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Praxis 17. August 2005

Steuerzuckerl nicht für Freiberufler

Durch die Steuerreform 2005 wurde die GmbH-Besteuerung von 34 auf 25 Prozent gesenkt. „Werden die Gewinne ausgeschüttet, so beträgt die Belastung insgesamt 43,75 Prozent“, weiß Dr. Michael Klinger, Steuerberater aus Salzburg.

Die Belastung ergibt sich aus der Summe von 25 Prozent GmbH-Besteuerung zuzüglich 25 Prozent Einkommensteuer des Restgewinnes von 75 Prozent. Bei Einzelpersonen beträgt der Steuersatz ab 51.000 Euro Jahreseinkommen im Vergleich dazu 50 Prozent. Neben den haftungsrechtlichen Vorteilen (nur mit dem GmbH-Kapital und nicht mit dem Privatvermögen, ausgenommen Geschäftsführerhaftung) und der jetzigen Steuersenkung ist die GmbH unter Beachtung der berufsrechtlichen Vorschriften unter Umständen auch für Ärzte interessant. Praxisrelevanten GmbH-Möglichkeiten für Ärzte sind laut Klinger die Instituts-GmbH (Labortätigkeit), die GmbH für Nebentätigkeiten (Augenarzt hat Kontaktlinsen-GmbH) und die Ordinations- und Apparate-GmbH (für Investitionen). Eine reine Ordinations-GmbH als Außengesellschaft von mehreren Ärzten ist nicht möglich. Eine derartige Arzt-GmbH ist nicht berufsbefugt. Der Behandlungsvertrag kann nicht zwischen der Ordinations-GmbH und den Patienten abgeschlossen werden, sondern nur zwischen dem einzelnen Arzt und dem Patienten. Das bedeutet, dass auch die Honorarverrechnung vom einzelnen Arzt an den Patienten erfolgen muss. Findige Steuerberater meinen, dass die beteiligten Ärzte als Gesellschafter einer Ordinations-GmbH Honorarnoten an die Patienten unter ihrem jeweiligen Namen legen könnten, mit dem Zusatz „als Mitglied der Dr. Muster Ordinations-GmbH“. Damit wäre laut Klinger der Gewinn dieser Ärzte in der gemeinsamen Ertragsgemeinschaft der Ordinations-GmbH. Nach seiner Ansicht wird dabei übersehen, dass bei einer Einbringung der Einzelordinationen in die Ordinations-GmbH „die wesentlichen Grundlagen des Einzelunternehmens“ in die GmbH eingebracht werden müssten. „Dies ist aber nicht der Fall, wenn die Berufsbefugnis als Arzt nicht eingebracht werden kann.“

Umsatzsteuerstundung

Jeder Arzt sollte aber für sich die derzeit bestehenden Möglichkeiten für eine GmbH-Gründung prüfen. Beispiele wären: Augenarzt und Kontaktlinsen- bzw. Optiker-GmbH, Orthopäde und Physiotherapie-GmbH, Sportarzt und Gesundheitstraining-GmbH, Praktischer Arzt und Medizinproduktehandels-GmbH oder Dermatologe und Kosmetik-GmbH. Bei hohen Investitionen (Beispiel Gebäude, Ausstattung) kann auch unter Umständen die Gründung einer eigenen Ordinations- und Apparate-GmbH sinnvoll sein. Dies vor allem durch den Vorsteuerabzug, der in der Regel 20 Prozent der Investitionen beträgt. Andererseits müssen die Investitionen dann mit Gewinnaufschlag an die Ordinationen mit Umsatzsteuer weitervermietet werden. Bei allen Vergleichen muss aber auch eingerechnet werden, dass die GmbH-Konstruktion auch zusätzliche Kosten wie Gründungskosten, doppelte Buchhaltung, Bilanz oder Firmenbucheingabe verursacht. Darüber hinaus sind noch nicht alle berufsrechtlichen Hindernisse geklärt. Die Ärzteschaft sollte vehement die standespolitische Forderung nach „Freigabe der GmbH“ vorantreiben und nicht nur warten, bis die Ärztekammer auf das „Steuerzuckerl GmbH“ reagiert.

Mag. Manfred Kenda, Ärzte Woche 7/2005

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