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Praxis 17. August 2005

Das Arbeitszimmer als Steuerfaktor

Im privaten Wohnungsverband integrierte Arbeitszimmer und Notordinationen sind beliebte Objekte von Betriebsprüfern. Unsere Expertenrunde setzt sich diesmal damit auseinander, wie sich solche Räume steuerlich optimal nutzen lassen.

Die steuerliche Absetzbarkeit von Arbeitszimmern wird äußerst einschränkend gehandhabt, weil die Finanz in solchen Fällen berechtigterweise eine private Mitnutzung wittert. Die Prüfung der Notwendigkeit erfolgt jeweils unter Beurteilung des typischen Berufsbildes. Die Behörde will im Fall der Absetzbarkeit eines Arbeitszimmers auch eine ausschließlich betriebliche Nutzung vorfinden. Ordinationsräumlichkeiten fallen jedoch nicht in das Abzugsverbot. Wie in manchen anderen Bereichen auch, gibt es einige „Tricks“, wie man Arbeitsräume im privaten Wohnungsverband doch steuerlich unterbringt. Unsere Expertenrunde zeigt auf, was bei solchen Konstellationen zu berücksichtigen ist.

Mag. Hans-Georg Goertz
Steuerberatungskanzlei
Dr. Scholler & Partner, Wien
Tel. 01/599-22
goertz@scholler.at

Generell muss zwischen einem klassischen Arbeitszimmer (Büroraum) und Ordinationsräumen unterschieden werden. Sind diese Räume außerhalb des privaten Wohnungsverbandes gelegen, ist eine steuerliche Abzugsfähigkeit bei betrieblicher Veranlassung gegeben. Eine genauere Differenzierung ist vorzunehmen, wenn die Räume im Wohnungsverband, also im selben Haus, am selben Grundstück oder in der selben Wohnung, liegen. Arbeitszimmer, in denen der Arzt Büroarbeiten ausübt, sind vom restriktiven Arbeitszimmererlass betroffen. Hier ist eine Abzugsfähigkeit nur dann möglich, wenn dieser Raum den Mittelpunkt der jeweiligen Einkunftsquelle des Arztes betrifft. Die Finanz stellt hier auf typische Berufsbilder ab. Bei einem Vortragenden ist der Mittelpunkt nicht im Arbeitszimmer und dieses daher nicht abzugsfähig; erstellt ein Arzt jedoch Gutachten, liegt der Mittelpunkt im Arbeitszimmer und die Kosten für das Zimmer sollten, solange keine private Nutzung vorliegt, steuerlich anerkannt werden. Zu den Kosten zählen neben den Raumkosten auch die Einrichtung des Zimmers.

Zweitordinationen im Wohnungsverband, die eine private Nutzung aufgrund ihrer Beschaffenheit oder Ausstattung ausschließen, sind nicht von der Arbeitszimmerproblematik betroffen. Charakteristisch für Ordinationsräume sind medizinische Geräte und Behandlungsliegen, durch die eine deutliche Unterscheidung zum Büro gegeben sein sollte. Neben diesen Räumen, in denen die Patienten behandelt werden, können Warteräume, Sozialzimmer und WC abgesetzt werden, wenn auch hier jegliche private Nutzung ausgeschlossen ist. Außerdem fallen Lagerräume für Medikamente, medizinische Geräte oder andere Materialien nicht unter den Begriff Arbeitszimmer. Je näher das Erscheinungsbild der Notordination in Richtung Büro geht, desto schwieriger wird es sein, die steuerliche Anerkennung durchzubringen.

Horst Jünger
Steuerberater, Innsbruck
Tel. 0512/598-59-0; info@juenger.at

Es ist allgemein bekannt, dass das so genannte häusliche Arbeitszimmer der Finanz ein großer Dorn im Auge war und ist. So wurde mittels gesetzlicher und erlassmäßiger Regelungen Vorsorge getroffen, den Steuerzahlern die Absetzung entsprechender Kosten möglichst zu verwehren, selbst wenn ein solches Arbeitszimmer ausschließlich beruflich genutzt wird. Ein paar Tipps lassen sich dennoch geben: Erstens einmal ist eine Notordination nicht gleich ein Arbeitszimmer. Ordinations- und Therapieräumlichkeiten auch im Sinne einer Notordination, die aufgrund ihrer Ausstattung typischerweise eine private Nutzung ausschließen, fallen nämlich laut Erlass nicht unter das Abzugsverbot, selbst wenn diese im privaten Wohnungsverband gelegen sind. Das Gleiche gilt für Labors und Lagerräume, bei Archiven (Beispiel Buchhaltungsunterlagen) ist die Situation zweifelhaft.

