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Praxis 17. August 2005

Ein Dienstauto für die Assistentin?

Selbstverständlich kann ein Arzt einer Mitarbeiterin der Ordination einen„Firmenwagen“ zur Verfügung stellen. Er kann zwar die gesamten Kosten dafür als Betriebsausgaben geltend machen und so ein paar Hundert Euro Steuern jährlich sparen. Was die Finanz letztlich anerkennt, hängt jedoch von zahlreichen Details ab.

Die Steuergesetzgebung sieht die Möglichkeit vor, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern so genannte Sachbezüge zur Verfügung stellen, also einen Teil des Gehaltes in Form von „Naturalien“ bezahlen. Selbstverständlich sind diese Zuwendungen genau wie Geld steuer- und sozialversicherungspflichtig. So drängt sich ein Dienstauto zur privaten Mitnutzung für die Assistentin geradezu auf, weil in diesem Bereich Steuervorteile vermutet werden. Speziell natürlich dann, wenn es sich beim Dienstnehmer um den Lebenspartner handelt. Unsere Experten sind sich allerdings diesmal nicht ganz über Sinn und Unsinn dieser Maßnahme einig, verweisen aber auf die möglichen Chancen und vor allem Fallen dieses Modells.

Fritz Bauer
Unternehmensberater, Trofaiach
Tel. 03847/5900-0
office@bauer-consulting.at

Die meisten Ärzte können lediglich ein betriebliches KFZ in ihrem Unternehmen argumentieren, fahren aber zwei Autos im Familienverbund. Meistens ist das größere Auto betrieblich geführt, natürlich mit einem entsprechenden Privatanteil, da die Finanz mit Recht reklamiert, dass auch für familiäre Zwecke eine Nutzung vorliegt. Das eher kleinere Auto befindet sich steuerlich zumeist im Privatbereich. Nun kann man die Situation gedanklich umdrehen: Man könnte das kleinere Auto im Betrieb führen, mit einem etwas geringeren Privatanteil. Das größere KFZ könnte dem angestellten Partner als Sachbezug mit den gesetzlich geregelten Steuer- und Sozialversicherungsbestimmungen zur Verfügung stehen. Wer das durchrechnet, kommt in der Optimalkonstellation auf ein Einsparpotenzial von 3.000 Euro netto pro Jahr. Dieses Potenzial sinkt mit dem Alter des Autos, da für den Sachbezug immer der Neupreis herangezogen wird.
Auch die Entlohnung des Partners ist ein Faktor: Je höher das „normale“ Gehalt, desto größer die absoluten Abzüge durch den Sachbezug. Beim Fremdvergleich sollte jedoch aufgepasst werden: Einerseits, dass die Summe der Bezüge des Partners durch diesen Sachbezug nicht abseits des Fremdvergleiches gerät und andererseits, dass diese Modellierung nicht deshalb von der Finanz abgeschossen wird, weil es im Rahmen der Ordination nur dem Partner ermöglicht wird. Was spricht aber dagegen, solche Modelle von Haus aus als Gehaltsbestandteil für Mitarbeiter zu etablieren? Auch hier lässt sich ein Vorteil in ähnlicher Größe berechnen, den man natürlich auch zum Teil dem Dienstnehmer zugute kommen lassen kann. Wenn der Dienstnehmer das nicht haben will, ist das in Ordnung. Mit entsprechender Dokumentation kann man so auch dem Fremdvergleich gelassen ins Auge sehen.

 

Horst Jünger
Steuerberater, Innsbruck
Tel. 0512/59859-0; info@juenger.at

Ein Dienstwagen für Angestellte erscheint auf den ersten Blick als Steuerclou par excellence, mit dem sich Tausende Euros an Steuer sparen lassen. Wir haben uns schon vor Jahren die Sache genau angesehen, durchgerechnet und festgestellt, dass bei einem durchschnittlichen Auto realistischerweise tatsächlich rund 500 Euro nach Steuern pro Jahr zu holen wären. „Wären“ sagen wir deshalb, weil die Sache unserer Meinung nach einfach zu viele Haken hat. Das beginnt schon in dem Fall, wo die Ehegattin oder Lebensgefährtin die einzige Dienstnehmerin mit Dienstauto ist. Es wird schwer bis unmöglich sein, einen Prüfer davon zu überzeugen, dass diese Vereinbarung einem Fremdvergleich standhält. Wegen eines möglichen Steuervorteiles von jährlich 500 Euro ein Risiko von mehreren Tausenden Euro (bei Aberkennung der Autokosten) einzugehen, lohnt sich unseres Erachtens nicht. Abgesehen davon, dass wir ohnehin in allen Fällen, wo dies argumentierbar ist, das Auto als Zweitauto und die angemessene Entlohnung der Ehegattin im Aufwand haben und damit im Sinne und zum Vorteil unserer Klienten gut gefahren sind.
Bleibt also ein Dienstauto für fremde Dienstnehmer. Hand aufs Herz: Haben Sie ein gutes Gefühl dabei, Ihrer Dienstnehmerin zu erklären oder anzubieten, dass Sie anstelle eines Teiles des Gehaltes künftig ein „Dienstauto“ zur Verfügung stellen wollen? Wird das Wunschfahrzeug den beiderseitigen Vorstellungen gleichermaßen entsprechen? Was geschieht mit dem Wagen, wenn das Dienstverhältnis endet? Will dann die Nachfolgerin überhaupt ein Auto? Müssen Sie es nun verkaufen bzw. das Leasing (vorübergehend?) abbrechen? Wie erklären Sie dem Prüfer die betriebsbedingte Nutzung? Vielleicht damit, dass die Assistentin mit diesem Auto auch viele betriebliche Fahrten machen muss? Einen besseren Gefallen können Sie dem Prüfer nicht tun, denn dann kann er womöglich Ihr Auto aus dem Betriebsvermögen hinausschmeißen. Wir können uns jedenfalls kaum einen Fall vorstellen, wo ein Dienstnehmerauto empfehlenswert ist. Im Zweifel sollte die individuelle Situation geprüft werden.

