zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 17. August 2005

Steueroptionen bei Praxisschließung

Das Abgabenänderungsgesetz 2004 hat im Bereich der Betriebsaufgabe einige Steuererleichterungen gebracht. Grundsätzlich ist die Beendigung der Praxistätigkeit eine Bilanz zur Ermittlung des so genannten Aufgabegewinnes zu erstellen.

Laut Mag. Dr. Tibor R. Nagy, Steuerberater in Wien, gibt es bei Aufgabe einer Praxis seit jeher eine wesentliche Begünstigung: „Die stillen Reserven des zum Arztbetrieb gehörenden Gebäudeteils bleiben unbesteuert, sofern das übrige Gebäude vom Arzt bis zum Aufgabezeitpunkt zugleich als Hauptwohnsitz verwendet wurde.“ Nagy bringt dazu ein Beispiel aus Wien: Ein 65-jähriger Orthopäde besitzt ein Haus mit zwei Stockwerken. Im Erdgeschoss betreibt er seine Praxis. Der betrieblich genutzte Gebäudeteil hat bei einem Verkehrswert von 200.000 Euro noch einen Buchwert von 150.000 Euro, die Differenz (stille Reserve) beträgt 50.000 Euro. Den oberen Stock bewohnt er als Hauptwohnsitz. Bei einer Betriebsaufgabe sind die stillen Reserven aller Vermögensgegenstände, die zum Arztbetrieb gehören, zu versteuern. Die stillen Reserven des betrieblich benutzten Gebäudeteils bleiben laut Nagy auf Antrag des Arztes unversteuert. Nach der Rechtslage bis Ende 2004 bestand die Gefahr einer Nachversteuerung, die jedoch durch das Abgabenänderungsgesetz 2004 wesentlich eingeschränkt wurde. „Dies bedeutete, dass das Gebäude in diesem fünfjährigen Beobachtungszeitraum aus steuerlichen Gründen de facto nur selbst bewohnt werden durfte, da es ansonsten zur Nachversteuerung kam“, so Nagy. Erst nach Ablauf der Fünfjahresfrist waren die stillen Reserven grundsätzlich entsteuert.
Aufgrund der geänderten Gesetzeslage seit 1. Jänner 2005 führt laut Nagy nur noch der Verkauf innerhalb der Fünfjahresfrist zu einer Nachversteuerung der stillen Reserven. Wird das Gebäude nach Schließung der Arztpraxis einem jungen Arztkollegen zur Eröffnung einer Ordination überlassen, kommt es zu keiner Nachversteuerung. Diese neue begünstigende Bestimmung des Abgabenänderungsgesetzes 2004 ist grundsätzlich für Praxisaufgaben ab 1. Jänner 2005 anzuwenden. Das Finanzministerium hat am 18. März 2005 verlautbart, dass Praxisschließungen vor 2005 ausnahmsweise auch in jenen Fällen steuerbegünstigt sein sollen, wenn die erstmalige begünstigungsschädliche Handlung, z.B. Vermietung der Ordination, im Jahr 2004 erfolgt ist. Voraussetzung ist allerdings ein Antrag auf Wiedereinsetzung gemäß §308 BAO bis spätestens 11. April 2005.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben