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Praxis 17. August 2005

Steuersparen wie Boris Becker und Co.

Woche für Woche wird in den Medien diskutiert, das österreichische Steuersystem umzubauen oder zumindest zu vereinfachen. Parallel laufen Diskussionen und Forderungen, die Steuer- und Abgabenquote zu senken. Manch einer will aber nicht mehr warten, bis alles oder zumindest ein Teil verwirklicht wird. So übersiedeln aus steuerlichen Gründen immer mehr in die Schweiz.

Was steckt dahinter? Ein Abgabenparadies nur für die Reichen oder ein überlegenes Steuersystem, von dem wir uns eine Menge abschauen könnten? Die Schweiz ist ein Magnet für Millionäre, Geldwäscher und Steuerhinterzieher – das sind die großen Klischees. Sie werden immer genährt durch prominente Einwanderer, die vor allem eines mitbringen: Privatvermögen „ohne Ende“. Das sind beispielsweise Spitzensportler, reiche Erben, Lebemänner, Unternehmerlegenden – viele haben mit den Schweizer Finanzbehörden eine Pauschale vereinbart.

„Schumis“ Steuersatz: 2,5 Prozent

Beispiel Michael Schumacher: Der Formel-Eins-Pilot muss nach Informationen von Schweizer Medien gerade mal 2,5 Millionen Franken pro Jahr berappen. Sicherlich, ein ordentlicher Betrag, aber realiter ein Steuersatz von 2,5 Prozent – in Deutschland würde „Schumi“ mindestens das 13-fache zahlen. In Österreich einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent, außer, er würde sein Vermögen in einer Privatstiftung parken. Immer mehr Vermögende wollen ihr betriebliches, aber auch ihr privates Vermögen in die Schweiz verlagern, zum Beispiel wegen der Erbschaftsteuer. Sie fällt in den meisten der 26 Kantone überhaupt nicht an, wenn bestimmte Spielregeln beachtet werden. In Liechtenstein übrigens auch nicht.

Schweizer Finanzbehörden bleiben zurückhaltend

Ob Steuerhöhe, Steuerart oder Steuerbürokratie – erfahrene Berater hören von den alten Firmenchefs immer häufiger ein Motiv für Standortflucht aus Österreich: Planungssicherheit statt Chaos. Die Schweiz bietet nun einmal all das, was früher einmal auch die Österreicher stark gemacht hat. Und die steuerliche Situation wird immer attraktiver, inzwischen gibt der Staat sogar eine Steuergarantie über zehn Jahre. Steuerwettbewerb ist Schweizer Prinzip. Das gilt auch zwischen Kantonen und Kommunen. Wer zum Beispiel als verheirateter Freiberufler in Kreuzlingen 150.000 Franken im Jahr zu versteuern hat, zahlt rund 28.000 Franken Einkommensteuer. Zwei Kilometer entfernt, im benachbarten Bottighofen, sind es fast 6.000 Franken weniger. Gewisse „Agenturen“ bedienen mittlerweile eine wachsende Nachfrage von Selbständigen, aber auch unselbständig Beschäftigten. Denn seit Juni 2002 ist es für EU-Bürger viel leichter, sich in einem der 26 Schweizer Kantone niederzulassen, wenn sie dem Staat nicht zur Last fallen und ausreichend krankenversichert sind. Schweizer Arbeitgeber können österreichische Qualifizierte mit höheren Gehältern locken, weil ihre Beschäftigten sie brutto trotzdem weniger kosten, diese aber netto mehr in der Tasche haben. Trotz höherer Lebenshaltungskosten für Wohnung oder Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs ist stets abzuwägen, was unter dem Strich stärker zählt – wobei meistens die Steuervorteile siegen.

Steuerbürger bekommen regelmäßig Geld zurück

Und noch etwas ist in der Schweiz ganz anders als bei uns: Dem Steuerbürger etwas zurückzugeben, ist bindendes Haushaltsrecht der Eidgenossenschaft. Die Folge: Statt kommunale Überschüsse etwa in überflüssige Protzbauten oder Schwimmbäder zu versenken, sinken in der Schweiz sogar manchmal die Steuersätze. Beobachter verweisen da insbesondere auf Boris Beckers neue Heimat Zug. Dort fiel im Jahre 2002 die Einkommensteuer abermals – von 6,29 auf sagenhafte 5,10 Prozent. Fragen Sie einmal Ihren Steuerberater, wie hoch Ihre Einkommensteuer im letzten Jahr war, oder wissen Sie es auswendig? Da kann man nur sagen: Schade, dass wir nicht in Zug in der Schweiz unser Geld versteuern.

Dr. Jürgen Brunotte, Ärzte Woche 5/2004

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