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Markus Tritthart Vorstandsmitglied Raiffeisen Wohnbaubank
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Christian Sagasser Vorstand Raiffeisen Wohnbaubank

© Gina Sanders / fotolia.com
 
Praxis 20. November 2015

Vor Jahresende noch Steuervorteile nutzen

Wohnbauanleihen stellen für Unternehmer und Freiberufler gerade jetzt eine interessante Investitionsoption dar, um ihre betrieblichen Erträge steuerlich zu optimieren.

Mit ihrem steuerlich bedingten Renditevorteil sowie zur Nutzung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrags haben Wohnbauanleihen einen festen Platz im Angebot des heimischen Kapitalmarktes. Besonders kurz vor Jahresende, wenn die Geschäftsbilanzen absehbar werden, erleben diese Anlageprodukte bei Unternehmern und Freiberuflern einen Boom. Um der steigenden Nachfrage zu entsprechen, hat die Raiffeisen Wohnbaubank AG eine neue Wohnbauanleihe begeben. Im Interview erläutern die beiden Vorstandsmitglieder Markus Tritthart und Christian Sagasser die Vorteile ihres neuen Anlageproduktes für freiberufliche Ärzte.

Für welche Anleger ist die Zeichnung einer Wohnbauanleihe interessant und warum?

Tritthart: Der Kauf einer Wohnbauanleihe ist für jene Anleger sinnvoll, die bei einem Gewinn von mehr als 30.000 Euro keinen Bedarf haben, begünstigte Wirtschaftsgüter wie zum Beispiel Ordinationsausstattung anzuschaffen, die aber trotzdem ihre steuerliche Belastung optimieren wollen. Den KMU und Freiberuflern steht bei Gewinnen bis zu 30.000 Euro automatisch ein Grundfreibetrag von 13 Prozent des Gewinnes, also maximal 3.900 Euro zu, der automatisch von der Finanzbehörde berücksichtigt wird. Übersteigt der Gewinn 30.000 Euro, kann zusätzlich – im Wertpapierbereich beim Kauf von Wohnbauanleihen – ein investitionsbedingter Gewinnfreibetrag genutzt werden. Je nach Staffelung können somit bis zu weiteren 13 Prozent für den die 30.000 Euro übersteigenden Betrag geltend gemacht werden. Da bekanntlich niemand Feind seines eigenen Geldes ist, ist der Kauf von Wohnbauanleihen daher sicherlich sinnvoll.

Für welche Investitionsprodukte kann der Gewinnfreibetrag geltend gemacht werden?

Tritthart: Bis zum Jahr 2014 war die Voraussetzung für die Geltendmachung des Gewinnfreibetrages, dass im betreffenden Wirtschaftsjahr begünstigte Wirtschaftsgüter bzw. Wertpapiere erworben werden, deren Anschaffungskosten den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag decken. Durch das Abgabenänderungsgesetz 2014 wurde der begünstigte Erwerb von Wertpapieren stark eingeschränkt: Mittlerweile sind nur mehr Investitionen in Wohnbauanleihen für den investitionsbedingten Gewinnfreibetrag möglich.

Was wird mit diesen Wohnbauanleihen finanziert?

Sagasser: Mit Mitteln aus der Emission von Wohnbauanleihen dürfen nur bestimmte, per Gesetz eingeschränkte Projekte in Österreich finanziert werden, um leistbaren Wohnraum zu schaffen. Der Grundzweck des Wohnbaubankensystems, den Bauträgern günstige Finanzierungen anzubieten und damit günstige Mieten zu ermöglichen, wird aus unserer Sicht gerade in unserer derzeitigen wirtschaftlichen Situation immer wichtiger. Zuletzt wurden vermehrt Neubauten finanziert, die durch Passivhauscharakter oder aufgrund der Nutzung alternativer, ressourcenschonender Energieformen zum Umwelt- und Klimaschutz beitragen. Weiters werden von gemeinnützigen Bauvereinigungen verstärkt Finanzierungen für neu errichtete Wohneinheiten im Bereich betreutes Wohnen nachgefragt. Aufgrund der aktuellen politischen Situation entspricht auch die Finanzierung von Heimen – auch Heime für Zuwanderer – einer widmungsgemäßen Mittelverwendung.

Welche Vorteile ergeben sich für Investoren, die in Wohnbauanleihen investieren?

