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Praxis 17. August 2005

Betriebsausgaben mit strenger Auflage

Das Höchstgericht lehnte den Antrag eines Radiologen wegen der räumlichen Gegebenheiten ab.

Ein Facharzt für Radiologie machte im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung Aufwendungen für betrieblich verwendete Räumlichkeiten in seinem Einfamilienhaus als Betriebsausgaben bei den Einkünften aus selbständiger Arbeit geltend. Die beiden als „Arbeitsbereich“ bezeichneten Räumlichkeiten seien über einen „zentralen Hauseingangsbereich erreichbar und vom übrigen Wohnbereich streng getrennt“. „Büro 1“ diene administrativen Tätigkeiten, „Büro 2“ werde für die Aufbewahrung und Verwaltung, Begutachtung und Studium von Röntgenaufnahmen, Bildern und anderen medizinischen Darstellungen verwendet.

Für die Archivierung umfangreicher Bildmaterialien, Literatur, Organisation der Vortragsunterlagen, Wartung und Aufbewahrung optischer Darstellungsgeräte und anderer Arbeitsbehelfe sei unbedingt notwendig, über Betriebsräumlichkeiten zu verfügen. Weiters werde hier die „Honorarverarbeitung“ vorgenommen. Es handle sich also nicht um ein Arbeitszimmer, sondern um Betriebsräumlichkeiten für selbständige Tätigkeiten. Für den Verwaltungsgerichtshof sind Aufwendungen oder Ausgaben für ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer und dessen Einrichtung sowie für Einrichtungsgegenstände der Wohnung nicht abzugsfähig, außer das im Wohnungsverband gelegene Arbeitszimmer bildet den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen. Ein Arbeitszimmer liegt dann im Wohnungsverband, wenn es einen Teil der Wohnung oder eines Einfamilienhauses darstellt und über einen gemeinsamen Eingang mit den Wohnräumlichkeiten verfügt.

Unabdingbare Voraussetzung

Die betrieblichen Zwecken dienenden Räume müssen über einen vom Eingang des Einfamilienhauses getrennten Zugang verfügen. Die ausschließliche oder nahezu ausschließliche betriebliche bzw. berufliche Verwendung eines Raumes ist Voraussetzung, um überhaupt von einem Arbeitszimmer im steuerlichen Sinn sprechen zu können. Der Mittelpunkt einer Tätigkeit ist nach ihrem materiellen Schwerpunkt zu beurteilen; im Zweifel danach, ob das Arbeitszimmer in zeitlicher Hinsicht für mehr als die Hälfte der Tätigkeit im Rahmen der konkreten Einkunftsquelle benützt wird. Der Mittelpunkt einer vortragenden Tätigkeit ist nicht im häuslichen Arbeitszimmer gelegen. Tätigkeitsmittelpunkt ist jener Ort, an dem die ärztliche Untersuchung und Betreuung von Patienten erfolgt. Die getätigten Aufwendungen des Facharztes wurden vom Höchstgericht daher nicht als Betriebsausgaben anerkannt.

Mag. E. Kotschy, Ärzte Woche 27/2004

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