zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 25. November 2005

Dienstauto für die Assistentin?

Ein Auto für eine angestellte Ordinationshilfe – auch die Arztgattin – über den Betrieb Arztpraxis anzuschaffen, ist prinzipiell möglich. Sämtliche Kosten sind steuerlich geltend zu machen.

Laut Fritz Bauer von der Steuerberatungskanzlei „Die Ärzteberater“ in Trofaiach kann der Pkw für die angestellte Arztgattin über die Ordination gekauft werden: „Wer diese Möglichkeit nutzt, kann sämtliche anfallenden Kosten steuerlich nutzen, das ist bei 50 Prozent Progression ein wesentlicher Vorteil.“ Allerdings hat diese Konstellation auch Nachteile: Der begünstigte Dienstnehmer muss die Zuwendung als Sachbezug der Steuer und Sozialversicherung unterziehen. Zu berechnen bleibt daher, wie sich diese beiden Effekte summieren. Das lässt sich an einem konkreten Beispiel nachvollziehen: Die Gattin verdient vor dem Kauf des Dienstautos bei 35 Wochenstunden rund 1.700 Euro brutto pro Monat. Insgesamt fallen für den Dienstgeber rund 30.000 Euro pro Jahr an, nach Steuer sind das 15.000 Euro. Die Gattin bekommt netto rund 17.200 Euro, also ergibt sich bei dieser Konstellation für die Familie ein Plus von 2.200 Euro.

Kosten pro Kilometer

Laut einer Erhebung des ÖAMTC fallen bei der prognostizierten Kilometerleistung pro Monat in Summe 573 Euro an Kosten an, das sind rund 7.000 Euro pro Jahr. Summa summarum kostet die Anstellung der Gattin und der Betrieb des Fahrzeugs bei dieser Konstellation rund 4.800 Euro.„Um nun einen Vergleichswert errechnen zu können, sollte das Gehalt um den Wert des Sachbezugs gekürzt werden“, so Bauer. Damit ergeben sich rund 20.800 Euro Dienstgeberaufwand bei einem Gehalt von 1.100 Euro netto. Hierzu muss natürlich der Betrag von 7.000 Euro für das zur Verfügung gestellte KFZ gerechnet werden.
„Das ergibt Kosten für den Dienstgeber von 13.900 Euro netto pro Jahr, der Dienstnehmer verdient somit bei einem Sachbezug von 0,75 Prozent der PKW-Anschaffungskosten rund 1.500 netto.“ Das ergibt einen Nettoaufwand von 2.400 für die Anstellung der Gattin samt Auto, und somit einen Vorteil für die Familie von 2.400 Euro. Daran lässt sich deutlich erkennen, dass in dieser Konstellation einiges an Vorteilen drinnen steckt. „Man muss natürlich bestimmte Details beachten“, be­tont Bauer. So ist unter anderem die richtige Auswahl des Sachbezugswertes ein Thema. Wenn nachgewiesen werden kann, dass weniger als 6.000 Kilometer im Jahr privat gefahren werden, kommen 0,75 Prozent der Anschaffungskosten zur Verrechnung, ansonsten 1,5 Prozent. Der Nachweis erfolgt laut Bauer über Fahrtenbuch oder die Tatsache, dass in Summe überhaupt weniger als 6.000 Kilometer gefahren werden, was bei einem typischen Zweitwagen einer Arztfamilie durchaus der Fall sein kann.

Steuervorteil muss„Fremdvergleich“ standhalten

Noch heikler ist jedoch der Fremdvergleich. Einerseits muss man glaubhaft machen können, dass dieses Angebot auch anderen Ordinationsassistentinnen ermög­licht wird. Laut Bauer spricht überhaupt nichts dagegen, solche Mo-delle von Haus aus als Gehaltsbe-standteil für Mitarbeiter zu etablieren. Denn auch hier lässt sich ein Vorteil in ähnlicher Größe berechnen, den man natürlich auch zum Teil dem Dienstnehmer zugute kommen lassen muss. Andererseits muss man aufpassen, dass man durch eine solche Konstellation nicht jenseits der Grenzen einer zu rechtfertigenden Entlohnung gerät, die dann auch keinem Fremdvergleich mehr standhält.

Gutes Einsparpotenzial

Dieser Bereich ist jedenfalls mit gutem Einsparpotenzial ausge­stattet, natürlich hängt viel an der individuellen Situation. Bauer, dessen Kanzlei „Die Ärzteberater“ mit dem MEDTAX Ärztesteuerberater-Dachverband assoziiert ist, weiß von den potenziellen Vorteilen, die durch ideale Implementierung solcher Konstellationen durch spezia-lisierte Steuerberater möglich sind: „Es spricht auch nichts dagegen, die Situation ungekehrt zu berechnen, nämlich das kleinere Auto der Familie als „Arzt-Auto“ zu führen, mit einem etwas geringeren Privatanteil.“ Das größere KFZ könnte dem angestellten Partner als Sachbezug mit allen Konsequenzen zur Verfügung gestellt werden. Diese Konstellation entspricht laut Bauer oft genau der Realität.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben