehmerveranlagung machen. Dies sind in der Regel diejenigen, bei denen sich das Finanzamt keine Nachforderung erhofft, sondern eher mit einer Steuergutschrift rechnet. Laut Klinger kann bei Abgabe einer freiwilligen Arbeitnehmerveranlagung nicht viel passieren, denn falls rein rechnerisch eine Steuernachzahlung herauskäme, könnte man seinen Antrag auf Veranlagung noch immer zurückziehen. „Man kann also gar nichts falsch machen“, beruhigt Klinger.

Phänomen Negativsteuer

In Österreich gibt es das Phänomen der Negativsteuer. Das heißt, man kann auch Steuer zurückbekommen, ohne welche gezahlt zu haben. Diese Chance sollte nicht ausgelassen werden. Die Frist für den Antrag auf Veranlagung beträgt fünf Jahre. Das bedeutet, dass man immer noch die Jahre 2000 bis 2004 rückwirkend beantragen kann.„Wer unregelmäßige Bezüge hatte oder beispielsweise den Alleinverdienerabsetzbetrag bei der Lohnverrechnung nicht berücksichtigen ließ, ist Kandidat für die am einfachsten zu erlangende Steuergutschrift“, erklärt Klinger. Einige für Ärzte spezifische Absetzpositionen sollten nicht vergessen werden. Steuerlich abgesetzt werden kann Fachliteratur, die im Zusammenhang mit der Berufsausübung steht. Wer den Arbeitgeber wechseln musste, kann sämtliche Kosten der Arbeitssuche, beispielsweise Reise- und Telefonkosten, Porti oder Büromaterial, absetzen. Aus- und Wei-terbildung der Steuerzahler stellen in der Regel auch Werbungskosten dar – und hier kommt oft einiges zusammen.

Doppelte Haushaltsführung

Bei doppelter Haushaltsführung und Familienheimfahrten steht eigentlich immer eine satte Gutschrift ins Haus, limitiert jedoch mit maximal 2.100 Euro pro Jahr. Ausgaben für eine aus beruflichen Gründen angemietete Wohnung oder ein Hotelzimmer können Werbungskosten sein. „Dies jedoch nur, wenn der Beschäftigungsort des Steuerpflichtigen vom Familienwohnsitz mindestens 120 Kilometer weit entfernt und eine Verlegung des Familienwohnsitzes dorthin nicht zumutbar ist“, so Klinger. Einige weitere Stichworte und gedankliche Anregungen, die bares Geld bedeuten können: Arbeitskleidung, Arbeitsmittel und Werkzeuge, Arbeitszimmer, Betriebsratsumlagen, Computer und Zubehör, Fachliteratur, Fahrtkosten, Internet, Kraftfahrzeug, Kirchenbeiträge, Reisekosten, Sprachkurse, Studienreisen, Telefon und Handy, Steuerberatungskosten, Spenden, Umschulungsmaßnahmen, Versicherungen und Zahnbehandlungen.

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