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Praxis 17. August 2005

Richtig schenken und vererben

Erben kostet – mehr oder weniger. Bei Sparbüchern, Liegenschaften oder Betriebsvermögen will die Finanz ihren Anteil bekommen, lässt aber einen ­gewissen Spielraum zu.

Grundsätzlich könnte man glauben, dass es egal ist, ob man schenkt oder vererbt, da für beide Vorgänge im Rahmen ein und desselben Gesetzes die gleichen Bemessungsgrundlagen und Steuersätze gelten. Dennoch kann man laut Dr. Michael Kowarik, Steuerberater in Wien, Fehler machen. Durch die Beachtung von Ausnahmen und Gestaltungsmöglichkeiten kann einiges an Steuer gespart werden. Oft steht die Ersparnis aber im Widerspruch zu den übrigen Interessen der Beteiligten. Kowarik: „Seit Anfang 2004 ist die steuerfreie Schenkung von Sparbüchern Vergangenheit, weshalb vom steuerlichen Standpunkt gesehen mit Geldzuwendungen grundsätzlich besser bis zum Ableben zugewartet werden sollte, da bei einer Zuwendung von endbesteuertem Kapitalvermögen von Todes wegen keine Erbschaftssteuer anfällt.“

Übertragung einer Liegenschaft

Ähnlich ist die Situation auch bei der Übertragung von Liegenschaften. Hier besteht laut Steuerberater Mag. Manfred Wildgatsch die Möglichkeit, durch Vereinbarung von Belastungs- und Veräußerungsverboten oder eines Fruchtgenussrechtes die Bemessungsgrundlage der Schenkungssteuer zu minimieren. Steuerlich ist das klug, denn im Ablebensfall lässt sich nichts mehr gestalten, und die Steuer wird dann vom dreifachen Einheitswert erhoben. „Eine denkmögliche Variante stellt hier die so genannte Schenkung auf den Todesfall dar, die allerdings einen Notariatsakt erforderlich macht und annahmepflichtig ist“, so Wildgatsch. Eine interessante Steuerersparnis gibt es bei Schenkungen unter Ehegatten zu holen. Wenn die Schenkung der gleichteiligen Anschaffung oder Herstellung einer Wohnstätte mit nicht mehr als 150 Quadratmeter zur Befriedigung des dringenden gemeinsamen Wohnbedürfnisses dient, bleibt die Schenkung unter Ehegatten steuerfrei.

­Stiftung überlegenswert

Bei größeren Vermögen (Minimum eineinhalb Millionen Euro) ist auch die Zuwendung an eine Stiftung überlegenswert. In dieser Variante gibt es immer einen fixen Steuersatz von fünf Prozent an Stelle eines tarifmäßigen Steuersatzes von bis zu 60 Prozent, egal wie hoch die Zuwendung ist. Bei der Übertragung von GmbH-Anteilen, von Betriebsvermögen und von Anteilen an Personengesellschaften bleiben diese bis zu einem Wert von 365.000 Euro steuerfrei. Diese Befreiung gilt sowohl bei Übertragungen von Todes wegen als auch bei Schenkungen. Allerdings nur dann, wenn der Geschenkgeber das 55. Lebensjahr vollendet hat oder wegen geistiger oder körperlicher Gebrechen seinen Betrieb nicht mehr fortführen kann.

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