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Praxis 17. August 2005

Wenn Mitarbeiter eine Fahrtvergütung wollen

Ein häufiges Thema bei Gehaltsverhandlungen ist die Frage, ob der Arbeitnehmer die Kosten der Fahrtstrecke zwischen Wohnung und Arbeitsstätte abgegolten bekommt. Es gibt durchaus einige Argumente, die für diese Vereinbarung sprechen.

„Für den Dienstgeber stellt sich in erster Linie die Frage nach der arbeits-, sozialversicherungs- und steuerrechtlichen Behandlung der Fahrtvergütungen“, so Horst Jünger, auf Ärzte spezialisierter Steuerberater aus Innsbruck. Ein Dienstgeber ist natürlich keineswegs verpflichtet, diese Fahrtstrecke abzugelten. Eine Fahrtvergütung ist in erster Linie eine freiwillige Zahlung des Dienstgebers.„Der Dienstnehmer hat sich grundsätzlich um die Beförderungsmöglichkeiten zur Arbeitsstelle selbst zu kümmern“, so Jünger. Dabei ist unerheblich, welches Beförderungsmittel er wählt – ob er mit dem privaten Kraftfahrzeug, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, im Rahmen von Fahrgemeinschaften oder gar zu Fuß bzw. mit dem Rad die Strecke bewältigt.

Der Wunsch nach Fahrtvergütung ist legitim

Der Dienstnehmer hat nur dafür Sorge zu tragen, dass er rechtzeitig und arbeitsbereit zum Dienstbeginn an seinem Arbeitsort sein kann. Wenn ein Dienstnehmer allerdings von einem anderen Betrieb abgeworben wurde, könnte er sehr wohl und berechtigterweise bei den Gehaltsverhandlungen auch den Wunsch nach Fahrtvergütungen einbringen. Was passiert nun, wenn eine Fahrtvergütung vereinbart wird? „Zuerst einmal ist unbedingt zu erwähnen, dass jede Art der Vergütung für die Strecke Wohnung zur Arbeitsstätte und retour über die Lohnverrechnung abgewickelt werden muss“, so Jünger. Grund dafür ist, dass diese Fahrtvergütungen auf alle Fälle der Lohnsteuer unterliegen. Die Lohnsteuerpflicht ist damit begründet, dass jeder Dienstnehmer wegen des so genannten Verkehrsabsetzbetrages sowieso schon weniger an Lohnsteuer bezahlt.

Zulässige Höhe der Vergütung

In der Sozialversicherung sind diese Fahrtvergütungen befreit, aber nur dann, wenn die Vergütung den Wert des billigsten Massenverkehrsmittels nicht übersteigt. So ein Massenverkehrsmittel ist immer ein öffentliches Verkehrsunternehmen. Und der billigste Tarif davon ist nur die Vergütung des Wertes der Jahreskarte dieses Verkehrsunternehmens. Dies deshalb, da eine Jahreskarte in der Regel nur den Kosten von 10 Monatskarten entspricht.

Die vereinbarte Summe in Teilbeträgen zahlen

Bei der Erstattung ist es nicht erforderlich, dass der Dienstgeber die Jahreskarte auf einmal bezahlt, sondern er kann den Wert dieser Jahreskarte auf zwölf Monate verteilt über die Lohnverrechnung verrechnen. „Wobei angemerkt werden soll“, so Jünger, „dass dem Dienstnehmer nicht der Nettowert der Jahreskarte versprochen werden soll, da der Dienstgeber ansonsten auch noch die anfallende Lohnsteuer bezahlen muss.“ Der Dienstnehmer kann trotz dieser Vergütung die Wegstrecke bewältigen, wie er will. Wenn ihm nicht mehr gezahlt wird, ist das alles kein Problem. Die Vorlage einer Fahrkarte ist übrigens nicht notwendig. Die Vergütung von Kilometergeld ist in so einem Falle nicht zulässig, da dies nur für beruflich veranlasste Dienstreisen zusteht. Wenn die richtige Vorgangsweise eingehalten wird, dann ergibt sich für den Dienstgeber der Vorteil, dass er sich für die vergüteten Beträge die Sozialversicherungsbeiträge (Dienstgeberanteil) spart. Unter Umständen lässt sich bei künftigen Gehaltsverhandlungen aufgrund der Aufsplittung von Gehalt und Fahrtvergütung ein bisschen was an Abgaben einsparen. Dies kann bis zu 500 Euro pro Dienstnehmer und Jahr betragen.

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