zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 25. November 2005

Das „Jahreszeugnis“ eines Arztes

Helmar Nahr, ein deutscher Mathematiker, hat einmal gesagt: „Die Bilanz ist das Jahreszeugnis des Managers.“ Auch in der Arztpraxis stellt der Jahresabschluss quasi das wirtschaftliche Zeugnis dar. Häufigste Art der Gewinnermittlung für Ordinationen ist die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, abhängig vom Verhältnis zwischen Betriebsausgaben und Einnahmen.

In der Praxis gibt es einige Möglichkeiten, den steuerlichen Gewinn für eine Ordination zu ermitteln. Für Ärzte ist dies im Regelfall die Einnahmen-Ausgabenrechnung. Praxisinhaber können unabhängig von der Höhe des Umsatzes oder des Gewinnes die Einnahmen- Ausgaben-Rechnung anwenden. Die Einnahmen werden erfasst, davon die Ausgaben abgezogen – was übrig bleibt, ist der Gewinn.

Periodengerechte Erfassung

Bei der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung werden die tatsächlich geflossenen Gelder erfasst. Gewinn ist der Überschuss der zugeflossenen Betriebseinnahmen über die abgeflossenen Betriebsausgaben. Es erfolgt allerdings keine „periodengerechnete“ Erfassung. Man spricht hierbei vom Zufluss- und Abflussprinzip.
Besonders auffällig ist diese Vorgehensweise bei den Kassenabrechnungen. Die Leistung wird beispielsweise im vierten Quartal erbracht. In diesem ist der Gewinn entstanden. Der Geldzufluss findet jedoch im Folgejahr statt, und erst im Zeitpunkt des Zuflusses wird die Einnahme auch tatsächlich erfasst und versteuert.
Das Zu- und Abflussprinzip wird in einigen Fällen durchbrochen. Wirtschaftsgüter, die über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer abzuschreiben sind, werden ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme abgeschrieben. Der Zahlungszeitpunkt ist irrelevant. Werden regelmäßig wiederkehrende Einnahmen und Ausgaben kurze Zeit nach Beendigung des Kalenderjahres bezahlt, müssen sie jenem Jahr zugerechnet werden, zu dem sie wirtschaftlich gehören. Ein Beispiel: Löhne, die am 2. Jänner des Folgejahres überwiesen werden, gehören noch im Vorjahr gebucht. Auch Vorauszahlungen für Miet- oder Beratungsverträge für mehrere Jahre müssen gleichmäßig auf den Vorauszahlungszeitraum aufgeteilt werden.

Eine interessante Gestaltungsmöglichkeit

Es ergibt sich jedoch hier eine interessante Gestaltungsmöglichkeit. Vorauszahlungen, die ausschließlich das laufende und folgende Jahr betreffen, dürfen sofort abgesetzt werden. Hier hinein fallen beispielsweise Mietvorauszahlungen, Einkauf von Zahngold oder auch Vorauszahlungen für die Hausapotheke.
Wie schon eingangs erwähnt, wird bei Ärzten im Normalfall die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung zu empfehlen sein. Eine weitere, jedoch wesentlich aufwändigere Gewinnermittlungsart stellt die Bilanzierung dar. Man spricht hier von der „doppelten Buchhaltung“. Der Hauptunterschied besteht in der periodengerechten Erfassung der Leistungen. Das bedeutet, dass die Leistung dann den Gewinn beeinflusst, wenn sie erbracht worden ist, und nicht dann, wenn das Honorar geflossen ist.

Kassabuch kann Zankapfel bei Betriebsprüfung sein

Es gibt aber noch weitere Unterschiede, beispielsweise muss ein Kassabuch geführt werden. Dieses ist mit einem Kassastand zu Beginn des Jahres zu eröffnen, wobei die angeführte Summe auch tatsächlich in der Kassa vorhanden sein muss. Danach gibt es Einlagen und Entnahmen, die korrekt aufzuzeichnen sind. Der Kassastand darf nie negativ werden. Jede Privatentnahme und -einlage muss aufgezeichnet werden. Die Führung eines Kassabuches erfordert große Genauigkeit und wird oft zum Zankapfel bei Betriebsprüfungen. Beim Jahresabschluss, also der Bilanz, müssen sämtliche Außenstände erfasst werden. Darunter versteht man die Forderungen an die Krankenkassen und die Außenstände der Privatpatienten. Dazu kommt die Erfassung der noch nicht abgerechneten Behandlungen.

Inventur und Bewertungvon Schulden zum Stichtag

Auch eine Inventur ist vorzunehmen. Die Verbrauchsmaterialien müssen erfasst und bewertet werden. Darunter fallen vor allem Medikamentenvorräte beim Hausapotheker, Röntgenfilme beim Radiologen oder Goldvorräte beim Zahnarzt. Alle Schulden müssen am Stichtag bewertet und Kursschwankungen bei Fremdwährungskrediten erfasst werden. Trotz dieser komplizierten Gewinnermittlungsart kann es in manchen Fällen interessant sein, von der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung auf die Bilanzierung umzusteigen. Dies vor allem dann, wenn längere Zeit Verluste erwirtschaftet und diese auch in Zukunft als Verlustvorträge zukünftigen Gewinnen gegengerechnet werden sollen. Wird ein Umsatz von unter 220.000 Euro erwirtschaftet, so kann auch die Pauschalierung als Gewinnermittlungsart gewählt werden. Dabei werden nicht die exakten Betriebsausgaben ermittelt, sondern zwölf Prozent der Umsätze als Betriebsausgaben (gilt für die Arzttätigkeit) pauschal abgezogen und damit der Gewinn ermittelt. Zusätzlich dürfen noch Ausgaben für Waren (Hausapotheke), Löhne und Gehälter sowie Sozialversicherungsbeiträge und Ausgaben für den Wohlfahrtsfonds abgesetzt werden. In der Regel machen in einer Ordination die Betriebsausgaben mehr als zwölf Prozent der Einnahmen aus und daher wird als Gewinnermittlungsart die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung gewählt.

Fragen an den Autor?
Mag. Manfred Kenda
Die Steuerberater, Klagenfurt

Mag. Manfred Kenda, Ärzte Woche 4/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben