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Praxis 10. November 2015

Nicht ohne mein Wildschwein!

Editorial

Ich bin Teil der großen gallischen Familie, gehöre also zu jenen Kindern, denen Asterix & Obelix bereits vom Fläschchen winkten. So war die Veröffentlichung des neuen Abenteuers „Der Papyrus des Cäsar“ letztens ein aufregendes Ereignis. Köstlich ist, dass die Macher ein Thema aufgriffen, von dem sie nicht wissen konnten, wie brisant es bei Erscheinung sein sollte: Dem adipösen Fleischliebhaber Obelix wird per Horoskop sein geliebtes Wildschwein verboten. Der zeigt im Comic die klassischen Verhaltensweisen der Trauer ebenso wie die User in den sozialen Medien nach der WHO-Warnung vor (rotem) Fleisch: Leugnen, Trauer, Wut („WHO = Wurst Hasser Organisation“) etc. Es wird deutlich, wie illusorisch eine fleischlose Welt ist. Das wissen auch die Lobbyisten der Fleischindustrie, die auffällig wenig tun müssen, um auf der Jetzt-erst-recht-Welle zu surfen. Trotzdem haben wir jetzt wissenschaftlich punziert, was wir doch längst ahnten. Die emotionalen Wogen gingen dennoch hoch und nun stehen sich unversöhnliche Lager gegenüber. Dabei könnte man die Aufregung nützen, um unser Fleischkonsum rational zu thematisieren. Statt Billigfleisch, dass sowohl ökologisch als auch ethisch problematisch ist, etwa die Hälfte der Woche fleischlos halten oder – die Meere mögen es uns verzeihen – zum Fisch zu greifen. Der gehört übrigens zu den bevorzugten Gegenständen im gallischen Dorf, die man sich gegen den Kopf wirft. Pack schlägt sich, Pack verträgt sich – und das binnen weniger Augenblicke. Comicfiguren verzeiht man so bipolares Verhalten, in der realen Welt wird man misstrauisch. Wenn also alle Turnusärzte in einem Kärntner Krankenhaus zunächst mit der kollektiven Kündigung drohen und Tage später erklären, es sei alles in Ordnung, dann fragen wir zumindest nach (s. S. 2). Denn wer nicht aufpasst, dem fällt irgendwann der Himmel auf den Kopf.

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