Sagasser: Hier muss man unterscheiden, ob es sich bei den Investoren um Privatpersonen oder Personen mit betrieblichen Einkünften handelt. Für Privatpersonen ist sicherlich aufgrund der KESt-Freiheit für die ersten vier Prozent des Kuponertrages ein Renditevorteil gegenüber den herkömmlichen Anleihen mit gleicher Laufzeit gegeben. Für KMU und Freiberufler ist wiederum die beschriebene Nutzung des Gewinnfreibetrages ein wichtiger Anreiz. In diesem Fall werden die Anleger vor allem versuchen, für die Behaltefrist von vier Jahren die Kursschwankungen im überschaubaren Rahmen zu halten, dafür sind variabel verzinste Anleihen ein adäquates Produkt. Hier ist aus unserer Sicht anzumerken, dass es sich bei Wohnbauanleihen grundsätzlich um ein langfristiges Veranlagungsprodukt handelt. Damit die Steuervorteile im gesamten Umfang lukriert werden können, muss die Anleihe aber zumindest 4 Jahre gehalten werden.

Tritthart: Nach einer Behaltedauer von vier Jahren können die Wohnbauanleihen auch ins Privatvermögen übertragen werden, sodass dann KESt-Befreiung auf bis zu vier Prozent des Kupons zum Tragen kommt und dadurch beide Steuervorteile genutzt werden können. Werden die Wohnbauanleihen vor Ablauf von vier Jahren verkauft, kann eine Nachversteuerung allerdings nur dann unterbleiben, wenn im Jahr des Ausscheidens andere begünstigte Wirtschaftsgüter, welche die Voraussetzungen für den Freibetrag erfüllen, angeschafft werden. Man spricht dann von einer „Ersatzbeschaffung“.

Sie haben ein neues Produkt auf den Markt gebracht. Warum?

Sagasser: Wir haben letztes Jahr festgestellt, dass zu Jahresende die Nachfrage nach Wohnbauanleihen signifikant angestiegen ist. Bereits im Vorjahr haben wir im November eine variable Anleihe auf den Markt gebracht, die von unserer Zielgruppe KMU und Freiberuflern gut angenommen wurde. Da die Nachfrage durch die auf dem Sekundärmarkt erhältlichen Anleihen mit einer Restlaufzeit von vier Jahren bei Weitem nicht abgedeckt werden kann, war es für uns nur eine logische Konsequenz, auch im Jahr 2015 speziell auf KMUs und Freiberufler zugeschnittene variabel verzinste Wandelschuldverschreibungen zu emittieren, die trotz des generell niedrigen Zinsniveaus aus unserer Sicht eine interessante Veranlagungsform darstellen.

Tritthart:Unsere „variabel verzinsten Wandelschuldverschreibungen 2015-2026“ haben eine Laufzeit von 10,5 Jahren. Die Verzinsung variiert zwischen einem garantierten Mindestwert von 0,5 Prozent und einem Maximalzinssatz von 2,50 Prozent pro Jahr. Die Zinsen werden halbjährlich, jeweils am 13. Mai und 13. November ausbezahlt, erstmals am 13. Mai 2016. Die Rückzahlung des Kapitals erfolgt zu 100 Prozent des Nominalwertes am Ende der Laufzeit, sofern vom Anleiheinhaber davor keine Wandlung vorgenommen wurde.

Fakten

Variabel verzinste Wandelschuldverschreibungen 2015–2026, Serie 11, d. Raiffeisen Wohnbaubank AG;

ISIN: AT000B124540;

Laufzeit: 13. November 2015 bis inklusive 12. Mai 2026;

Stückelung: Nominale 100 Euro;

Ausgabekurs: Wird laufend festgesetzt. Aktueller Kurs abrufbar unter anderem unter www.raiffeisen-wohnbaubank.at. Der Erstausgabepreis wurde mit 100,40 % festgesetzt;

Verzinsung: Die Festsetzung des Zinssatzes erfolgt jeweils zwei Bankarbeitstage vor Beginn der jeweiligen Zinsperiode; Mindestzinssatz 0,50 %, Maximalzinssatz 2,50 % p.a., KESt-frei mit Privatvermögenserklärung;

Kuponfälligkeit: ausbezahlt wird halbjährlich am 13. Mai und 13. November, erstmals 2016;

Tilgung: Am Ende der Laufzeit (Mai 2026) erfolgt die Tilgung zu 100 % des Nennwerts;

Vorteil für betriebliche Anleger (Unternehmer, Freiberufler wie zum Beispiel Ärzte): Nutzung des investitionsbedingten Gewinnfreibetrages (Mindesthaltedauer 4 Jahre) gemäß Abgabenänderungsgesetz 2014 (BGBl. NR. 13/2014);

Vorteil für Privatkunden: Der Zinsertrag ist bis zu 4 % p.a. des Nennwerts der Wandelschuldverschreibungen von der Kapitalertragsteuer (KESt) befreit.

Volkmar Weilguni, Ärzte Woche 47/2015

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