zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Wertvolle Kunstobjekte sind dem Fiskus suspekt

Das Steuerrecht ist zwar selbst ein „künst“liches Produkt, es geht aber mit der holden Kunst keineswegs verwandtschaftlich um. Im Gegenteil.

Kunst, Antiquitäten, Teppiche und Tapisserien beim Arzt will der Fiskus nicht. Jedenfalls lässt er kaum eine steuermindernde Berücksichtigung zu. „Antiquitäten, die älter als 150 Jahre sind oder aus besonderen Stilepochen, wie beispielsweise Jungendstil, stammen, prüft das strenge Auge der Finanz gleich zweimal auf Angemessenheit“, so Dr. Karl Braunschmid, Steuerberater in Linz. Erstens dem Grunde nach, also ob das gegenständliche Stück ausschließlich betrieblich genutzt wird, und zweitens, ob es eine konkrete funktionale Verbindung zum ärztlichen Betrieb hat, wie beispielsweise die Verwendung eines edlen Möbelstücks als Schreibtisch.

Prüfung der Angemessenheit

Das bloße Zur-Schau-Stellen führt laut Braunschmid nicht zur Betriebsvermögenseigenschaft. Wurde die Antiquität nicht bereits bei der ersten Prüfung steuerlich disqualifiziert, unterliegt sie einer dritten Gefahr. „Hier wird die Angemessenheit der Höhe nach unter die Lupe genommen. Wenn sie nämlich um mehr als 25 Prozent teurer ist als ein zweckentsprechendes, qualitativ hochwertiges neues Möbelstück, dann ist der übersteigende Betrag als unangemessen auszuscheiden“, erklärt Braunschmid. Kostet das konkrete Stück maximal 7.300 Euro, darf es Betriebsvermögen sein. Wer jetzt glaubt, bereits einen steuerlichen Sieg gelandet zu haben, der irrt. Der Fiskus geht nämlich davon aus, dass Antiquitäten und andere Kunstgegenstände wie Gemälde, Skulpturen oder wertvolle Gefäße keiner Abnutzung unterliegen und daher auch keine steuermindernde, laufende Abschreibung vorgenommen werden kann. Teppiche und Tapisserien sind zumindest bis 730 Euro pro Quadratmeter „angemessen“ und geknüpfte Wollteppiche können im Regelfall auf 20 Jahre abgeschrieben werden. Es stellt sich laut Braunschmid jedoch ernsthaft die Frage, wozu man ganz edle Stücke überhaupt ins Betriebsvermögen hieven soll. Wegen allfällig damit verbundener Bankzinsen oder Pflegekosten? „In der täglichen Praxis rechtfertigen diese meist nicht die Mühe, vor allem wenn man bedenkt, dass eine große Gefahr mit der Aufnahme ins Betriebsvermögen verbunden sein kann“, meint der Steuerberater. „Wenn nämlich bis zum Ausscheiden aus dem Betriebsvermögen eine Wertsteigerung eintritt, dann ist diese zu guter Letzt auch noch zu versteuern.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben