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Praxis 17. August 2005

Sinn und Unsinn von Vorauszahlungen

Vorauszahlungen von betrieblichen Ausgaben am Jahresende sind durchaus ein taugliches Instrument der Gewinn- und damit Steuergestaltung. Man darf allerdings den Effekt nicht überbewerten und die Gefahren nicht übersehen.

Bei einer Einnahmen-Ausgaben-Rechnung werden laut Zufluss- und Abflussprinzip nur die tatsächlich geflossenen Gelder erfasst. Gewinn ist der Überschuss der zugeflossenen Betriebseinnahmen über die abgeflossenen Betriebsausgaben. Werden regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres bezahlt, so müssen sie dem Jahr zugerechnet werden, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Vorauszahlungen, die ausschließlich das laufende und folgende Jahr betreffen, dürfen jedoch sofort abgesetzt werden. Hier hinein fallen etwa Einkauf von Zahngold, Miet- oder auch Hausapothekenvorauszahlungen. So erfolgt eine Verschiebung des steuerlichen Gewinns und in Folge eine Verschiebung der Einkommensteuerzahlung. Wir haben einige Experten um Stellungnahme zu dieser Gestaltungsmöglichkeit gebeten.

Fritz Bauer
Unternehmensberater, Trofaiach
03847/5900-0

„Nehmen wir an, eine Ordination mit Hausapotheke leistet im Dezember eine Vorauszahlung von 50.000 Euro. Dadurch reduziert sich die Steuerlast des jeweiligen Jahres um 25.000 Euro. Nun stellt sich die Frage, wie hoch der Nettoeffekt wirklich ist. Durch die Reduzierung der Steuer kommt es zu einem Vorzieheffekt der Steuer. Der ‚Gewinn’ kann also nur ein Zinsgewinn sein. Die Steuerzahlung wird einfach um ein Jahr hinausgeschoben. Bei einem angenommenen Zinssatz von vier Prozent sprechen wir also von einem Zinsgewinn von 1.000 Euro. Um einen Langzeiteffekt zu erreichen, muss der Zinsgewinn sofort veranlagt werden. Selbstverständlich werden auch die Einkommensteuervorauszahlungen daraufhin reduziert, jedoch nur einmalig. Wird die Vorauszahlung nicht jedes Jahr wiederholt, verpufft der Effekt. Dramatisch wird es bei Liquiditätsengpässe und wenn die Vorauszahlung fremdfinanziert werden muss. Dann wird der Zinsgewinn bereits durch die Fremdkapitalzinsen aufgezehrt. Mietvorauszahlungen, welche am Ende des Jahres für das gesamte folgende Jahr geleistet werden, wirken sich zwar ebenfalls steuermindernd aus, berücksichtigt man aber die Zinseffekte, so ist kein Vorteil erkennbar.“

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