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Praxis 17. August 2005

Abschreibung als Finanz-Gestaltungsmöglichkeit

Abschreibungen sind in aller Munde. Unter Ärzten gilt es geradezu als schick, sich am Stammtisch über neue Möglichkeiten auszulassen, die natürlich der eigene Steuerberater wieder einmal als Schlupfloch entdeckt hat.

Um was handelt es sich aber genau bei diesem künstlichen steuerlichen Gebilde? Beginnen wir einmal bei den grundlegenden Merkmalen. In Ordinationen wird viel investiert, dieses Geld kommt meistens als Kredit von einer Bank. So gesehen gibt der Investor das Geld zwar aus, aber es berührt ihn nicht wirklich, da er die Investition auf seinen laufenden Konten nicht spürt.

Abschreibung zum Anschaffungspreis

Was sich der Investor jedoch erhofft, ist eine steuerliche Wirkung. Diese tritt dadurch ein, dass das Betriebsergebnis durch das künstliche Gebilde Abschreibung vermeintlich abgesenkt wird. Durch ein geringeres Betriebsergebnis sinkt die Steuer, also ist es ein logischer Schluss, dass man versucht, die Abschreibung möglichst hoch anzusetzen. Doch eine Erkenntnis zieht sich wie ein roter Faden durch die Steuergesetzgebung: Jedes Wirtschaftsgut wird exakt zum Anschaffungswert abgeschrieben. Nämlich spätestens, wenn es vom Investor aus dem Betrieb ausgeschieden wird. In der Zeit zwischen Anschaffung und Ausscheiden wird der Anschaffungswert nach einem halbwegs fixen steuerlichen Regelwerk gleichmäßig aufgeteilt (abgeschrieben).

Eventuellen Verkaufserlös steuerlich gegenrechnen

Ein Beispiel: Wird ein Gerät um 50.000 Euro gekauft, dann ist eine Nutzungsdauer von fünf Jahren anzusetzen. Ab dem Anschaffungsjahr wird also der Betrag von 10.000 Euro pro Jahr gewinnmindernd angesetzt. Wenn alles normal verläuft, sind nach fünf Jahren 50.000 Euro zum Ansatz gekommen, das Wirtschaftsgut ist also abgeschrieben und bringt rein steuerlich nichts mehr, auch wenn es noch weitere Jahre verwendet wird. Wird das Wirtschaftsgut jedoch beispielsweise im dritten Jahr verkauft, sind bereits 20.000 Euro in den Vorjahren abgeschrieben worden. 30.000 Euro sind im dritten Jahr als so genannter Restbuchwert offen. In diesem Fall werden sie auf einen Schlag abgeschrieben, wobei anzumerken ist, dass ein eventueller Verkaufserlös steuerlich gegenzurechnen ist.

Gestaltungsspielraum Nutzungsdauer

Worin liegt also die Gestaltungsmöglichkeit, wenn alle Wirtschaftsgüter in jedem Fall zur Gänze abgeschrieben werden? Viele Berater versuchen ihr Heil über den Gestaltungsspielraum bei der Nutzungsdauer. Es klingt attraktiv, beispielsweise Einrichtungsgegenstände anstatt über zehn Jahre nur über fünf Jahre abschreiben zu müssen. In der Tat ist bei solchen Gedanken der Gewinn an kalkulatorischen Zinsen vorhanden, allerdings wesentlich geringer, als man schätzt. Und außerdem bergen verkürzte Abschreibungen auch erhöhte Gefahren. Nämlich, dass man durch eine Finanzierungsdauer ziemlich ins Straucheln kommt, die ohnehin schon wesentlich länger als die normale Abschreibedauer ist. Dies geschieht durch eine Verstrickung mehrere Effekte. Das Wirtschaftsgut wird fremdfinanziert, und durch eine steuerlich clevere Konstellation möglicherweise mit einem endfälligen Kredit sind die Raten sehr gering. Die Abschreibungen sind zunächst wesentlich höher, man spart sich eigentlich überdimensional viel Steuer für ein Wirtschaftgut, welches man wesentlich länger nutzt und noch wesentlich länger zurückzahlt. Neuinvestition wird leider immer noch von zahlreichen Steuerberatern als Mittel gegen wirtschaftliche Probleme pauschal empfohlen. Doch der Schuss kann nach hinten losgehen. Nämlich, wenn das Wirtschaftsgut steuerlich schon abgeschrieben ist, aber noch immer mit Kreditraten bedient werden muss.

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