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Praxis 17. August 2005

Urlaub auf Kosten der Finanz?

Aufgrund ihrer regen Fortbildungstätigkeit sind Ärzte ganz besonders daran interessiert, allfällige Seminarreisen als Betriebsausgaben geltend machen zu können. Zielsetzung ist die Reduktion der Steuerbemessungsgrundlage.

„Natürlich sind die Interessen der Finanzverwaltung genau gegenläufig“, erklärt Mag. Rudolf Siart, Steuerberater in Wien. „Daher gibt es strikte Regelungen zur Absetzbarkeit von betrieblichen Aus- und Fortbildungsmaßnahmen.“ Nach den allgemeinen Grundsätzen des Steuerrechts können nur jene Kosten als Betriebsausgaben behandelt werden, die im Zusammenhang mit der vom Steuerpflichtigen ausgeübten oder einer damit verwandten beruflichen Tätigkeit stehen.„Da niedergelassene Ärzte zur Ausübung ihres Berufs bereits spezifische berufsrechtliche Voraussetzungen erfüllen mussten, werden Ausbildungsangebote nur dann für eine steuerlich absetz-bare Betriebsausgabe in Frage kommen, wenn sie auf die Erlangung von neuen Kenntnissen für die ärztliche Tätigkeit abzielen“, so Siart. Fortbildungsmaßnahmen dienen einer Verbesserung der Kenntnisse und Fähigkeiten im bisher ausgeübten Beruf. Typischerweise fallen darunter aktu-elle Neuerungen im Fachgebiet.

Berufliche ­Anknüpfungspunkte

Wenn daher der Besuch einer Informationsveranstaltung in Erwägung gezogen wird, sollte laut Siart anhand der angebotenen Themen genau geprüft werden, inwieweit die vermittelten Kenntnisse in einem wesentlichen Umfang im Rahmen der konkret ausgeübten (verwandten) Tätigkeit verwertbar sind. Nur die für den Arzt unmittelbar verwertbaren Kenntnisse (fachliche Fortbildung) sowie grundsätzliche kaufmännische oder bürotechnische Inhalte (EDV-Kenntnisse oder Buchhaltung) führen zu betrieblich absetzbaren Bildungsmaßnahmen. Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen, die von allgemeinem Interesse sind oder die grundsätzlich der privaten Lebensführung dienen, sind nicht abzugsfähig, auch wenn die erworbenen Fähigkeiten beruflich genutzt werden könnten. Daher sollte immer auf berufliche Anknüpfungspunkte geachtet werden, die selbstverständlich zu dokumentieren sind.

Privatanteil beim ­Auto

Treffen diese Voraussetzungen zu, dann können einige Kosten als Betriebsausgaben steuerlich abgesetzt werden. Dies sind die unmittelbaren Kosten der Informationsveranstaltung, wie Teilnahme- gebühren, Kosten für Kursunterlagen, Skripten sowie Fachliteratur. Die Fahrt- bzw. Flugkosten zur Veranstaltung und zurück können ebenfalls abgesetzt werden. Wird ein eigenes Firmenauto zur Anreise verwendet, dann befinden sich die KFZ-Kosten ohnehin im Betriebsaufwand. Siart empfiehlt bei großer betrieblicher Reisetätigkeit einen Blick auf den Privatanteil: „Sehr lange Anfahrtswege zu einem Seminar können die prozentuelle Verteilung zwischen betrieblicher und privater Nutzung zugunsten des Arztes verändern.“ Wird ein privates KFZ verwendet, dann kann für die laut Fahrtenbuch nachgewiesene Fahrtstrecke ein Kilometergeld in Höhe von 0,36 Euro angesetzt werden. Auch bei der Verpflegung vor Ort ist steuerlich etwas zu holen. Die Finanzverwaltung geht davon aus, dass während des Zeitraumes der Seminarreise auch zu Hause eine private Lebenshaltung erfolgen müsste. Daher ist im Rahmen einer Seminarreise nur ein allfälliger Verpflegungsmehraufwand in Höhe von 26,40 Euro pro Tag für Österreich betrieblich absetzbar. Sind die tatsächlichen Verpflegungskosten (Beispiel Restaurantrechnungen) höher, können über den Tagessatz hinausgehende Kosten nicht betrieblich abgesetzt werden. Überdies verringert sich der Tagessatz, wenn ein Tag der Seminarreise weniger als zwölf Stunden dauert. Wenn man sich länger als fünf Tage an demselben Ort aufhält, geht die Finanzverwaltung von einer bereits sehr genauen Ortskenntnis aus. Mit dieser Kenntnis sollte man wissen, wo man günstig einkaufen kann. Dies ist die Begründung, warum ab dem sechsten Tag kein Taggeld mehr zusteht. Bei Reisen ins Ausland stehen höhere Tagessätze zu, die in einem jährlich aktualisierten Katalog aufgelistet werden. In Deutschland beträgt der Tagessatz beispielsweise 35,30 Euro, in der Slowakei 27,90 Euro. Auch für Nächtigungen einschließlich Frühstück sind pauschale Sätze der Finanzverwaltung zu beachten. So beträgt der Satz für Österreich 15 Euro, in Deutschland beispielsweise 27,90 Euro. Wenn die tatsächlichen Kosten für Nächtigungen nachweislich höher sind und durch eine Hotelrechnung nachgewiesen werden, dann kann dieser höhere tatsächliche Aufwand als Betriebsausgabe angesetzt werden.
Vorraussetzung dafür ist laut Siart eine Entfernung zwischen Wohnort und Seminarort von mindestens 120 Kilometern. Allerdings gilt es auch für tatsächliche Nächtigungskosten Höchstbeträge zu beachten: für Österreich 81,45 Euro und für Deutschland beispielsweise 125,55 Euro.

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