Das Arbeitszimmer eines angestellten Arztes, der daneben im Rahmen einer selbständigen Tätigkeit als Gutachter tätig ist, kann ebenso abzugsfähig sein wie das einer Heimbuchhalterin. Beispiel: Die anderweitig als in der Ordination angestellte Arztgattin erstellt im Rahmen einer Werkvertragstätigkeit in einem Arbeitszimmer die Ordinationsbuchhaltung, und für diese Tätigkeit stellt das Arbeitszimmer den Tätigkeitsmittelpunkt dar. Das Abzugsverbot für „Arbeitszimmer im Wohnungsverband“ bedeutet, dass ein Arbeitszimmer außerhalb des Wohnungsverbandes absetzbar ist. Dabei darf es sich aber nicht um eine weitere Wohnung handeln, die ein dauerndes Wohnbedürfnis befriedigt, sondern um rein betrieblich genutzte Räume. Auch im selben „Miethaus“ wie die Wohnung gelegene, aber von der Wohnung getrennte und beruflich notwendige Räume sind absetzbar. In all diesen Fällen wird allerdings höchstes Augenmerk auf wirklich hundertprozentig berufliche Ausstattung zu legen sein. Manche Anschaffungen sind auch in einem an und für sich nicht absetzbaren Arbeitszimmer steuerlich absetzbar. Dazu zählen typische Arbeitsmittel wie Computer, Drucker, Kopier- und Faxgeräte, Telefonanlagen und spezielle Computermöbel. Nicht absetzbar in einem nicht anerkannten Arbeitszimmer sind hingegen „normale“ Schreibtische, Stühle, Regale oder Schränke.

Harald Kuttner
Steigflug Consulting, Wien
Tel. 01/8769420
harald.kuttner@steigflug.at

Viele Ärzte, die ein Haus bauen, planen mit Vorliebe einen möglichst großen Teil für die Ordination ein. In vielen Fällen haben sie dabei nicht bedacht, wie viel Kapital damit langfristig gebunden wird. Die langfristigen Bedürfnisse an den Wohnraum sind im Nachhinein betrachtet deutlich geringer als der kurzfristige Wohnbedarf in den nächsten Jahren. Weiters sind private Wohnbauten durch niedrige Wiederverkaufspreise bei einer Verkleinerung des Haushalts unflexibel. Wer einen Teil der Nutzfläche der betrieblichen Sphäre zuordnet, kann die Kosten des Hauses inklusive der Kreditzinsen anteilig absetzen. In diesen Fällen empfehlen wir als ersten Verbesserungsvorschlag, die vorhandene Finanzierung in zwei Kredite zu teilen. Hierbei besteht in Zukunft die Möglichkeit, den betrieblichen Teil endfällig zu tilgen oder den privaten vorzeitig zurückzuführen.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass der Partner das gesamte Haus baut, die Ordination aber nur im Rohbau errichtet. Der Arzt kann die Innenausbauten und die Einrichtung auf die Dauer eines befristeten Mietvertrages mit dem Hausherren begünstigt abschreiben.

Mag. Rudolf Siart
Steuerberater, Wien
Tel. 01/4931399

Das Thema Arbeitszimmer ist eine beliebte Spielwiese im Rahmen von Betriebsprüfungen. Die dazu ergangenen Entscheidungen und Erlässe füllen Bände. Grundsätzlich gilt: Ist ein Arbeitszimmer in einem Wohnungsverband gelegen, so sind die dafür anfallenden Kosten steuerlich nur abzugsfähig, wenn es den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Arztes darstellt. Hat man eine Ordination oder eine Notordination eingerichtet, so ist dieses Abzugsverbot darauf nicht anwendbar. Die Arbeitszimmerproblematik trifft insbesondere auf Arbeitszimmer zu Studien- und Verwaltungszwecken zu. Das Arbeitszimmer muss getrennt vom übrigen Wohnungsverband sein und ist aus Sicht Ihrer Tätigkeit zu beurteilen. Der Mittelpunkt der Tätigkeit eines Arztes liegt aus Sicht der Finanzverwaltung üblicherweise in der Ordination. Auch wenn man Kassenabrechnungen oder andere Verwaltungsarbeiten ausführt, begründet dies noch kein Arbeitszimmer. Davon ausgeschlossen sind lediglich jene Räumlichkeiten, die keinesfalls einer privaten Nutzung zugänglich sind.

Auch wenn man daneben Vortragstätigkeiten ausübt und deshalb die Aufwendungen eines Arbeitszimmers absetzen will, ist trotzdem das Abzugsverbot zu beachten. Der Mittelpunkt der Vortragstätigkeit liegt eben nicht zu Hause und ist oft nur schwer argumentier- und dokumentierbar. Abzugsfähig bleiben allerdings Arbeitsmittel; auch wenn sie in einem nicht absetzbaren Arbeitszimmer aufgestellt sind. Dazu zählen Computer, Drucker, Faxgeräte, Telefonanlagen und EDV-Ausstattung. Sind Ordinations- und Therapieräumlichkeiten im privaten Wohnungsverband gelegen und ist eine Privatnutzung ausgeschlossen, so sind die damit zusammenhängenden Aufwendungen (Gebäudeabschreibung, Betriebskosten wie Heizung, Strom und Telefon) abzugsfähig. Dies trifft wohl auch auf Lagerräume und Archive (zur Aufbewahrung von Patientenunterlagen) zu. Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs ist dies auch bei einem Zweitwohnsitz denkbar. Wenn man allerdings neben seiner Wohnung ein Einzelzimmer oder eine kleine Wohnung mietet, dann ist die Trennung per se erfüllt und die Abzugsfähigkeit gegeben.

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