 

Mag. Hans-Georg Goertz
Steuerberatungskanzlei
Dr. Scholler & Partner, Wien
Tel. 01/599 22;
goertz@scholler.at

Selbstverständlich kann auch ein Arzt seinen Mitarbeitern in der Ordination einen „Firmenwagen“ zur Verfügung stellen. Auf der einen Seite kann der Arzt die gesamten Kosten des Wagens als Betriebsausgaben geltend machen. Auf der anderen Seite muss der Dienstnehmer allfällige Privatfahrten mit diesem Wagen als Sachbezug der Steuer und der Sozialversicherung unterwerfen. Zu den privaten Fahrten zählen in diesem Fall auch die Fahrten von der Wohnung in die Ordination. Wie hoch der Sachbezug letztlich ist, hängt von den privat gefahrenen Kilometern ab. Über 500 Kilometer sind monatlich 1,5 Prozent der Bruttoanschaffungskosten des Wagens, aber maximal 510 Euro als Sachbezug anzusetzen. Zu den Anschaffungskosten sind dabei auch Sonderausstattungen zu zählen. Bei privaten Fahrten unter 500 Kilometer – wobei dies per Fahrtenbuch zu belegen ist – sind monatlich nur 0,75 Prozent oder maximal 255 Euro als Sachbezug anzusetzen.
Dieser Sachbezugswert kann auch nicht wesentlich durch einen Gebrauchtwagen oder durch Leasing reduziert werden, da auf den ursprünglichen Anschaffungswert beziehungsweise jenen Wert, der für die Berechnung der Rate verwendet wurde, abzustellen ist. Gerade bei einem Ehepartner, der als Ordinationshilfe in der Praxis mitarbeitet, kann ein gewisses Einkommenssplitting durch Nutzung eines Firmenwagens möglich sein. Grundsätzlich kann aber auch für familienfremde Dienstnehmer ein Dienstwagen anstelle einer Gehaltserhöhung, unter anderem aus Motivationsgründen, durchaus Sinn machen. Dabei sollte auf die finanzielle Belastung, die auch die Finanzierung des Wagens beinhaltet, geachtet werden. Entscheidungsgrundlagen pro oder contra Firmenwagen sind die Kosten des Fahrzeuges, die privat gefahrenen Kilometer sowie die Steuerprogression des Arztes und der Ordinationshilfe.

 

Mag. Manfred Kenda
Die Steuerberater, Klagenfurt
Tel. 0463/511266-0

Mitarbeiterinnen übernehmen Aufgaben in der Ordination, die sie mit dem Auto erledigen müssen. Seien es diverse Ordinationseinkäufe, zur Post zu fahren oder sogar den Arzt zu Visiten zu „chauffieren“. Dies geschieht oft mit dem eigenen KFZ. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, die KFZ-Kosten abzugelten. Die erste ist, Kilometergeld zu zahlen. Die weit interessantere Variante ist aber jene, der Assistentin oder Arztgattin ein Dienstfahrzeug zur Verfügung zu stellen. Dazu ist es nicht notwendig, dass tatsächlich in größerem Ausmaß Fahrten für die Ordination geleistet werden. Der Arzt kauft das KFZ, die Dienstnehmerin fährt damit. Alle KFZ-Kosten sind als Betriebsausgaben absetzbar. Für den Nutzer des PKW ergibt sich ein so genannter Sachbezug in Höhe von 1,5 bzw. 0,75 Prozent des KFZ-Neuwertes, je nachdem, wie viel privat gefahren wird. Dieser Sachbezug unterliegt der Lohnsteuer- und Sozialversicherungspflicht.
Selbstverständlich muss diese Variante im Falle einer Betriebsprüfung dem Fremdvergleich standhalten. Vor allem bei Ehepartnern wird seitens der Finanz geprüft, ob auch ein fremder Dritter in den Genuss dieses Benefits kommen würde. Weiters ist darauf zu achten, dass bei der Bezahlung die kollektivvertraglichen Verpflichtungen nicht verletzt werden. Alles in allem ist der Dienst-PKW für die Arztgattin bzw. die Assistentin eine Möglichkeit, Verdienste zu würdigen sowie Kosten und Steuer zu sparen. Im Einzelfall ist zu prüfen, inwieweit dies bei einer Betriebs- bzw. Lohnsteuerprüfung dem nicht immer einsichtigen Auge des Gesetzes standhält.

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