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Praxis 25. November 2005

Licht in den Umsatzsteuer-Dschungel

Grundsätzlich werden Leistungen im Rahmen von Heilbehandlungen ohne Umsatzsteuer verrechnet. Für Anwendungsbeobachtungen will auch das Finanzamt seinen Obolus haben.

Steuerberatern von Ärzten werden oft ähnliche Fragen gestellt: Muss ich Umsatzsteuer bei der Rechnung dazu zählen? Was ist die unechte Umsatzsteuerbefreiung? Brauche ich eine UID-Nummer? Was ist Mehrwertsteuer? Warum muss mein Kollege Umsatzsteuer verrechnen und ich nicht? Wie ist das mit den Vermietungen von Arztordinationen oder Wohnungen? Grund genug, ein wenig Licht in den Umsatzsteuer-Dschungel zu bringen. Dazu gleich die erste Feststellung: Umsatzsteuer ist dasselbe wie Mehrwertsteuer. Mehrwertsteuer ist der umgangssprachliche Terminus. Wie funktioniert das System? Wenn Sie Waren einkaufen, ist dafür Umsatzsteuer zu zahlen. Bei Rechnungen, die Sie für medizinische Leistungen ausstellen, ist keine Umsatzsteuer zu verrechnen. Einerseits zahlen Sie beim Einkauf selbst Umsatzsteuer, Ihre eigenen Leistungen sind jedoch umsatzsteuerbefreit. Dieses System nennt man „unechte Umsatzsteuerbefreiung“. Sie sind auch nicht berechtigt, die bezahlte Umsatzsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt zurückzufordern. Kasten 1 gibt eine vollständige Übersicht jener Leistungen, die nicht umsatzsteuerpflichtig sind. Für welche Leistungen jedoch Umsatzsteuer in Rechnung zu stellen und an das Finanzamt abzuführen ist, wird in Kasten 2 aufgelistet.

Regelung für Kleinunternehmer

Unter welchen Voraussetzungen kommt es zur Umsatzsteuerpflicht? Nicht immer muss für alle in Kasten 2 angeführten umsatzsteuerpflichtigen Leistungen auch tatsächlich Umsatzsteuer in Rechnung gestellt werden. Das hängt von der individuellen Konstellation des einzelnen Steuerpflichtigen ab. Das Gesetz sieht hier eine Umsatzgrenze von 22.000 Euro vor, die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung. Erwirtschaften Sie in einem Kalenderjahr einen Umsatz von weniger als dem oben angeführten Betrag, dürfen Sie im Regelfall auch keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen.

Alle Einkünfte zählen

Diese Grenze umfasst alle Leistungen, also nicht nur die umsatzsteuerpflichtigen, sondern auch die umsatzsteuerfreien Leistungen. Dazu gehören alle Umsätze, die Sie in einem Geschäftsjahr erwirtschaften. Sollten Sie beispielsweise Einkünfte aus der Vermietung einer Wohnung beziehen, werden diese ebenfalls in die Beurteilung der Gesamtgrenze miteinbezogen. Und damit wird auch schon die Frage, ob die Vermietung einer privaten Wohnung zu Wohnzwecken umsatzsteuerpflichtig ist, beantwortet. Haben Sie eine solche Wohnung, müssen Sie zur Beurteilung dieser Frage alle Ihre Umsätze (ohne Gehalt natürlich) zusammenzählen und prüfen, ob 22.000 Euro überschritten werden. Ist dies der Fall, sind die Einnahmen aus der Vermietung mit zehn Prozent zu besteuern, im Gegenzug darf die Vorsteuer aus den Ausgaben abgezogen werden.

Identifikationsnummer

Brauchen Sie eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID-Nummer)? Die UID-Nummer hat den Zweck, dass Sie im EU-Raum umsatzsteuerfrei einkaufen können. Das setzt voraus, dass Sie im Inland umsatzsteuerpflichtig sind. Im Regelfall brauchen Sie als Arzt, der ausschließlich unecht umsatzsteuerbefreite Umsätze ausführt, keine UID-Nummer. Verfügen Sie aber über eine Hausapotheke oder verkaufen Sie Kontaktlinsen, werden Sie eine UID-Nummer benötigen, wenn Sie im EU-Raum einkaufen. Sind Sie über der Kleinunternehmergrenze und halten Vorträge, also erbringen umsatzsteuerpflichtige Leistungen, werden Sie in der Regel nach der UID-Nummer gefragt. Diese ist nämlich Voraussetzung dafür, dass sich der Veranstalter die Umatzsteuer als Vorsteuer abziehen darf. In diesem Fall müssen Sie beim Finanzamt eine UID-Nummer beantragen. Sind Sie im Zweifel, ob Sie eine UID-Nummer benötigen oder ob Ihnen eine zusteht, wenden Sie sich auf alle Fälle an Ihren Steuerberater oder an das Finanzamt.

Fragen an den Autor?
Mag. Manfred Kenda
Die Steuerberater, Klagenfurt
manfred.kenda@die-steuerberater.at

Mag. Manfred Kenda, Ärzte Woche 9/2004

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