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Praxis 25. November 2005

Der Steuerreform gegensteuern

Für Freiberufler bzw. Einnahmen-/Ausgabenrechner unter den Ärzten hat die Steuerreform 2005 keine „Zuckerl“ zu bieten. Mit unternehmerischer Kreativität lässt sich aber einiges machen.

Rund um „Steuern, Steuersparen und Rentabilität“ drehte sich der erste Teil des dreiteiligen Wirtschafts- und Steuerseminars (siehe Kasten), das in den Räumlichkeiten der Steirischen Akademie für Allgemeinmedizin stattfand. Zunächst stellten die Referenten der auf Ärzte spezialisierten Steuerberatungskanzlei „Die Ärzte-berater“ aus Trofaiach einige Eckpunkte der Steuerreform 2005 und ihre Auswirkung auf die niedergelassenen Ärzte vor. Großer Kritikpunkt ist die Tatsache, dass Freiberufler bzw. Einnahmen-/Ausgabenrechner bei dieser Reform weitestgehend außer Acht gelassen werden, was ja auch die Steuerreferate der Ärztekammern schon bemängelt haben.

GmbH ist keine Alternative für Ärzte

Referent Fritz Bauer rechnete vor: Einer der Angriffspunkte ist die Reduzierung der Körperschaftssteuer von 34 auf 25 Prozent. Dies führt zur Senkung des linearen Steuersatzes von 50,5 auf 43,5 Prozent. Rein rechnerisch würde also eine Arztpraxis, die auf GmbH umstellt, ab etwa 135.000 Euro Gewinn weniger Steuern zahlen. Deshalb wird der Ruf nach Ärzte-GmbHs immer lauter. Bauer rechnet aber weiter: Bei einer GmbH müsste eine Bilanz statt einer Einnahmen-/Ausgaben-Rechnung geführt werden, weiters schlagen nicht unerhebliche Errichtungskosten zu Buche. Das Geschäftsführergehalt müsste angemessen sein, was zu horrenden Lohnnebenkosten führt. Was bleibt, ist einzig der positive Effekt des 13. und 14. Monatsgehalts. So beginnt sich eine GmbH erst ab einem Gewinn von ca. 200.000 Euro zu rechnen, bei 250.000 Euro Gewinn liegt der Steuervorteil bei 5.000 Euro. Das sind Dimensionen, in welche die meisten Ärzte ohnehin nicht vordringen.

Steuerliche Hausaufgaben mit Kreativität angehen

Summa summarum wird der „große Wurf“ des Finanzministers keine positiven Effekte für die Ärzte bringen, ganz im Gegenteil. „Durch Anpassung der Höchstbemessungsgrundlage sind alle positiven Effekte weg“, betonte Bauer. „Der Arzt kann nur seine eigene Kreativität nutzen, um wirtschaftlich dabei zu bleiben.“ Dies kann laut Bauer durch Optimierung der Lohnnebenkosten sowie der besseren steuerlichen Integration des Lebenspartners erfolgen, was sich gerade bei Allgemeinmedizinern aufdrängt. Der Unternehmensberater legte dar, unter welchen Umständen sich ein Dienstwagen für die Assistentin rechnet. Bei geschickter Vertragsgestaltung können solche Konstruktionen sehr lu­krativ sein.

Stundengewinn als Messlatte für rentable Privatleistungen

Letzter Tagesordnungspunkt war der Zugang des Allgemeinmediziners zum Markt der Privatleistungen. Zunächst sollte einmal jeder Arzt seine individuellen Stundenkosten, also Umsatz und Gewinn pro Stunde, kennen. Werte von 160 Euro Stundenumsatz sind in einer Kassenordination nichts Ungewöhnliches, wobei mit dieser Annahme 80 Euro Gewinn vor Steuern herauskommen. Das sind natürlich Messlatten für angedachte Privatleistungen. Wer nämlich Kassenleistungen durch Privatleistungen ersetzen will, muss sich ganz exakt diesen Daten anpassen und wird relativ schnell auf den Boden der Realität zurückgeholt. Bauer rechnete Beispiele vor, die funktionieren können, z.B. Leistungen, die unter Aufsicht des Arztes vom Personal durchgeführt werden: „Dabei kann der kalkulatorische Stundengewinn des Arztes zunächst außer Ansatz bleiben, stattdessen kommt bei wesentlich niedrigeren Lohnkosten des Personals trotzdem ein Gewinnzuwachs für die Ordina-tion zusammen.“

Kassenumsatz reduzieren?

Muss jedoch der Arzt selbst „Hand anlegen“, kommt die gnadenlose Kostenstruktur von Ordinationen zum Vorschein. Wer daran denkt, den Kassenumsatz zurückzuschrauben, um verstärkt Privatleistungen anzubieten, muss sich schon etwas ganz Besonderes einfallen lassen, um den Umsatz- und Gewinnrückgang kompensieren zu können.

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